HPV-Impfung: Impfschema, Indikation und Nachholimpfung
Hintergrund
Humane Papillomviren (HPV) gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erregern. Eine persistierende Infektion mit Hochrisiko-Typen kann zur Entstehung von Karzinomen an Zervix, Oropharynx und im Anogenitalbereich führen.
Die prophylaktische HPV-Impfung ist eine zentrale Maßnahme zur Prävention dieser HPV-assoziierten Krebserkrankungen. Da die Impfung nicht vor bereits bestehenden Infektionen schützt, ist eine frühzeitige Immunisierung vor dem ersten sexuellen Kontakt entscheidend.
Diese Zusammenfassung basiert auf den kompakten Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut aus dem Jahr 2024. Seit 2018 schließt die Empfehlung zur Grundimmunisierung neben Mädchen auch Jungen ein.
Klinischer Kontext
Epidemiologie: Humane Papillomviren (HPV) gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erregern weltweit. Die Mehrheit der sexuell aktiven Erwachsenen infiziert sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit HPV. Besonders hohe Infektionsraten finden sich bei jungen Erwachsenen kurz nach Aufnahme der sexuellen Aktivität. Pathophysiologie: HPV infiziert die Basalzellen der Haut und Schleimhäute über Mikroläsionen. Während die meisten Infektionen durch das Immunsystem asymptomatisch eliminiert werden, kann eine persistierende Infektion mit Hochrisiko-Typen zur Integration der viralen DNA in das Wirtsgenom führen. Dies stört die Zellzyklusregulation und fördert die Entstehung von Dysplasien und Karzinomen. Klinische Bedeutung: Eine chronische HPV-Infektion ist der Hauptrisikofaktor für das Zervixkarzinom sowie für weitere anogenitale und oropharyngeale Karzinome. Niedrigrisiko-Typen verursachen gutartige, aber oft psychisch belastende Genitalwarzen. Die Prävention und frühzeitige Erkennung von HPV-assoziierten Läsionen sind daher essenzielle Bestandteile der medizinischen Versorgung. Diagnostische Grundlagen: Die Diagnostik stützt sich primär auf den direkten Virusnachweis mittels PCR aus Abstrichmaterial, häufig in Kombination mit der zytologischen Untersuchung. Bei auffälligen Befunden erfolgt eine weiterführende kolposkopische Abklärung mit gezielter Biopsieentnahme zur histologischen Sicherung.
Wissenswertes
Die Hochrisiko-Typen HPV 16 und 18 sind weltweit für etwa 70 Prozent aller Zervixkarzinome verantwortlich. Auch bei anderen HPV-assoziierten Tumoren im Anogenital- und Oropharyngealbereich spielen diese beiden Typen die dominierende Rolle.
Bei immunkompetenten Personen heilen etwa 90 Prozent der akuten HPV-Infektionen innerhalb von ein bis zwei Jahren spontan und ohne klinische Folgen aus. Lediglich persistierende Infektionen bergen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Präkanzerosen.
Humane Papillomviren sind maßgeblich an der Entstehung von Anal-, Vulva-, Vagina- und Peniskarzinomen beteiligt. Zudem wird ein wachsender Anteil von Plattenepithelkarzinomen im Kopf-Hals-Bereich, insbesondere Oropharynxkarzinome, auf HPV-Infektionen zurückgeführt.
Die Übertragung erfolgt primär durch direkten Haut- oder Schleimhautkontakt, meist beim vaginalen, analen oder oralen Geschlechtsverkehr. Auch Schmierinfektionen über kontaminierte Gegenstände oder eine vertikale Transmission unter der Geburt sind in seltenen Fällen möglich.
Der HPV-Test dient dem Nachweis viraler DNA oder RNA und besitzt eine sehr hohe Sensitivität für das Vorliegen von Hochrisiko-Typen. Er wird häufig als primäres Screening-Instrument oder zur Triage bei unklaren zytologischen Befunden eingesetzt, um das Risiko für hochgradige Dysplasien abzuschätzen.
Die überwiegende Mehrheit der HPV-Infektionen verläuft völlig asymptomatisch und bleibt von den Betroffenen unbemerkt. Symptome wie Genitalwarzen oder Kontaktblutungen treten meist erst bei spezifischen Manifestationen oder fortgeschrittenen Gewebeveränderungen auf.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Aspekt im Praxisalltag ist die Aufklärung darüber, dass die HPV-Impfung keine therapeutische Wirkung bei bereits bestehenden HPV-Infektionen hat. Zudem wird empfohlen, bei Erstimpfung ab dem 15. Geburtstag zwingend das 3-Dosen-Schema anzuwenden, da das 2-Dosen-Schema laut STIKO nur für die Altersgruppe der 9- bis 14-Jährigen vorgesehen ist.
Häufig gestellte Fragen
Die STIKO empfiehlt die HPV-Impfung für Jungen ebenso wie für Mädchen ab einem Alter von 9 Jahren. Diese Empfehlung für das männliche Geschlecht besteht seit dem Jahr 2018.
Laut STIKO-Empfehlung ist bei einem Impfbeginn ab dem 15. Lebensjahr ein 3-Dosen-Schema erforderlich. Die Impfungen erfolgen zu den Zeitpunkten 0, 2 und 6 Monate.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Nachholimpfung regulär nur bis zum Alter von 17 Jahren. Bei Erwachsenen handelt es sich um eine individuelle Gesundheitsentscheidung, bei der die Kosten meist selbst getragen werden müssen.
Die Leitlinie gibt an, dass der 9-valente Impfstoff (Gardasil 9) für die Immunisierung bevorzugt wird.
Nein, die STIKO betont ausdrücklich, dass die etablierte Krebsvorsorge mittels Pap-Abstrich auch bei vollständig geimpften Frauen weiterhin notwendig ist.
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Quelle: STIKO: HPV (Humane Papillomviren) (RKI/STIKO, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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