Invagination: Ultraschall, Therapie und Desinvagination
Hintergrund
Die Invagination ist definiert als Einstülpung eines Darmabschnittes in den nachfolgenden Abschnitt mit Einklemmung der versorgenden Mesenterialgefäße. Laut der AWMF-Leitlinie ist die ileozökale Lokalisation mit 80 Prozent am häufigsten.
Etwa 80 Prozent der Fälle treten bei Kindern im ersten Lebensjahr auf. In der Altersgruppe zwischen sechs Monaten und drei Jahren ist die Ursache meist idiopathisch, oft begünstigt durch Virusinfektionen wie Adeno- oder Noroviren.
Bei Kindern über drei Jahren wird die Invagination häufiger durch eine anatomische Leitstruktur wie ein Meckel-Divertikel, Darmduplikaturen oder Tumore ausgelöst. Auch eine Assoziation mit einer vorhergehenden Rotavirus-Impfung wird in der Leitlinie beschrieben, jedoch nicht mit einer Wildtyp-Rotavirus-Infektion.
Klinischer Kontext
Die Invagination ist der häufigste Grund für einen akuten Darmverschluss im frühen Kindesalter, meist zwischen dem dritten und zwölften Lebensmonat. Jungen sind von dieser Erkrankung etwa doppelt so häufig betroffen wie Mädchen. Im Erwachsenenalter tritt das Krankheitsbild sehr selten auf und hat dann meist eine fassbare organische Ursache.
Bei einer Invagination stülpt sich ein Darmabschnitt teleskopartig in den aboral folgenden Darmteil ein, am häufigsten im Bereich der Ileozökalklappe. Dies führt zu einer venösen Stauung, einem Ödem der Darmwand und im weiteren Verlauf zu einer arteriellen Ischämie. Ohne rasche Intervention drohen eine Nekrose des betroffenen Darmabschnitts und eine Perforation.
Für behandelnde Ärzte ist das Krankheitsbild aufgrund seiner potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen ein wichtiger pädiatrischer Notfall. Ein rasches Erkennen verhindert schwere Verläufe wie eine Peritonitis oder einen hypovolämischen Schock. Die klassische Trias aus kolikartigen Bauchschmerzen, Erbrechen und himbeergeleeartigen Stühlen ist diagnostisch wegweisend, tritt jedoch nicht bei allen Patienten vollständig auf.
Die Sonografie des Abdomens gilt als diagnostischer Goldstandard und zeigt typischerweise das sogenannte Kokarden- oder Pseudonierenphänomen. Bei unklaren Befunden oder Verdacht auf Komplikationen können weitere bildgebende Verfahren wie eine Röntgenübersichtsaufnahme des Abdomens zum Ausschluss einer Perforation herangezogen werden. Die klinische Untersuchung zeigt oft einen tastbaren walzenförmigen Tumor im rechten Mittelbauch.
Wissenswertes
Die meisten Fälle von Invagination treten bei Säuglingen und Kleinkindern zwischen dem dritten und zwölften Lebensmonat auf. Nach dem dritten Lebensjahr sinkt die Inzidenz deutlich ab. Tritt das Krankheitsbild bei älteren Kindern oder Erwachsenen auf, liegt häufig ein pathologischer Leitbefund wie ein Polyp oder ein Meckel-Divertikel vor.
In der Ultraschalluntersuchung zeigt sich typischerweise das sogenannte Kokardenphänomen im Querschnitt, welches durch die ineinandergestülpten Darmschichten entsteht. Im Längsschnitt stellt sich der Befund oft als Pseudonierenphänomen dar. Diese sonografischen Zeichen weisen eine sehr hohe Sensitivität und Spezifität für die Diagnose auf.
Der klassische himbeergeleeartige Stuhl, der durch eine Beimengung von Blut und Schleim entsteht, ist ein Spätsymptom der Invagination. Er tritt nur bei einem Teil der Patienten auf, oft in weniger als der Hälfte der Fälle. Das Fehlen dieses Symptoms schließt eine Invagination keinesfalls aus.
Bei Erwachsenen ist eine Invagination eine absolute Rarität und fast immer durch eine mechanische Ursache bedingt. Häufige Auslöser sind benigne oder maligne Tumoren, Polypen oder postoperative Adhäsionen, die als Leitstruktur für die Einstülpung dienen. Daher ist bei Erwachsenen in der Regel eine weiterführende Diagnostik und oft eine operative Sanierung erforderlich.
Die hydrostatische oder pneumatische Desinvagination unter Ultraschall- oder Durchleuchtungskontrolle ist bei unkomplizierten Fällen oft sehr erfolgreich. Die Erfolgsquoten liegen bei frühzeitiger Intervention meist über achtzig Prozent. Bei Zeichen einer Peritonitis oder einem Schock ist dieses Vorgehen jedoch kontraindiziert.
Nach einer erfolgreichen konservativen Reposition besteht ein gewisses Risiko für ein Rezidiv, das meist in den ersten Tagen nach dem Eingriff auftritt. Die Rezidivrate wird in der Literatur oft mit etwa fünf bis zehn Prozent angegeben. Bei wiederholten Rezidiven muss verstärkt nach einer anatomischen Leitstruktur gesucht werden.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass Röntgen-Leeraufnahmen bei Verdacht auf Invagination aufgrund der geringen Sensitivität von nur 45 Prozent obsolet sind und die Sonographie die alleinige Bildgebung der Wahl darstellt. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine periinterventionelle Antibiotikatherapie bei der konservativen Desinvagination keinen klinischen Nutzen bringt und daher unterbleiben sollte.
Häufig gestellte Fragen
Die klassische Trias besteht aus plötzlichen, krampfartigen Bauchschmerzen, einer tastbaren walzenförmigen Struktur im Bauchraum und himbeergelee-artigem Stuhl. Laut Leitlinie tritt diese vollständige Trias jedoch nur bei etwa 25 Prozent der Kinder auf.
Die Sonographie wird als Bildgebung der Wahl empfohlen, da sie eine Sensitivität von bis zu 100 Prozent aufweist. Röntgenaufnahmen gelten gemäß der Leitlinie als überholt.
Eine Operation wird empfohlen, wenn die Symptome länger als 24 Stunden bestehen, ein Perforationsverdacht vorliegt oder der konservative Desinvaginationsversuch erfolglos war. Auch bei rezidivierenden Invaginationen oder dem Verdacht auf eine anatomische Leitstruktur ist ein operatives Vorgehen indiziert.
Nach einer erfolgreichen sonographisch-hydrostatischen Desinvagination liegt die Rezidivrate laut Leitlinie bei 3,7 bis 15 Prozent. Nach einer operativen Desinvagination ist das Risiko mit 0 bis 4 Prozent deutlich geringer.
Die Leitlinie beschreibt eine Assoziation zwischen einer vorhergehenden Rotavirus-Impfung und dem Auftreten einer Invagination. Es besteht jedoch ausdrücklich keine Assoziation mit einer Wildtyp-Rotavirus-Infektion.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Invagination (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen