StatPearls2026

Komplexes Wundmanagement: TIMES-Schema und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: StatPearls (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Wundheilung ist ein dynamischer physiologischer Prozess, der sich in Hämostase, Entzündung, Proliferation und Remodeling unterteilen lässt. Komplexe Wunden verharren klassischerweise in der Entzündungsphase, ohne dass ein weiterer Heilungsfortschritt stattfindet.

Laut Leitlinie wird eine Wunde als komplex definiert, wenn sie länger als drei Monate besteht, eine eingeschränkte Vaskularisation oder Nekrosen aufweist, infiziert ist oder durch Begleiterkrankungen in ihrer Heilung beeinträchtigt wird. Sowohl lokale Faktoren wie anhaltender Druck als auch systemische Faktoren wie Diabetes mellitus oder Mangelernährung spielen hierbei eine entscheidende Rolle.

Das Management dieser Wunden erfordert ein tiefgreifendes Verständnis des Heilungsprozesses. Die Leitlinie betont die Notwendigkeit eines interprofessionellen Ansatzes, um sowohl die lokalen Wundverhältnisse als auch die systemischen Voraussetzungen des Patienten zu optimieren.

Empfehlungen

Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management komplexer Wunden:

Wundbeurteilung (Assessment)

Für eine konsistente und umfassende Wundbeurteilung wird die Anwendung des TIMES-Konzepts empfohlen. Dieses Akronym strukturiert die Evaluation nach folgenden Kriterien:

  • Tissue (Gewebeart): Beurteilung von Nekrosen, Slough, Granulation oder Epithelisierung.

  • Infection/Inflammation (Infektion/Entzündung): Differenzierung zwischen Kolonisation und echter Infektion.

  • Moisture (Feuchtigkeitsbalance): Erfassung von Menge, Farbe und Geruch des Exsudats.

  • Epithelialization (Epithelisierung): Überprüfung des Wundrandfortschritts.

  • Surrounding skin (Umgebungshaut): Beurteilung auf Entzündungen oder Mazerationen.

Systemische Therapieziele

Die Leitlinie betont, dass die Wundheilung maßgeblich von der allgemeinen Verfassung abhängt. Es werden folgende systemische Zielwerte für eine optimale Heilung empfohlen:

  • Blutzuckerspiegel unter 200 mg/dl

  • Albuminwert über 3 g/dl und Präalbumin über 15 mg/dl

  • Lymphozytenzahl von über 1.500

  • Vollständiger Rauchstopp

Wundreinigung und Debridement

Alle Wunden sollten unter aseptischen Bedingungen und mit einer Non-Touch-Technik behandelt werden. Für die routinemäßige Reinigung wird angewärmte Kochsalzlösung empfohlen.

Antiseptische Lösungen werden primär bei starker Exsudation oder klinischen Infektionszeichen empfohlen. Das Debridement von nekrotischem Gewebe kann autolytisch, chemisch, chirurgisch oder mittels Madentherapie erfolgen.

Auswahl der Wundauflagen

Die Wahl der Wundauflage sollte das Exsudatmanagement, die Rehydratation trockener Wunden und die Infektionskontrolle berücksichtigen. Die Leitlinie vergleicht verschiedene Materialklassen:

WundauflageEigenschaftenIndikationKontraindikation / Warnhinweis
Schaumstoff (Foam)Durchlässig für Wasserdampf und GaseMäßig bis stark exsudierende WundenTrockener Schorf, arterielle Ulzera
HydrogelHoher Wasseranteil (ca. 90 %)Aufweichen von Nekrosen, schwache ExsudationGefahr der Mazeration der Wundumgebung
HydrokolloidAbsorbiert Exsudat, wärmeisolierendSchwach bis mäßig exsudierende WundenKlinisch infizierte Wunden
AlginatHochabsorbierend (bis 20-faches Gewicht)Stark exsudierende Wunden, infizierte WundenKeine spezifischen laut Text

