StatPearls2026

HIV-Therapie (ART): Indikation, Regime und Monitoring

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: StatPearls (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die antiretrovirale Therapie (ART) hat die Prognose von HIV-Infektionen grundlegend verbessert und die Erkrankung in vielen Teilen der Welt zu einem chronischen Zustand gemacht. Durch den Einsatz von Kombinationstherapien konnten die Raten von AIDS-Erkrankungen, Hospitalisierungen und Todesfällen drastisch gesenkt werden.

Ein zentrales Ziel der Behandlung ist neben der Lebensverlängerung auch die Reduktion der Virustransmission. Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) verfolgen dabei das 90-90-90-Ziel, bei dem 90 % der Infizierten diagnostiziert, 90 % therapiert und 90 % viral supprimiert sein sollen.

Die medikamentöse Therapie greift an verschiedenen Phasen des viralen Lebenszyklus an. Zu den Hauptklassen gehören unter anderem nukleosidale und nicht-nukleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI/NNRTI), Proteaseinhibitoren (PI) und Integrase-Inhibitoren (INSTI).

Empfehlungen

Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur antiretroviralen Therapie:

Indikation und Therapiestart

Es wird empfohlen, allen Personen mit einer HIV-Infektion eine antiretrovirale Therapie anzubieten. Ein typisches Initialregime besteht aus drei Medikamenten aus mindestens zwei verschiedenen Wirkstoffklassen.

Für therapienaive Personen werden folgende Startregime empfohlen:

  • Bictegravir, Tenofoviralafenamid (TAF) und Emtricitabin

  • Dolutegravir kombiniert mit Emtricitabin oder Lamivudin sowie TAF oder Tenofovirdisoproxilfumarat (TDF)

Post- und Präexpositionsprophylaxe

Nach einer potenziellen HIV-Exposition wird ein schnellstmöglicher Beginn einer Postexpositionsprophylaxe (PEP) innerhalb von 72 Stunden empfohlen. Das Standardregime besteht laut Leitlinie aus Emtricitabin, Tenofovir und Raltegravir über einen Zeitraum von vier Wochen.

Als Präexpositionsprophylaxe (PrEP) ist die Kombination aus Tenofoviralafenamid und Emtricitabin für Jugendliche und Erwachsene ab einem Körpergewicht von 35 kg zugelassen.

Besondere Patientengruppen

Bei Schwangeren wird ein sofortiger Therapiestart empfohlen, um eine Mutter-Kind-Übertragung zu verhindern. Bevorzugt wird eine INSTI-basierte Therapie, beispielsweise mit Dolutegravir, Emtricitabin und Tenofovir.

Vom Stillen wird bei einer bestätigten oder vermuteten HIV-Infektion abgeraten. Für das Neugeborene wird eine vierwöchige Prophylaxe mit Zidovudin empfohlen, sofern die Mutter unter ART eine adäquate Virusunterdrückung aufweist.

Monitoring

Vor Therapiebeginn wird eine umfassende Basisdiagnostik empfohlen. Diese umfasst unter anderem:

  • CD4-Zellzahl und HIV-Viruslast

  • Resistenztestung und HLA-B*5701-Testung

  • Tropismus-Testung und Hepatitis-B/C-Serologie

  • Großes Blutbild, Nieren- und Leberwerte, Lipidprofil sowie Nüchternglukose

Im weiteren Verlauf wird eine Kontrolle der CD4-Zellzahl und der Viruslast alle drei bis sechs Monate empfohlen. Nach zwei Jahren kann das Monitoring bei einer CD4-Zellzahl von über 500 Zellen/µL auf ein jährliches Intervall gestreckt werden.

