Gestationshypertonie: Diagnostik, Therapie und Verlauf

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen betreffen etwa acht bis zehn Prozent aller Schwangeren. Sie umfassen chronischen Bluthochdruck, Gestationshypertonie sowie die Präeklampsie und sind mit erheblichen Komplikationen für Mutter und Kind assoziiert.

Die NICE-Leitlinie NG133 betont, dass die mütterliche Sterblichkeit durch Präeklampsie in den letzten Jahren zwar stark gesunken ist, die Morbidität jedoch weiterhin hoch bleibt. Zudem haben betroffene Frauen ein erhöhtes Risiko, im späteren Leben kardiovaskuläre Erkrankungen zu entwickeln.

Eine strukturierte und evidenzbasierte Betreuung ist daher essenziell. Die Leitlinie zielt darauf ab, durch standardisierte Vorgehensweisen bei Diagnostik und Therapie die klinischen Ergebnisse zu verbessern und Schwankungen in der Versorgungsqualität zu minimieren.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie NG133 formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management von Bluthochdruck in der Schwangerschaft:

Prophylaxe

Laut Leitlinie wird Schwangeren mit hohem Risiko für eine Präeklampsie die tägliche Einnahme von 75 bis 150 mg Aspirin ab der 12. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt empfohlen. Ein hohes Risiko besteht unter anderem bei chronischer Hypertonie, chronischer Nierenerkrankung, Diabetes mellitus oder einer hypertensiven Erkrankung in einer früheren Schwangerschaft.

Bei Vorliegen von mehr als einem moderaten Risikofaktor (z. B. Erstgebärende, Alter über 40 Jahre, BMI über 35) wird diese Prophylaxe ebenfalls empfohlen. Die Leitlinie rät explizit davon ab, Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium, Folsäure oder Antioxidantien ausschließlich zur Prävention hypertensiver Erkrankungen einzusetzen.

Diagnostik

Zur Quantifizierung einer Proteinurie bei positivem Urin-Schnelltest (1+ oder mehr) wird die Bestimmung der Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR) oder der Protein-Kreatinin-Ratio (PCR) empfohlen. Ein 24-Stunden-Sammelurin soll nicht routinemäßig verwendet werden.

Als diagnostische Schwellenwerte für eine signifikante Proteinurie nennt die Leitlinie:

  • PCR: 30 mg/mmol oder höher

  • ACR: 8 mg/mmol oder höher

Zudem wird zwischen der 20. und knapp 37. Schwangerschaftswoche ein PLGF-basierter Test (Placental Growth Factor) empfohlen, um eine Präeklampsie bei Verdachtsfällen auszuschließen.

Therapie

Bei chronischer oder gestationsbedingter Hypertonie wird eine medikamentöse Therapie empfohlen, wenn der systolische Blutdruck dauerhaft bei 140 mmHg oder höher beziehungsweise der diastolische Wert bei 90 mmHg oder höher liegt. Der Zielblutdruck liegt laut Leitlinie bei 135/85 mmHg.

Als Antihypertensiva der Wahl werden empfohlen:

  • Labetalol als Erstlinientherapie

  • Nifedipin, falls Labetalol nicht geeignet ist

  • Methyldopa, falls weder Labetalol noch Nifedipin infrage kommen

Geburtsplanung und Eklampsie-Management

Bei chronischer oder Gestationshypertonie mit Werten unter 160/110 mmHg wird von einer geplanten frühen Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche abgeraten, sofern keine anderen medizinischen Indikationen vorliegen.

Bei schwerer Präeklampsie oder Eklampsie in der Intensivmedizin wird die intravenöse Gabe von Magnesiumsulfat empfohlen. Die Leitlinie warnt davor, Diazepam oder Phenytoin als Alternative zu Magnesiumsulfat bei Eklampsie einzusetzen.

Postnatale Betreuung

Nach der Geburt wird bei Frauen mit Hypertonie Enalapril als Therapie der Wahl empfohlen, wobei die mütterliche Nierenfunktion und das Kalium überwacht werden sollen. Für Frauen schwarzafrikanischer oder karibischer Abstammung wird primär Nifedipin oder Amlodipin empfohlen.

Dosierung

Die Leitlinie nennt spezifische Zielwerte und Dosierungsschemata für das Management hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen:

IndikationMedikament / ParameterDosierung / Zielwert
Präeklampsie-Prophylaxe (hohes Risiko)Aspirin75 - 150 mg täglich (ab 12. SSW bis zur Geburt)
Zielblutdruck unter TherapieBlutdruck135/85 mmHg
Eklampsie / schwere PräeklampsieMagnesiumsulfat (intravenös)4 g Ladedosis (über 5-15 Min.), dann 1 g/Stunde Erhaltungsdosis für 24 Stunden
Diagnostik ProteinurieProtein-Kreatinin-Ratio (PCR)Schwellenwert: ≥ 30 mg/mmol
Diagnostik ProteinurieAlbumin-Kreatinin-Ratio (ACR)Schwellenwert: ≥ 8 mg/mmol

Kontraindikationen

Die Leitlinie formuliert folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARBs): Es wird vor einem erhöhten Risiko für angeborene Fehlbildungen gewarnt. Diese Medikamente sollen bei Eintritt einer Schwangerschaft abgesetzt (vorzugsweise innerhalb von 2 Arbeitstagen) und durch Alternativen ersetzt werden.

  • Thiazide und thiazidartige Diuretika: Es wird auf ein mögliches Risiko für angeborene Fehlbildungen und neonatale Komplikationen hingewiesen.

  • Eklampsie-Therapie: Diazepam, Phenytoin oder andere Antikonvulsiva sollen nicht als Alternative zu Magnesiumsulfat verwendet werden.

  • HELLP-Syndrom: Dexamethason oder Betamethason sollen nicht zur Behandlung des HELLP-Syndroms eingesetzt werden.

  • Stillzeit: Diuretika oder ARBs sollen bei stillenden Frauen nach Möglichkeit vermieden werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die Überbewertung eines einzelnen Proteinurie-Wertes. Die Leitlinie betont, dass Proteinurie-Messungen immer im Kontext einer vollständigen klinischen Untersuchung interpretiert werden sollen. Zudem wird explizit darauf hingewiesen, dass bei der Eklampsie-Prophylaxe und -Therapie ausschließlich Magnesiumsulfat und keine anderen Antikonvulsiva wie Diazepam verwendet werden sollen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt den Beginn einer antihypertensiven Therapie bei einem dauerhaften systolischen Blutdruck von 140 mmHg oder höher beziehungsweise einem diastolischen Wert von 90 mmHg oder höher.

Unter einer medikamentösen Therapie wird laut Leitlinie ein Zielblutdruck von 135/85 mmHg angestrebt.

Als Erstlinientherapie wird Labetalol empfohlen. Falls dieses nicht geeignet ist, rät die Leitlinie zu Nifedipin, und als dritte Wahl zu Methyldopa.

Bei einem positiven Urin-Schnelltest wird die Quantifizierung mittels Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR) oder Protein-Kreatinin-Ratio (PCR) empfohlen. Von der routinemäßigen Nutzung eines 24-Stunden-Sammelurins wird abgeraten.

In der postnatalen Phase wird Enalapril als Therapie der Wahl empfohlen. Bei Frauen schwarzafrikanischer oder karibischer Abstammung wird primär zu Nifedipin oder Amlodipin geraten.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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