Fieberkrämpfe: Diagnostik, Therapie und Akutmanagement
Hintergrund
Fieberkrämpfe sind generalisierte Krampfanfälle, die typischerweise bei Kindern im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahren auftreten. Sie gehen mit einer Körpertemperatur von über 38 °C einher, ohne dass eine Infektion des zentralen Nervensystems oder eine andere krampfauslösende Ursache vorliegt.
Die genaue Pathophysiologie ist nicht vollständig geklärt, jedoch spielen eine genetische Prädisposition und die Unreife des zentralen Nervensystems eine Rolle. Zu den primären Risikofaktoren zählen Virusinfektionen, insbesondere das Roseolovirus, sowie eine familiäre Vorbelastung und Entwicklungsverzögerungen.
Die Prognose ist in der Regel sehr gut, und die meisten Fieberkrämpfe klingen spontan ohne Langzeitkomplikationen ab. Das Risiko für eine spätere Epilepsie ist bei einfachen Fieberkrämpfen nur minimal erhöht, während es bei komplexen Verläufen oder zusätzlichen Risikofaktoren auf 2 bis 10 Prozent ansteigen kann.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Klassifikation, Diagnostik und Therapie von Fieberkrämpfen.
Klassifikation
Fieberkrämpfe werden klinisch in einfache und komplexe Verläufe unterteilt. Diese Unterscheidung ist laut Leitlinie maßgeblich für die weitere Diagnostik und Therapie.
| Merkmal | Einfacher Fieberkrampf | Komplexer Fieberkrampf |
|---|---|---|
| Dauer | Unter 15 Minuten | 15 Minuten oder länger |
| Anfallsart | Generalisiert (meist tonisch-klonisch) | Fokal (oft auf eine Körperhälfte beschränkt) |
| Häufigkeit | Einmalig innerhalb von 24 Stunden | Mehrfaches Auftreten innerhalb von 24 Stunden |
| Postiktale Phase | Kurze Schläfrigkeit | Oft postiktale Schwäche oder Parese (Todd-Parese) |
Diagnostik
Bei Patienten mit einem typischen einfachen Fieberkrampf und rascher Rückkehr zum Ausgangszustand werden keine weiteren diagnostischen Studien empfohlen. Die Leitlinie betont den benignen Charakter dieser Anfallsform.
Für komplexe Fieberkrämpfe wird eine umfassende Evaluation empfohlen, um strukturelle oder infektiöse Ursachen auszuschließen. Dies beinhaltet in der Regel die Durchführung eines Elektroenzephalogramms (EEG).
Eine Lumbalpunktion wird bei einfachen Fieberkrämpfen nicht routinemäßig empfohlen. Sie sollte jedoch bei Verdacht auf eine ZNS-Infektion oder bei Säuglingen unter 12 Monaten mit unzureichendem Impfstatus gegen Pneumokokken oder Haemophilus influenzae Typ B erwogen werden.
Bildgebende Verfahren (MRT oder CT) sind laut Leitlinie nur bei spezifischen Warnzeichen indiziert. Dazu gehören:
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Erhöhter intrakranieller Druck
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Fokale neurologische Auffälligkeiten
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Verdacht auf strukturelle Hirndefekte
-
Vergrößerter Kopfumfang oder schweres Schädelhirntrauma
Therapie und Management
Für einfache und komplexe Fieberkrämpfe wird primär eine unterstützende Behandlung sowie die Abklärung der zugrunde liegenden Fieberursache empfohlen. Die Leitlinie stellt klar, dass Antipyretika das erneute Auftreten von Fieberkrämpfen nicht verhindern.
Bei einem febrilen Status epilepticus oder Anfällen, die länger als 5 Minuten andauern, wird eine medikamentöse Akuttherapie empfohlen. Hierfür können intravenöse Benzodiazepine (wie Lorazepam), rektales Diazepam oder intranasales Midazolam eingesetzt werden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie rät von bestimmten Maßnahmen bei der Behandlung von Fieberkrämpfen ab:
-
Eine prophylaktische Gabe von Benzodiazepinen zur Verhinderung zukünftiger Fieberkrämpfe wird nicht empfohlen, da die Nebenwirkungen den potenziellen Nutzen überwiegen.
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Antipyretika (fiebersenkende Mittel) sind nicht zur Prävention von Fieberkrampf-Rezidiven geeignet.
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Physikalische Maßnahmen zur Fiebersenkung (z. B. kühle Umschläge) verhindern laut Leitlinie kein erneutes Auftreten von Fieberkrämpfen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass Antipyretika das Auftreten von Fieberkrämpfen nicht verhindern können. Es wird empfohlen, Eltern darüber aufzuklären, dass fiebersenkende Maßnahmen zwar das Wohlbefinden des Kindes verbessern, aber keinen Schutz vor weiteren Krampfanfällen bieten.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie gibt es keinen definierten Temperaturschwellenwert für das Auftreten von Fieberkrämpfen. Die individuelle Krampfschwelle variiert von Kind zu Kind, wobei Fieberkrämpfe typischerweise bei Temperaturen über 38 °C auftreten.
Ein EEG wird bei einfachen Fieberkrämpfen nicht routinemäßig empfohlen. Die Leitlinie rät jedoch zu einem EEG, wenn die Anamnese auf einen komplexen Fieberkrampf hindeutet.
Eine Lumbalpunktion wird empfohlen, wenn klinische Zeichen einer ZNS-Infektion vorliegen. Sie sollte zudem bei Säuglingen unter 12 Monaten mit unvollständigem Impfschutz gegen Pneumokokken oder Haemophilus influenzae erwogen werden.
Bei einfachen Fieberkrämpfen ist das Risiko für eine spätere Epilepsie mit 1 bis 2 Prozent nur minimal höher als in der Allgemeinbevölkerung. Bei komplexen Fieberkrämpfen oder weiteren Risikofaktoren steigt das Risiko laut Leitlinie auf 2 bis 10 Prozent an.
Bei Anfällen, die länger als 5 Minuten andauern, wird eine medikamentöse Durchbrechung empfohlen. Hierfür nennt die Leitlinie intravenöses Lorazepam, rektales Diazepam oder intranasales Midazolam.
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Quelle: StatPearls: Febrile Seizure (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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