Fetale Überwachung unter der Geburt: CTG-Indikationen
Hintergrund
Die Überwachung des fetalen Wohlbefindens unter der Geburt ist ein essenzieller Bestandteil der intrapartalen Betreuung. Die NICE-Leitlinie NG229 bietet evidenzbasierte Kriterien zur Wahl der geeigneten Überwachungsmethode.
Dabei wird zwischen der intermittierenden Auskultation für Schwangere mit geringem Risiko und der kontinuierlichen Kardiotokografie (CTG) bei Vorliegen von Risikofaktoren unterschieden. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer kontinuierlichen Risikobewertung während des gesamten Geburtsverlaufs.
Zudem wird hervorgehoben, dass die fetale Herzfrequenzüberwachung kein isoliertes Diagnostiktool ist. Die Befunde müssen stets im Gesamtkontext der mütterlichen und fetalen klinischen Situation interpretiert werden.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur fetalen Überwachung:
Initiale Beurteilung und intermittierende Auskultation
Bei Schwangeren mit geringem Komplikationsrisiko wird in der Eröffnungsphase eine intermittierende Auskultation empfohlen.
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Die Auskultation erfolgt unmittelbar nach einer Wehe für mindestens 1 Minute.
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In der Eröffnungsphase wird dies mindestens alle 15 Minuten wiederholt, in der Austreibungsphase mindestens alle 5 Minuten.
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Der mütterliche Puls ist simultan zu tasten, um ihn von der fetalen Herzfrequenz zu unterscheiden.
Indikationen für ein kontinuierliches CTG
Ein kontinuierliches CTG wird bei Vorliegen mütterlicher oder fetaler Risikofaktoren empfohlen. Dazu zählen unter anderem:
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Vorangegangene Sectio oder andere Uterusnarben
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Hypertensive Erkrankungen oder vaginale Blutungen
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Verdacht auf Chorioamnionitis oder mütterliche Sepsis
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Fetale Wachstumsrestriktion, Übertragung (> 42+0 SSW) oder Mekonium im Fruchtwasser
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Wehensturm (5 oder mehr Wehen in 10 Minuten) oder Oxytocin-Gabe
CTG-Beurteilung und Kategorisierung
Die Leitlinie klassifiziert CTG-Merkmale (Wehen, Grundfrequenz, Variabilität, Dezelerationen) in die Kategorien Weiß, Bernstein und Rot. Daraus ergibt sich die Gesamtbeurteilung des CTGs:
| CTG-Kategorie | Kriterien |
|---|---|
| Normal | Alle 4 Merkmale sind weiß |
| Suspekt | Genau 1 Merkmal ist bernsteinfarben |
| Pathologisch | Mindestens 1 rotes Merkmal ODER 2 oder mehr bernsteinfarbene Merkmale |
Konservative Maßnahmen bei CTG-Auffälligkeiten
Bei Hinweisen auf eine fetale Gefährdung werden folgende Maßnahmen empfohlen:
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Mobilisation der Mutter oder Positionswechsel (Vermeidung der Rückenlage).
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Reduktion der Wehenfrequenz durch Stoppen von Oxytocin oder Gabe eines Tokolytikums.
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Intravenöse Flüssigkeitsgabe wird nur bei mütterlicher Hypotonie oder Sepsis-Zeichen empfohlen.
Fetale Skalpstimulation und Blutentnahme
Bei einem suspekten CTG kann eine digitale fetale Skalpstimulation erwogen werden. Führt dies zu einer Akzeleration, ist dies ein beruhigendes Zeichen. Zur fetalen Blutgasanalyse (MBU) kann die Leitlinie aufgrund unzureichender Evidenz aktuell keine Empfehlung aussprechen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie spricht folgende explizite Warnhinweise aus:
-
Mütterliche Sauerstoffgabe: Eine Sauerstofftherapie über eine Gesichtsmaske zur intrauterinen fetalen Reanimation wird nicht empfohlen, da dies dem Kind schaden kann.
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Amnioinfusion: Eine Amnioinfusion zur intrauterinen fetalen Reanimation wird nicht empfohlen.
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Intravenöse Flüssigkeiten: Eine routinemäßige IV-Flüssigkeitsgabe zur Behandlung fetaler Herzfrequenzanomalien wird nicht empfohlen, es sei denn, die Mutter ist hypoton oder zeigt Zeichen einer Sepsis.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist es in der Austreibungsphase besonders wichtig, die fetale Herzfrequenz strikt vom mütterlichen Puls zu unterscheiden, da es hier häufig zu Verwechslungen kommt. Es wird empfohlen, den mütterlichen Puls simultan zu tasten und bei Unklarheiten frühzeitig eine kontinuierliche mütterliche Herzfrequenzmessung oder eine fetale Skalpelektrode zu nutzen. Zudem wird betont, dass ein Fehlen von Akzelerationen bei der fetalen Skalpstimulation ein ernstzunehmendes Warnsignal für eine fetale Gefährdung darstellt.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt ein kontinuierliches CTG bei mütterlichen Risikofaktoren wie vorangegangener Sectio, Hypertonie oder Sepsis. Auch fetale Faktoren wie Wachstumsrestriktion, Übertragung oder das Auftreten von Mekonium stellen eine Indikation dar.
In der Eröffnungsphase wird eine Auskultation für mindestens 1 Minute alle 15 Minuten empfohlen. In der Austreibungsphase sollte dies laut Leitlinie mindestens alle 5 Minuten erfolgen.
Es wird empfohlen, die Gesamtkonstellation zu beurteilen und konservative Maßnahmen wie einen Positionswechsel der Mutter einzuleiten. Zudem kann laut Leitlinie eine fetale Skalpstimulation erwogen werden, um die fetale Reaktion zu testen.
Die Leitlinie spricht aktuell keine Empfehlung für oder gegen die fetale Blutentnahme am Kopf aus. Dies wird mit der unzureichenden Evidenzlage und dem Risiko einer Verzögerung der Geburt begründet.
Die Leitlinie rät explizit davon ab, der Mutter Sauerstoff zur fetalen Reanimation zu verabreichen, da dies dem Kind schaden kann. Sauerstoff sollte nur bei mütterlichen Indikationen wie eigener Hypoxie gegeben werden.
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Quelle: NG229: Ectopic pregnancy and miscarriage: diagnosis and initial management (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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