Dosierung

Die Leitlinie gibt spezifische Dosierungsempfehlungen für Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz unter Hämodialyse (Kreatinin-Clearance < 30 mL/min):

Medikamenten-KombinationDosierung bei HämodialyseEinnahmezeitpunkt an Dialysetagen
TAF / Emtricitabin1 Tablette 1x täglichNach der Dialyse
Bictegravir / TAF / Emtricitabin1 Tablette 1x täglichNach der Dialyse
Elvitegravir / Cobicistat / TAF / Emtricitabin1 Tablette 1x täglichNach der Dialyse
Rilpivirin / TAF / Emtricitabin1 Tablette 1x täglichNach der Dialyse
Darunavir / Cobicistat / TAF / Emtricitabin1 Tablette 1x täglichNach der Dialyse

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt spezifische Kontraindikationen für verschiedene antiretrovirale Medikamente:

  • Abacavir: Kontraindiziert bei Vorliegen des HLA-B*5701-Allels, früherer Überempfindlichkeit oder mittelschwerer bis schwerer Leberfunktionseinschränkung.

  • Nevirapin (NVP): Kontraindiziert bei mittelschwerer bis schwerer Leberfunktionseinschränkung (Child-Pugh B oder C) sowie bei Frauen mit CD4 > 250 oder Männern mit CD4 > 400 aufgrund eines erhöhten Risikos für Überempfindlichkeitsreaktionen.

  • Rilpivirin: Kontraindiziert bei gleichzeitiger Gabe von Protonenpumpeninhibitoren (z. B. Omeprazol, Pantoprazol), Dexamethason, Johanniskraut sowie bestimmten Antikonvulsiva und Rifampicin.

  • Tenofovir (TDF): Kontraindiziert bei einer glomerulären Filtrationsrate von unter 50 mL/min.

  • Maraviroc: Kontraindiziert bei schwerer Nierenfunktionseinschränkung (CrCl < 30 mL/min) in Kombination mit potenten CYP3A-Inhibitoren oder -Induktoren.

  • Proteaseinhibitoren (z. B. Atazanavir, Darunavir, Ritonavir): Kontraindiziert bei gleichzeitiger Gabe von Medikamenten, die stark von CYP3A abhängig sind, da lebensbedrohliche Interaktionen auftreten können.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt eindringlich vor der potenziell fatalen Laktatazidose unter der Therapie mit nukleosidalen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI). Bei Verdacht auf eine Laktatazidose wird ein sofortiger Stopp der NRTI-Gabe sowie der Beginn einer supportiven Therapie empfohlen. Zudem wird betont, dass vor dem Einsatz von Abacavir zwingend eine Testung auf das HLA-B*5701-Allel erfolgen muss, um schwere Überempfindlichkeitsreaktionen zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird empfohlen, eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) so schnell wie möglich, spätestens jedoch innerhalb von 72 Stunden nach der Exposition zu beginnen. Die Standarddauer der Prophylaxe beträgt vier Wochen.

Für therapienaive Personen wird primär eine Kombination aus Bictegravir, Tenofoviralafenamid (TAF) und Emtricitabin empfohlen. Alternativ nennt die Leitlinie Dolutegravir in Kombination mit Emtricitabin oder Lamivudin sowie TAF oder TDF.

Die Leitlinie rät bei einer bestätigten oder vermuteten HIV-Infektion vom Stillen ab. Es wird empfohlen, auf sichere Alternativen zur Säuglingsernährung zurückzugreifen, da die antiretrovirale Therapie das Übertragungsrisiko zwar senkt, aber nicht vollständig eliminiert.

In den ersten zwei Jahren der Therapie wird eine Kontrolle der Viruslast und der CD4-Zellzahl alle drei bis sechs Monate empfohlen. Wenn die CD4-Zellzahl nach zwei Jahren stabil über 500 Zellen/µL liegt, kann das Monitoring auf ein jährliches Intervall ausgeweitet werden.

Die Leitlinie warnt vor einer schweren, potenziell tödlichen Hepatotoxizität unter Nevirapin, die meist in den ersten sechs bis acht Wochen auftritt. Es wird ein sofortiges Absetzen empfohlen, wenn die Transaminasen auf das Zehnfache der Norm ansteigen oder eine symptomatische Hepatitis auftritt.

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Quelle: StatPearls: HIV Antiretroviral Therapy (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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