Fitnesstraining nach Schlaganfall: Mobilität & Therapie
Hintergrund
Körperliche Aktivität und Fitness sind nach einem Schlaganfall häufig stark reduziert. Dies kann die Ausführung alltäglicher Aktivitäten beeinträchtigen und die durch den Schlaganfall verursachten Einschränkungen weiter verstärken.
Eine ausreichende kardiorespiratorische und muskuloskelettale Fitness ist essenziell, um die Unabhängigkeit zu erhalten. Ein Verlust der Fitness wird mit einer reduzierten Mobilität und einem erhöhten Sturzrisiko in Verbindung gebracht.
Der Cochrane Review (2020) untersucht die Evidenz zu verschiedenen Formen des Fitnesstrainings bei Schlaganfallüberlebenden. Dabei werden kardiorespiratorisches Training, Krafttraining und gemischte Trainingsformen hinsichtlich ihrer Effekte auf funktionelle und gesundheitsbezogene Endpunkte analysiert.
Empfehlungen
Die Autoren des Reviews formulieren basierend auf der Metaanalyse folgende Kernaussagen:
Mortalität und Sicherheit
Laut Review hat das Fitnesstraining keinen signifikanten Einfluss auf die Mortalitätsrate. Da insgesamt nur sehr wenige Todesfälle auftraten, wird Bewegung als eine sichere Intervention eingestuft.
Vergleich der Trainingsformen
Die verschiedenen Trainingsarten zeigen laut Metaanalyse unterschiedliche Schwerpunkte in ihrer Wirksamkeit:
| Trainingsart | Effekt auf Gehgeschwindigkeit | Effekt auf Muskelkraft | Effekt auf VO2 peak |
|---|---|---|---|
| Kardiorespiratorisch | Signifikante Verbesserung | Keine spezifischen Daten | Signifikante Steigerung |
| Krafttraining | Keine signifikante Verbesserung | Signifikante Steigerung | Kaum Daten vorhanden |
| Gemischtes Training | Signifikante Verbesserung | Leichte Steigerung | Unklare Datenlage |
Kardiorespiratorisches Training
Die Evidenz zeigt, dass ein reines Ausdauertraining die kardiorespiratorische Fitness signifikant verbessert (moderate bis hohe Evidenz). Der Review hebt folgende Effekte hervor:
-
Reduktion von Behinderungswerten am Ende der Intervention
-
Steigerung der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2 peak) um durchschnittlich 3,4 mL/kg/min
-
Verbesserung der bevorzugten Gehgeschwindigkeit und der Gehstrecke
Es wird darauf hingewiesen, dass eine Steigerung der VO2 peak um 1 MET (3,3 mL/kg/min) das Risiko für schlaganfallbedingte Krankenhausaufenthalte um etwa 7 % senken könnte.
Kraft- und gemischtes Training
Ein isoliertes Krafttraining zeigt laut Metaanalyse spezifische funktionelle Vorteile. Es wird eine signifikante Verbesserung der Muskelkraft und des Gleichgewichts (Berg Balance Scale) beschrieben.
Die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining wird ebenfalls als wirksam bewertet. Der Review beschreibt für das gemischte Training:
-
Reduktion von Behinderungswerten (niedrige Evidenz)
-
Verbesserung der bevorzugten Gehgeschwindigkeit und der Gehausdauer
-
Steigerung der funktionellen Mobilität
Es wird geschlussfolgert, dass kardiorespiratorisches und gemischtes Training in Rehabilitationsprogramme integriert werden sollte.
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass ein isoliertes Krafttraining die Gehgeschwindigkeit von Schlaganfallüberlebenden nicht signifikant verbessert. Um die Mobilität im Alltag zu steigern, wird stattdessen ein kardiorespiratorisches oder gemischtes Training mit einem expliziten Geh-Anteil als am effektivsten beschrieben. Zudem wird betont, dass bereits eine moderate Steigerung der Ausdauer (um 1 MET) das Risiko für erneute Krankenhausaufenthalte klinisch relevant senken kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut Review ist die kognitive Funktionsfähigkeit nach einem Schlaganfall im Zusammenhang mit Fitnesstraining noch unzureichend untersucht. Es liegen nicht genügend Daten vor, um verlässliche Schlüsse über positive Effekte auf die Kognition zu ziehen.
Die Metaanalyse zeigt, dass kardiorespiratorisches Training und gemischtes Training die Gehgeschwindigkeit signifikant verbessern. Ein reines Krafttraining zeigt hingegen keinen signifikanten Effekt auf die bevorzugte Gehgeschwindigkeit.
Der Review stuft körperliches Fitnesstraining als sichere Intervention ein. Es gab in den untersuchten Studien keine Evidenz für eine erhöhte Mortalität oder eine Häufung schwerwiegender unerwünschter Ereignisse durch das Training.
Es wird beschrieben, dass eine Steigerung der kardiorespiratorischen Fitness (VO2 peak) um 3,3 mL/kg/min mit einer 7%igen Risikoreduktion für schlaganfallbedingte Krankenhausaufenthalte assoziiert ist. Direkte Langzeitdaten zur sekundären Prävention fehlen jedoch weitgehend.
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Quelle: Cochrane Review: Physical fitness training for stroke patients (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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