Spezifische Wundarten

Bei Druckulzera wird eine konsequente Druckentlastung, Ernährungsoptimierung und regelmäßige Hautpflege empfohlen. Die Leitlinie nutzt zur Klassifikation von Druckulzera die Kategorien des National Pressure Ulcer Advisory Panel (NPUAP):

KategorieBeschreibung laut NPUAP
Kategorie INicht wegdrückbares Erythem
Kategorie IITeilverlust der Haut
Kategorie IIIVollständiger Hautverlust
Kategorie IVVollständiger Gewebeverlust

Beim diabetischen Fußsyndrom wird ein interprofessionelles Management aus Blutzuckerkontrolle, Debridement, Druckentlastung (Offloading) und gegebenenfalls Revaskularisation empfohlen. Bei venösen Ulzera steht die Kompressionstherapie im Vordergrund.

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise für verschiedene Wundtherapien:

  • Jodbasierte Auflagen: Dürfen bei Schilddrüsenerkrankungen und in der Schwangerschaft nicht angewendet werden.

  • Unterdruck-Wundtherapie (NPWT): Kontraindiziert bei Verdacht auf Malignität im Wundbett, unexplorierten Fisteln, unbehandelter Osteomyelitis und Vorhandensein von nekrotischem Gewebe.

  • Madentherapie (Larval therapy): Kontraindiziert in der Nähe von großen Organen, Körperhöhlen oder Blutgefäßen, bei zu trockenen Wunden sowie bei hoher Blutungsneigung.

  • Blutegeltherapie: Relative Kontraindikationen umfassen arterielle Insuffizienz, Blutungsneigung, Immunsuppression, Diabetes mellitus, Allergien gegen Blutegel oder Fluorchinolone sowie die Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas.

  • Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO): Kontraindiziert bei Pneumothorax, schweren reaktiven Atemwegserkrankungen und kürzlicher Chemotherapie.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass die lokale Wundversorgung ohne die Optimierung systemischer Faktoren häufig erfolglos bleibt. Es wird empfohlen, neben dem lokalen Debridement und der Exsudatkontrolle stets systemische Zielwerte wie einen Blutzucker unter 200 mg/dl, ein Albumin über 3 g/dl und einen Rauchstopp anzustreben, um die physiologischen Voraussetzungen für die Wundheilung zu schaffen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird eine Wunde als komplex eingestuft, wenn sie länger als drei Monate besteht. Weitere Kriterien sind eine eingeschränkte Vaskularisation, Nekrosen, Infektionen oder begleitende Komorbiditäten, die die Heilung beeinträchtigen.

Das Akronym steht für Tissue (Gewebeart), Infection/Inflammation (Infektion/Entzündung), Moisture (Feuchtigkeitsbalance), Epithelialization (Epithelisierung) und Surrounding skin (Umgebungshaut). Die Leitlinie empfiehlt dieses Schema für eine konsistente und strukturierte Wundbeurteilung.

Bei starker Exsudation empfiehlt die Leitlinie hochabsorbierende Materialien wie Alginate oder Hydrofasern. Diese können das Exsudat effektiv binden und bei täglichem Wechsel auch bei infizierten Wunden eingesetzt werden.

Die Leitlinie nennt Malignome im Wundbett, unexplorierte Fisteln, unbehandelte Osteomyelitis und das Vorhandensein von nekrotischem Gewebe als klare Kontraindikationen für die NPWT.

Es wird empfohlen, einen Blutzuckerspiegel von unter 200 mg/dl sowie einen Albuminwert von über 3 g/dl anzustreben. Zudem werden ein Präalbuminwert von über 15 mg/dl, eine Lymphozytenzahl von über 1.500 und ein konsequenter Rauchstopp als förderlich beschrieben.

Der Verdauungstrakt von Blutegeln enthält das Bakterium Aeromonas spp., welches für den Menschen pathogen sein kann. Daher wird eine antibiotische Prophylaxe, vorzugsweise mit Ciprofloxacin, ab einer Stunde vor der Anwendung empfohlen.

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Quelle: StatPearls: Complex Wound Management (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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