Epilepsie bei Erwachsenen: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die SIGN-Leitlinie 143 befasst sich mit der Diagnose und dem Management von Epilepsie bei Erwachsenen. Sie zielt darauf ab, die Versorgung durch präzise Diagnostik und optimierte medikamentöse Therapien zu verbessern.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Vermeidung von Fehldiagnosen, da synkopale oder psychogene nicht-epileptische Anfälle häufig mit Epilepsie verwechselt werden. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer detaillierten Anamnese unter Einbeziehung von Augenzeugen.
Zudem werden spezifische Personengruppen wie Frauen im gebärfähigen Alter, ältere Menschen und Personen mit psychiatrischen Komorbiditäten detailliert beleuchtet. Ein zentrales Ziel ist die Reduktion der epilepsiebedingten Mortalität, insbesondere des plötzlichen unerwarteten Todes bei Epilepsie (SUDEP).
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler ist die alleinige Fokussierung auf die Anfallskontrolle ohne Berücksichtigung psychiatrischer Komorbiditäten. Die Leitlinie hebt hervor, dass Depressionen bei Epilepsie stark unterdiagnostiziert sind und das Suizidrisiko signifikant erhöhen. Es wird ein regelmäßiges Screening auf Depressionen und Suizidalität, beispielsweise mit dem NDDI-E-Score, empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine Therapie angeboten, wenn vorausgegangene unbemerkte Anfälle, ein auffälliges EEG oder strukturelle Hirnveränderungen vorliegen. Auch der individuelle Wunsch zur Risikominimierung rechtfertigt einen Therapiebeginn.
Die Leitlinie empfiehlt Lamotrigin als Erstlinientherapie bei fokalen Anfällen. Bei Unverträglichkeit gelten Carbamazepin oder Levetiracetam als geeignete Alternativen.
Bei Anfällen, die länger als fünf Minuten andauern, wird primär die bukkale oder intranasale Gabe von 10 mg Midazolam empfohlen. Alternativ können 4 mg Lorazepam intravenös verabreicht werden.
Enzyminduzierende Antiepileptika können die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel abschwächen. Zudem wird vor der teratogenen Wirkung von Valproat gewarnt, welches nur unter strengen Auflagen verschrieben werden darf.
Ein routinemäßiges Monitoring der Blutspiegel wird von der Leitlinie nicht empfohlen. Es ist nur bei spezifischen Fragestellungen wie Verdacht auf Toxizität, Überprüfung der Adhärenz oder in der Schwangerschaft indiziert.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: SIGN 143: Diagnosis and Management of Epilepsy in Adults (SIGN, 2018). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
SIGN 159: Epilepsies in children and young people: Investigative procedures and management
Cochrane Review: Antiepileptic drug monotherapy for epilepsy: a network meta-analysis of individual participant data
Cochrane Review: Carbamazepine versus phenytoin monotherapy for epilepsy: an individual participant data review
AWMF 030-041: Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter
Cochrane Review: Immediate antiepileptic drug treatment, versus placebo, deferred, or no treatment for first unprovoked seizure
Cochrane Review: Strategies for improving adherence to antiepileptic drug treatment in people with epilepsy
Cochrane Review: Care delivery and self-management strategies for children with epilepsy
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen