Hüftfraktur: Multidisziplinäre Reha und Therapiekonzept
Hintergrund
Hüftfrakturen stellen bei älteren Menschen eine häufige und schwerwiegende Verletzung dar. Etwa ein Drittel der Betroffenen verstirbt innerhalb eines Jahres nach dem Ereignis. Zudem erlangen viele ihre vorherige Mobilität und Unabhängigkeit nicht zurück.
Die übliche Versorgung umfasst eine Operation mit anschließender Therapie im Krankenhaus. Um die Erholung zu optimieren, wird zunehmend eine multidisziplinäre Rehabilitation eingesetzt. Diese wird von einem Team aus verschiedenen Fachbereichen unter ärztlicher Leitung (z. B. Geriatrie) durchgeführt.
Ein systematischer Cochrane Review aus dem Jahr 2021 untersucht die Effekte dieser multidisziplinären Rehabilitation. Dabei werden sowohl stationäre als auch ambulante Settings im Vergleich zur üblichen Versorgung bewertet.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Evidenzlage folgende Kernaussagen zur multidisziplinären Rehabilitation nach Hüftfrakturen.
Stationäre Rehabilitation
Für das stationäre Setting zeigt die Auswertung deutliche Vorteile der multidisziplinären Rehabilitation gegenüber der üblichen Versorgung. Der Review hebt folgende Ergebnisse hervor:
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Es kommt zu signifikant weniger Fällen mit einem "schlechten Ergebnis" (Tod oder Verschlechterung der Wohnsituation) nach 6 bis 12 Monaten (moderate Evidenz).
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Die Sterblichkeit im Krankenhaus sowie nach 4 bis 12 Monaten wird möglicherweise gesenkt (niedrige Evidenz).
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Das Risiko für eine dauerhaft eingeschränkte Mobilität nach 12 Monaten wird potenziell reduziert (niedrige Evidenz).
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Das Auftreten eines postoperativen Delirs im Krankenhaus wird möglicherweise verringert (niedrige Evidenz).
Hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und der Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) ist die Evidenz laut Review sehr niedrig. Hier lassen sich keine sicheren Schlüsse ziehen.
Ambulante Rehabilitation und unterstützte Entlassung
Für die ambulante Rehabilitation (z. B. unterstützte Entlassung und Rehabilitation zu Hause) ist die Datenlage deutlich schwächer. Der Review kommt zu folgenden Schlüssen:
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Bei Personen, die zu Hause leben, ist unklar, ob die multidisziplinäre Rehabilitation Vorteile gegenüber der üblichen Versorgung bietet (sehr niedrige Evidenz).
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Dies betrifft Endpunkte wie Sterblichkeit, Lebensqualität, Mobilität und den Wechsel in eine Pflegeeinrichtung.
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Auch bei Bewohnern von Pflegeeinrichtungen zeigt sich nach 12 Monaten wahrscheinlich kein wesentlicher Unterschied bezüglich Sterblichkeit oder Gehunfähigkeit (niedrige Evidenz).
Evidenzübersicht nach Setting
Der Review fasst die Effekte der multidisziplinären Rehabilitation im Vergleich zur üblichen Versorgung wie folgt zusammen:
| Setting | Einfluss auf "schlechtes Ergebnis" (Tod/Pflege) | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Stationäre Rehabilitation | Signifikante Reduktion (NNT = 25) | Moderat |
| Ambulante Rehabilitation (zu Hause) | Kein sicherer Unterschied nachweisbar | Sehr niedrig |
| Rehabilitation im Pflegeheim | Kein oder minimaler Unterschied | Niedrig |
Implikationen für die Forschung
Der Review betont, dass die Wirksamkeit der stationären multidisziplinären Rehabilitation grundsätzlich belegt ist. Zukünftige Studien sollten sich laut den Autoren auf folgende Aspekte fokussieren:
-
Identifikation der effektivsten Komponenten innerhalb der stationären Rehabilitation zur Optimierung der Kosteneffizienz.
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Untersuchung von Konzepten zur frühen unterstützten Entlassung.
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Standardisierung von Endpunktmessungen, insbesondere bezüglich des funktionellen Status.
💡Praxis-Tipp
Laut dem Review stellt die stationäre multidisziplinäre Rehabilitation unter geriatrischer Leitung einen entscheidenden Faktor dar, um nach einer Hüftfraktur Tod oder Pflegebedürftigkeit zu vermeiden. Es wird hervorgehoben, dass bereits die Behandlung von 25 Personen ausreicht, um ein solches "schlechtes Ergebnis" zu verhindern (Number Needed to Treat = 25).
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review zeigt, dass eine stationäre multidisziplinäre Rehabilitation das Risiko für Tod oder eine dauerhafte Verschlechterung der Wohnsituation signifikant senkt. Zudem wird möglicherweise das Risiko für ein postoperatives Delir und langfristige Mobilitätseinschränkungen reduziert.
Laut Review ist die Evidenzlage für ambulante Konzepte oder eine unterstützte frühe Entlassung derzeit sehr schwach. Es lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht sicher ableiten, ob ambulante Teams ähnliche Erfolge erzielen wie stationäre.
Ein solches Team wird in der Regel von einem Geriater oder Rehabilitationsmediziner geleitet. Es umfasst laut Review typischerweise Pflegekräfte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Sozialarbeiter und Ernährungsberater.
Der Review gibt an, dass etwa ein Drittel der älteren Menschen innerhalb des ersten Jahres nach einer Hüftfraktur verstirbt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer optimierten, fachübergreifenden Nachsorge.
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Quelle: Cochrane Review: Multidisciplinary rehabilitation for older people with hip fractures (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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