Andexanet alfa bei Blutungen: IQWiG Nutzenbewertung
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ist ein Addendum zur Nutzenbewertung von Andexanet alfa. Es geht um erwachsene Personen, die mit den direkten Faktor-Xa-Inhibitoren Apixaban oder Rivaroxaban behandelt werden.
Die Bewertung greift, wenn aufgrund lebensbedrohlicher oder nicht beherrschbarer Blutungen eine Aufhebung der Antikoagulation erforderlich ist. Der pharmazeutische Unternehmer hatte hierfür nachträglich Daten aus einem adjustierten Vergleich zweier Studien (ANNEXA-4 und RETRACE-II) eingereicht.
Dieser Vergleich fokussierte sich auf die Teilpopulation mit intrazerebralen Blutungen. Das IQWiG prüfte, ob sich aus diesen nachgereichten Daten ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ableiten lässt.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen von Andexanet alfa nicht belegt ist. Die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Daten werden als nicht geeignet eingestuft.
Methodische Einschränkungen der Evidenz
Laut Bericht weist der vorgelegte Studienvergleich mehrere methodische Schwächen auf:
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Es wurde nur eine Teilpopulation (intrazerebrale Blutungen) untersucht, was nicht das gesamte Zulassungsgebiet abdeckt.
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In der Kontrollgruppe erhielten 15,5 % keine spezifische Therapie und 5,2 % Vitamin K, weshalb unklar ist, ob die zweckmäßige Vergleichstherapie adäquat umgesetzt wurde.
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Es fehlen vergleichende Auswertungen zu Nebenwirkungen und zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität.
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Wichtige Parameter für die statistische Adjustierung (wie der NIHSS-Score) fehlten bei über der Hälfte der Interventionsgruppe.
Endpunkte und klinische Relevanz
Der Bericht stellt fest, dass sich beim Endpunkt der Volumenänderung der intrazerebralen Blutungsläsion ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Andexanet alfa zeigte.
Es bleibt laut IQWiG jedoch unklar, wie sich dieser Surrogatendpunkt zu direkt patientenrelevanten Endpunkten verhält. Bei der Mortalität und der neurologischen Funktion zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.
Laufende Studien
Der Bericht weist darauf hin, dass die endgültige Klärung des Nutzens noch aussteht. Es wird eine randomisierte kontrollierte Studie erwartet, die Andexanet alfa mit der üblichen Standardversorgung vergleicht.
Dosierung
Die im Bericht zitierte ANNEXA-4-Studie untersuchte Andexanet alfa in zwei Dosierungsschemata. Die Wahl der Dosierung erfolgte in Abhängigkeit von der Dosis und dem Zeitpunkt der letzten Einnahme des FXa-Inhibitors.
| Dosierungsschema | Initialer intravenöser Bolus | Kontinuierliche intravenöse Infusion |
|---|---|---|
| Niedrige Dosierung | 400 mg über 15 min (≤ 30 mg/min) | 480 mg über 120 min (4 mg/min) |
| Hohe Dosierung | 800 mg über 30 min (≤ 30 mg/min) | 960 mg über 120 min (8 mg/min) |
Laut Studienprotokoll war eine erneute Gabe innerhalb von 24 Stunden möglich, falls die Blutung anhielt oder erneut auftrat. Dies setzte den klinischen Verdacht voraus, dass weiterhin FXa-Inhibitorspiegel vorliegen, die zur Blutung beitragen.
Kontraindikationen
Laut den Einschlusskriterien der zitierten Studien wurden bestimmte Personengruppen von der Behandlung ausgeschlossen.
Dazu zählen Personen mit:
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einem Glasgow Coma Score (GCS) < 7
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einem geschätzten initialen intrazerebralen Blutungsvolumen > 60 ml
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intrazerebralen Blutungen im Zusammenhang mit Trauma, Tumor oder arteriovenöser Malformation
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Blutungen durch aneurysmatische Subarachnoidalblutung oder akute Thrombolyse
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht verdeutlicht, dass bei der Behandlung von FXa-Inhibitor-assoziierten Blutungen mit Andexanet alfa der patientenrelevante Zusatznutzen hinsichtlich Mortalität und neurologischem Outcome im Vergleich zur Standardtherapie aktuell nicht belegt ist. Es wird darauf hingewiesen, dass eine Reduktion des Blutungsvolumens allein nicht zwingend mit einem verbesserten klinischen Überleben oder einer besseren neurologischen Funktion einhergeht.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem aktuellen IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen von Andexanet alfa gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Die vorgelegten Daten aus Beobachtungsstudien reichten für einen Nachweis nicht aus.
Der Bericht bezieht sich auf die Aufhebung der Antikoagulation bei Personen, die mit den direkten Faktor-Xa-Inhibitoren Apixaban oder Rivaroxaban behandelt werden.
Die Dosierung erfolgt laut den zitierten Studienprotokollen als intravenöser Bolus mit anschließender kontinuierlicher Infusion über 120 Minuten. Es wird zwischen einem niedrig- und einem hochdosierten Schema unterschieden, abhängig von der vorherigen FXa-Inhibitor-Einnahme.
Der Bericht definiert als optimierte Standardtherapie unter anderem die Gabe von Blutprodukten, Flüssigkeitssubstitution, Plasmaexpandern oder Prothrombinkomplex-Konzentraten (PPSB).
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Quelle: IQWiG A20-02: Andexanet alfa (akute schwere Blutungen) - Addendum zum Auftrag A19-76 (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.