Frühwarnsysteme (EWS): Wirksamkeit auf Akutstationen
Hintergrund
Erwachsene, deren Gesundheitszustand sich auf einer Normalstation verschlechtert, müssen vom Klinikpersonal schnell erkannt werden. Hierfür werden international Frühwarnsysteme (Early Warning Systems, EWS) und Schnellreaktionssysteme (Rapid Response Systems, RRS) eingesetzt.
Diese Systeme nutzen Checklisten mit Vitalparametern wie Blutdruck und Puls, um eine Verschlechterung frühzeitig zu erkennen. Bei Erreichen bestimmter Schwellenwerte wird ein spezialisiertes Team zur raschen Beurteilung und Behandlung hinzugezogen.
Ziel dieser Maßnahmen ist es, suboptimale Behandlungsabläufe zu verbessern und schwerwiegende Ereignisse wie unerwartete Todesfälle oder ungeplante Verlegungen auf die Intensivstation zu verhindern.
Empfehlungen
Der Cochrane Review (2021) fasst die Evidenz zur Wirksamkeit von EWS und RRS zusammen und kommt zu folgenden zentralen Ergebnissen:
Klinische Endpunkte
Die Auswertung der randomisierten kontrollierten Studien zeigt, dass die Implementierung von EWS und RRS kaum messbare Auswirkungen auf harte klinische Endpunkte hat.
| Klinischer Endpunkt | Effekt durch EWS/RRS | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Krankenhausmortalität | Geringer oder kein Unterschied | Niedrig |
| Ungeplante Intensivaufnahmen | Geringer oder kein Unterschied | Niedrig |
| Aufenthaltsdauer im Krankenhaus | Geringer oder kein Unterschied | Niedrig |
| Unerwartete Herz-/Atemstillstände | Geringer oder kein Unterschied | Niedrig |
| Kombinierter Endpunkt* | Wahrscheinlich kein Unterschied | Moderat |
*Der kombinierte Endpunkt umfasst unerwartete Herzstillstände, ungeplante Intensivaufnahmen und Todesfälle.
Methodische Einschränkungen
Die Autoren betonen die methodischen Schwächen und die hohe Heterogenität der eingeschlossenen Studien. Aufgrund der niedrigen bis sehr niedrigen Evidenzqualität können derzeit keine starken Empfehlungen für oder gegen die Wirksamkeit dieser Systeme ausgesprochen werden.
Der Review leitet aus den Ergebnissen folgende Forschungsbedarfe ab:
-
Entwicklung eines einheitlichen Kern-Endpunkt-Sets (Core Outcome Set) für zukünftige Studien
-
Durchführung von gesundheitsökonomischen Kosten-Nutzen-Analysen
-
Bessere Messung der Umsetzungstreue (Fidelity) bei der Implementierung
Wahrgenommener Nutzen in der Praxis
Trotz der fehlenden Evidenz für harte klinische Endpunkte wird auf die weite Verbreitung dieser Systeme hingewiesen. Dies deutet auf wahrgenommene Vorteile im klinischen Alltag hin, wie beispielsweise eine Stressreduktion beim Stationspersonal durch die Möglichkeit, jederzeit ein spezialisiertes Team anfordern zu können.
💡Praxis-Tipp
Obwohl Frühwarn- und Schnellreaktionssysteme in der Praxis weit verbreitet sind, lässt sich ihr Nutzen durch harte klinische Endpunkte wie Mortalität oder Intensivaufnahmen derzeit nicht eindeutig belegen. Es wird hervorgehoben, dass der Einsatz solcher Systeme dennoch zur Entlastung des Stationspersonals beitragen kann. Zukünftige Implementierungen sollten idealerweise von Prozessevaluationen und Kosten-Nutzen-Analysen begleitet werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es Evidenz von niedriger Qualität, dass Frühwarn- und Schnellreaktionssysteme zu keinem oder nur einem geringen Unterschied bei der Krankenhausmortalität führen.
Die Auswertung der randomisierten Studien zeigt, dass der Einsatz dieser Systeme wahrscheinlich keinen signifikanten Einfluss auf die Rate ungeplanter Intensivaufnahmen hat.
Der Review legt nahe, dass die Systeme subjektive Vorteile im klinischen Alltag bieten. Dazu gehört insbesondere die Entlastung des Stationspersonals, da bei einer Zustandsverschlechterung schnell ein spezialisiertes Team hinzugezogen werden kann.
Zu den standardmäßig erfassten Parametern gehören Herzfrequenz, Atemfrequenz, systolischer Blutdruck, Bewusstseinslage, Sauerstoffsättigung und Körpertemperatur. Diese werden meist in einem Punktesystem (Score) zusammengefasst.
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Quelle: Cochrane Review: Early warning systems and rapid response systems for the prevention of patient deterioration on acute adult hospital wards (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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