Lamivudin (3TC): Dosierung bei HIV und Hepatitis B
Hintergrund
Die StatPearls-Monographie beschreibt Lamivudin als einen nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitor (NRTI). Der Wirkstoff ist ein zentraler Bestandteil in der Therapie von HIV-1- und Hepatitis-B-Infektionen.
Lamivudin wirkt als virustatisches Mittel, indem es die virale DNA-Synthese durch Kettenabbruch hemmt. Es reduziert die Viruslast, erhöht die CD4+-Zellzahl und verbessert die Lebensqualität der Behandelten.
Laut Quelle wird Lamivudin bei HIV-1 stets in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten eingesetzt, um Resistenzen zu vermeiden. Bei chronischer Hepatitis B ist hingegen auch eine Monotherapie zugelassen.
Empfehlungen
Indikationen und Einsatzgebiete
Die Monographie nennt folgende von der FDA zugelassene Hauptindikationen für Lamivudin:
-
HIV-1-Infektion bei Erwachsenen und Kindern (als Kombinationstherapie)
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Chronische Hepatitis-B-Infektion bei Erwachsenen und Kindern (als Monotherapie)
Zusätzlich werden Off-Label-Anwendungen wie die HIV-Postexpositionsprophylaxe und die Prävention der perinatalen Hepatitis-B-Übertragung aufgeführt.
Anwendungshinweise
Es wird darauf hingewiesen, dass Lamivudin unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden kann. Bei Kindern wird laut Quelle die Tablettenform gegenüber der oralen Lösung bevorzugt, da die Lösung eine um 40 % geringere Bioverfügbarkeit aufweist.
Die gleichzeitige Gabe von sorbitolhaltigen Medikamenten sollte vermieden werden. Sorbitol führt zu einer dosisabhängigen Abnahme der maximalen Serumkonzentration von Lamivudin.
Monitoring und Überwachung
Vor Therapiebeginn wird ein Screening auf Koinfektionen empfohlen. Personen mit Hepatitis B sollten auf HIV-1 getestet werden und umgekehrt.
Während der Behandlung wird die Überwachung folgender Parameter empfohlen:
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Nierenfunktion, insbesondere bei älteren Personen oder bestehender Nierenerkrankung
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Leberfunktion (ALT-Werte), besonders bei Koinfektionen oder nach Absetzen der Therapie
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CD4+-Zellzahl und Viruslast zur Beurteilung des Therapieerfolgs
-
Anzeichen einer Pankreatitis, insbesondere bei Kindern
Dosierung
Die Quelle gibt folgende Standarddosierungen für Erwachsene und spezifische Indikationen an:
| Indikation | Dosierung | Häufigkeit |
|---|---|---|
| HIV-1-Infektion (Erwachsene) | 300 mg | 1x täglich |
| Chronische Hepatitis B (Erwachsene) | 100 mg | 1x täglich |
| HIV-Postexpositionsprophylaxe (> 50 kg, Off-Label) | 150 mg oder 300 mg | 2x täglich (150 mg) oder 1x täglich (300 mg) |
| Perinatale Hepatitis-B-Prophylaxe (Off-Label) | 100 mg | 1x täglich |
Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist eine Dosisanpassung erforderlich. Die Monographie empfiehlt folgendes Schema für Erwachsene:
| Kreatinin-Clearance (mL/min) | Initialdosis | Erhaltungsdosis |
|---|---|---|
| ≥ 50 | Keine Anpassung | 150 mg 2x täglich oder 300 mg 1x täglich |
| 30 bis 49 | 150 mg | 150 mg 1x täglich |
| 15 bis 29 | 150 mg | 100 mg 1x täglich |
| 5 bis 14 | 150 mg | 50 mg 1x täglich |
| < 5 | 50 mg | 25 mg 1x täglich |
Kontraindikationen
Kontraindikationen
Lamivudin darf bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff nicht verabreicht werden.
Warnhinweise (Boxed Warning)
Die FDA hat für Lamivudin folgende schwerwiegende Warnhinweise (Boxed Warnings) herausgegeben:
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Laktatazidose und schwere Hepatomegalie: Es gibt Berichte über Laktatazidosen und schwere Hepatomegalie mit Steatose, einschließlich tödlicher Verläufe, unter der Therapie mit Nukleosid-Analoga.
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Hepatitis-B-Exazerbation: Bei Personen mit einer HIV-1- und HBV-Koinfektion kann es nach dem Absetzen von Lamivudin zu schweren akuten Exazerbationen der Hepatitis B kommen.
Wechselwirkungen
Die gleichzeitige Anwendung mit folgenden Substanzen sollte laut Quelle vermieden werden:
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Abacavir (orale Lösung)
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Cladribin
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Bictegravir
-
Tafenoquin
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Sorbitolhaltige Präparate (bei Verwendung der oralen Lamivudin-Lösung)
💡Praxis-Tipp
Bei Personen mit einer HIV-1- und Hepatitis-B-Koinfektion ist besondere Vorsicht geboten. Die Monographie warnt davor, dass die niedrigere Lamivudin-Dosis (100 mg), die für eine alleinige Hepatitis-B-Therapie vorgesehen ist, bei einer Koinfektion nicht ausreicht und zu antiviralen Resistenzen beider Viren führen kann. Zudem wird vor einem abrupten Absetzen der Therapie bei Koinfizierten gewarnt, da dies eine schwere akute Exazerbation der Hepatitis B auslösen kann.
Häufig gestellte Fragen
Ja, Lamivudin kann laut Monographie mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Die Einnahme mit Nahrung verlangsamt zwar die Absorptionsrate um 40 %, verändert aber nicht die systemische Gesamtexposition.
Die feste Tablettenform wird bei Kindern bevorzugt, da die orale Lösung eine um 40 % geringere Bioverfügbarkeit aufweist. Zudem besteht bei der oralen Lösung ein erhöhtes Risiko für Resistenzbildungen.
Nein, laut der Quelle ist bei einer Leberfunktionseinschränkung keine Dosisanpassung von Lamivudin erforderlich. Bei einer Niereninsuffizienz muss die Dosis jedoch entsprechend der Kreatinin-Clearance reduziert werden.
Zu den schweren, aber selteneren Nebenwirkungen zählen Laktatazidose, schwere Hepatomegalie, Pankreatitis (besonders bei Kindern) und das Immunrekonstitutionssyndrom. Bei Auftreten entsprechender Symptome wird ein sofortiger Therapieabbruch empfohlen.
Lamivudin wird als FDA-Kategorie C eingestuft. Die Quelle gibt an, dass die Vorteile während der Schwangerschaft die Risiken überwiegen und basierend auf begrenzten Humandaten kein bekanntes Teratogenitätsrisiko besteht.
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Quelle: StatPearls: Lamivudine (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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