Epinephrin (Adrenalin): Indikationen und Dosierung
Hintergrund
Epinephrin (Adrenalin) ist ein körpereigenes Hormon des Nebennierenmarks und ein potentes Sympathomimetikum. Es entfaltet seine Wirkung dosisabhängig über Alpha- und Beta-Adrenozeptoren und spielt eine zentrale Rolle in der akuten Stressantwort des Körpers.
In niedrigen Dosierungen überwiegt laut der StatPearls-Monographie die Beta-Rezeptor-Aktivierung, was zu Bronchodilatation und gesteigerter Herzaktion führt. Höhere Dosierungen stimulieren primär Alpha-Rezeptoren und bewirken eine ausgeprägte Vasokonstriktion.
Die US-amerikanische FDA hat Epinephrin für die Notfallbehandlung von Typ-1-Überempfindlichkeitsreaktionen (Anaphylaxie), die Therapie der septischen Schock-induzierten Hypotension sowie zur Mydriasis-Induktion bei Augenoperationen zugelassen. Off-label wird es unter anderem bei Herz-Kreislauf-Stillstand, schwerem Asthma und Krupp-Syndrom eingesetzt.
Empfehlungen
Die StatPearls-Monographie fasst folgende Kernempfehlungen für den klinischen Einsatz zusammen:
Anaphylaxie
Die Leitlinie empfiehlt den frühzeitigen Einsatz von Epinephrin als Therapie der ersten Wahl bei anaphylaktischen Reaktionen.
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Die intramuskuläre Injektion in den anterolateralen Oberschenkel wird aufgrund der schnellen Resorption bevorzugt.
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Bei unzureichendem Ansprechen kann die Gabe laut Monographie alle 5 bis 10 Minuten wiederholt werden.
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Hochrisikopatienten sollten mit einem Epinephrin-Autoinjektor (EAI) ausgestattet und in dessen korrekter Nutzung geschult werden.
Herz-Kreislauf-Stillstand
Im Rahmen der kardiopulmonalen Reanimation wird Epinephrin bei asystolischen oder pulslosen Rhythmen (PEA, Kammerflimmern, pulslose ventrikuläre Tachykardie) eingesetzt.
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Es wird eine schnellstmögliche intravenöse oder intraossäre Gabe empfohlen.
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Die Verabreichung sollte gemäß den Leitlinien alle 3 bis 5 Minuten bis zur Rückkehr des Spontankreislaufs (ROSC) erfolgen.
Septischer Schock
Bei erwachsenen Patienten mit septischem Schock, die trotz Norepinephrin und Vasopressin keinen adäquaten mittleren arteriellen Druck erreichen, wird Epinephrin als nächster Vasopressor empfohlen. Die Titration der Infusion erfolgt nach dem gewünschten hämodynamischen Ansprechen.
Dosierung
| Indikation | Patientengruppe | Dosis und Applikationsweg | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Anaphylaxie | Erwachsene & Kinder ≥ 30 kg | 0,3 - 0,5 mg i.m. oder s.c. | Alle 5-10 Min. wiederholen; anterolateraler Oberschenkel |
| Anaphylaxie | Erwachsene | 2 mg intranasal | Ein Sprühstoß in ein Nasenloch; Wiederholung nach 5 Min. möglich |
| Anaphylaxie | Kinder < 15 kg | 0,1 - 0,15 mg per Autoinjektor | Frühzeitige intramuskuläre Gabe empfohlen |
| Herz-Kreislauf-Stillstand | Erwachsene | 1 mg i.v. oder i.o. | Alle 3-5 Min. bis ROSC |
| Herz-Kreislauf-Stillstand | Kinder & Jugendliche | 0,01 mg/kg i.v. oder i.o. (max. 1 mg) | Alle 3-5 Min. bis ROSC |
| Septischer Schock | Erwachsene | 0,05 - 2 µg/kg/min i.v. (Perfusor) | Titration nach mittlerem arteriellen Druck |
Kontraindikationen
Laut der Monographie gibt es keine absoluten Kontraindikationen für den lebensrettenden Einsatz von Epinephrin. Der klinische Nutzen muss gegen die potenziellen Risiken abgewogen werden.
Als relative Kontraindikationen werden eine Überempfindlichkeit gegenüber Sympathomimetika, ein Engwinkelglaukom, eine Halothan-Anästhesie sowie die katecholaminerge polymorphe ventrikuläre Tachykardie (CPVT) genannt.
Es wird ausdrücklich davor gewarnt, Epinephrin in Gewebe mit Endarterien (Finger, Zehen, Nase, Penis) zu injizieren, da ein stark erhöhtes Ischämierisiko besteht. Zudem wird auf die Gefahr von lokalen Gewebsnekrosen bei Paravasaten hingewiesen.
💡Praxis-Tipp
Bei einer akzidentellen Extravasation von Epinephrin drohen schwere lokale Gewebsnekrosen durch Ischämie. Die Leitlinie rät in einem solchen Fall zur raschen Infiltration des betroffenen Areals mit 10 bis 15 ml Kochsalzlösung, die 5 bis 10 mg des Alpha-Rezeptorenblockers Phentolamin enthält, um die Vasokonstriktion aufzuheben.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine Dosis von 0,3 bis 0,5 mg intramuskulär in den anterolateralen Oberschenkel. Diese Dosis kann bei unzureichender Wirkung alle 5 bis 10 Minuten wiederholt werden.
Ja, lebensrettende Maßnahmen wie die Gabe von Epinephrin bei Anaphylaxie oder Reanimation dürfen laut Monographie nicht aus Sorge vor fetalen Schäden zurückgehalten werden. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass Epinephrin wehenhemmend wirken und die plazentare Sauerstoffversorgung durch Vasokonstriktion reduzieren kann.
Es wird dringend davon abgeraten, Epinephrin in Bereiche mit Endarterien wie Finger, Zehen, Nase oder Penis zu injizieren. Die starke Vasokonstriktion kann in diesen Regionen zu schweren Ischämien und Nekrosen führen.
Bei Kindern im Herz-Kreislauf-Stillstand wird eine intravenöse oder intraossäre Dosis von 0,01 mg/kg Körpergewicht empfohlen. Die Maximaldosis pro Einzelgabe ist auf 1 mg begrenzt.
Eine Überdosierung kann zu Myokardischämien, Arrhythmien und Lungenödemen führen. Die Leitlinie empfiehlt eine supportive Therapie, bei der Alpha-Blocker oder Vasodilatatoren (wie Nitrite) zur Blutdrucksenkung sowie Beta-Blocker bei kardialen Arrhythmien eingesetzt werden können.
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Quelle: StatPearls: Epinephrine (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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