Isoflavone: Therapie bei klimakterischen Beschwerden
Hintergrund
Der vorliegende IQWiG-Evidenzbericht dient der Aktualisierung der interdisziplinären S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen“. Er untersucht die Effekte einer Behandlung mit Isoflavonen bei symptomatischen Frauen ohne onkologische Erkrankungen.
Isoflavone, die in den Studien meist aus Soja oder Rotklee stammten, wurden in Dosierungen von 30 mg bis 126 mg pro Tag untersucht. Die Behandlungsdauer variierte zwischen kurzfristigen (3 bis 6 Monate) und langfristigen (bis zu 24 Monate) Zeiträumen.
Die Auswertung umfasst Daten aus 30 randomisierten kontrollierten Studien (RCTs). Dabei wurden sowohl kritische Endpunkte wie Lebensqualität und unerwünschte Ereignisse als auch wichtige Endpunkte wie vasomotorische Beschwerden analysiert.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht fasst die Evidenz zur Wirksamkeit von Isoflavonen im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung zusammen.
Vasomotorische Beschwerden und Lebensqualität
Laut Bericht zeigt sich bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität ein statistisch signifikanter Vorteil für Isoflavone nach 3 bis 6 sowie nach 24 Monaten. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wird hierbei als moderat bis sehr niedrig eingestuft.
Bezüglich vasomotorischer Beschwerden (wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche) ergibt die Auswertung:
-
Signifikanter Vorteil bei der Anzahl und Schwere von Hitzewallungen in der Postmenopause (moderate Evidenz)
-
Signifikanter Vorteil über alle Phasen des Klimakteriums nach 3 bis 6 Monaten (sehr niedrige Evidenz)
-
Kein signifikanter Gruppenunterschied bei Frauen in der Perimenopause nach 6 Monaten
Psychische Symptome und Schlaf
Für depressive Symptome, Angst und Fatigue zeigt sich bei Frauen in der Perimenopause nach 6 Monaten ein signifikanter Vorteil der Isoflavone (hohe Evidenz). In der Postmenopause konnte für depressive Symptome nach 4 Monaten kein signifikanter Unterschied festgestellt werden.
Bei Schlafstörungen in der Postmenopause belegt der Bericht einen signifikanten Vorteil der Isoflavone nach 3 Monaten (moderate Evidenz).
Übersicht der Endpunkt-Ergebnisse
| Endpunkt | Menopausen-Phase | Effekt von Isoflavonen vs. Placebo | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Lebensqualität | Peri- & Postmenopause | Signifikanter Vorteil | Moderat bis sehr niedrig |
| Hitzewallungen | Postmenopause | Signifikanter Vorteil | Moderat |
| Depressive Symptome | Perimenopause | Signifikanter Vorteil | Hoch |
| Angst & Fatigue | Perimenopause | Signifikanter Vorteil | Hoch |
| Schlafstörungen | Postmenopause | Signifikanter Vorteil | Moderat |
| Unerwünschte Ereignisse | Alle Phasen | Kein signifikanter Unterschied | Moderat bis niedrig |
Dosierung
Der Evidenzbericht wertete Studien aus, in denen Isoflavone in unterschiedlichen Dosierungen und Darreichungsformen (z. B. Tabletten, Kapseln oder Sojaproteinpulver) verabreicht wurden. Eine einheitliche Dosierungsempfehlung wird nicht ausgesprochen, jedoch wurden folgende Tagesdosen in den Studien untersucht:
| Studienpopulation | Untersuchte Tagesdosis | Herkunft der Isoflavone |
|---|---|---|
| Perimenopause | 60 mg bis 80 mg | Soja |
| Postmenopause | 30 mg bis 126 mg | Überwiegend Soja, teils Rotklee |
| Peri- / Postmenopause (gemischt) | 40 mg bis 114 mg | Soja, Rotklee |
Kontraindikationen
Der Evidenzbericht schließt Frauen mit onkologischen Erkrankungen explizit von der Fragestellung aus. In den ausgewerteten Studien galten unter anderem folgende Kriterien häufig als Ausschlussgrund für eine Behandlung mit Isoflavonen:
-
Bekannte oder vermutete östrogenabhängige Tumore (z. B. Mammakarzinom, Endometriumkarzinom)
-
Undiagnostizierte vaginale Blutungen
-
Aktive thromboembolische Erkrankungen oder entsprechende Vorgeschichte
-
Schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörungen
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass bei der Übertragung der Studienergebnisse auf den deutschen Versorgungskontext kulturelle Unterschiede und Ernährungsgewohnheiten (z. B. unterschiedliche Isoflavonmengen in der Basisernährung) berücksichtigt werden müssen. Hinsichtlich der Sicherheit zeigten sich in den Studien über 3 bis 24 Monate keine statistisch signifikanten Unterschiede bei den Abbruchraten oder schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen zwischen Isoflavonen und Placebo.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht zeigen Isoflavone bei Frauen in der Postmenopause einen signifikanten Vorteil bei der Reduktion von Anzahl und Schwere der Hitzewallungen. Für die Perimenopause allein konnte dieser Vorteil jedoch nicht signifikant belegt werden.
Der Evidenzbericht nennt keine allgemeingültige Dosierungsempfehlung. In den zugrundeliegenden Studien wurden Tagesdosen zwischen 30 mg und 126 mg verwendet, meist in Form von Soja- oder Rotklee-Präparaten.
Die Fragestellung des Berichts bezieht sich explizit auf Frauen ohne onkologische Erkrankungen. In den meisten Studien waren östrogenabhängige Tumore wie Brustkrebs ein striktes Ausschlusskriterium für die Teilnahme.
Die Auswertung zeigt für Frauen in der Postmenopause einen statistisch signifikanten Vorteil der Isoflavone bei Schlafstörungen nach 3 Monaten. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird als moderat eingestuft.
Gemäß der Studienauswertung gab es bei einer Einnahmedauer von 3 bis 24 Monaten keine signifikanten Unterschiede zu Placebo bezüglich schwerwiegender unerwünschter Ereignisse. Auch die Abbruchraten aufgrund von Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen vergleichbar.
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Quelle: IQWiG V24-05: Evidenzrecherche zur S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause - Diagnostik und Interventionen (IQWiG, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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