Ivacaftor (Mukoviszidose): R117H-Mutation und Dosierung
Hintergrund
Die IQWiG-Dossierbewertung A20-99 untersucht den Zusatznutzen von Ivacaftor bei zystischer Fibrose (Mukoviszidose). Die Zielgruppe umfasst Säuglinge im Alter von 4 bis < 6 Monaten mit einem Körpergewicht von mindestens 5 kg.
Voraussetzung für die Behandlung in dieser Indikation ist das Vorliegen einer R117H-Mutation im CFTR-Gen. Zystische Fibrose ist eine progrediente Erkrankung, die durch eine Multi-System-Organdysfunktion gekennzeichnet ist und die Lebenserwartung stark mindert.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie (ZVT) wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) die Best supportive Care (BSC) festgelegt. Diese umfasst eine patientenindividuell optimierte, unterstützende Behandlung zur Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität.
Empfehlungen
Bewertung des Zusatznutzens
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen von Ivacaftor gegenüber der BSC nicht belegt ist. Es liegen keine geeigneten direkt vergleichenden Daten für die spezifische Altersgruppe vor.
Methodische Kritik
Die Bewertung lehnt die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgeschlagene Übertragung von Studiendaten ab:
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Daten von Erwachsenen (Studie VX11-770-110) können aufgrund des progredienten Krankheitsverlaufs nicht auf Säuglinge übertragen werden.
-
Die vorgelegte einarmige Studie (VX15-770-124) enthielt nur ein einziges Kind mit der relevanten R117H-Mutation.
-
Es fehlen Daten zur zweckmäßigen Vergleichstherapie (BSC) bei Säuglingen, um Behandlungseffekte abschätzen zu können.
Epidemiologie und Kosten
Laut Bericht ist die Zielpopulation in Deutschland extrem klein. Eigene Berechnungen des Instituts ergeben rechnerisch null Patientinnen und Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung für diese spezifische Konstellation.
Dosierung
Die Fachinformation sieht für Ivacaftor-Granulat alters- und gewichtsadaptierte Dosierungen vor. Die Einnahme erfolgt zusammen mit fetthaltiger Nahrung.
| Körpergewicht | Dosierung Ivacaftor |
|---|---|
| 5 kg bis < 7 kg | 25 mg |
| 7 kg bis < 14 kg | 50 mg |
| 14 kg bis < 25 kg | 75 mg |
Bei gleichzeitiger Anwendung von starken oder mittelstarken CYP3A-Inhibitoren wird eine Dosisanpassung empfohlen. Bei Säuglingen unter 6 Monaten wird die Kombination mit CYP3A-Inhibitoren generell nicht empfohlen, es sei denn, der Nutzen übersteigt die Risiken.
Kontraindikationen
Als Kontraindikation wird eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Ivacaftor oder einen der sonstigen Bestandteile genannt.
Zudem wird während der Behandlung der Verzehr von Grapefruit oder grapefruit-haltigen Lebensmitteln untersagt, da diese in den CYP3A-Metabolismus eingreifen.
💡Praxis-Tipp
Es wird darauf hingewiesen, dass das Ivacaftor-Granulat mit 5 ml einer altersgerechten weichen Speise oder Flüssigkeit vermischt und unverzüglich verzehrt werden muss. Die Dokumentation betont, dass unmittelbar vor oder nach der Einnahme eine fetthaltige Mahlzeit erforderlich ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG ist ein Zusatznutzen gegenüber der Best supportive Care nicht belegt. Es fehlen geeignete vergleichende Studiendaten für diese spezifische Altersgruppe.
Die Bewertung schließt eine solche Übertragung aus. Da zystische Fibrose eine progrediente Erkrankung ist, unterscheiden sich die klinischen Charakteristika zwischen Erwachsenen und Säuglingen zu stark.
Das Granulat wird mit 5 ml einer weichen Speise oder Flüssigkeit (maximal Raumtemperatur) vermischt. Es wird empfohlen, unmittelbar vor oder nach der Einnahme eine fetthaltige Mahlzeit zu verabreichen.
Bei Säuglingen unter 6 Monaten wird die gleichzeitige Gabe von mäßigen oder starken CYP3A-Inhibitoren nicht empfohlen. Eine Ausnahme besteht nur, wenn der klinische Nutzen die Risiken eindeutig übersteigt.
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Quelle: IQWiG A20-99: Ivacaftor (zystische Fibrose, ab 4-6 Jahre, mit R117H-Mutation) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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