Bupropion in der Schwangerschaft: Embryotox Leitlinie
Hintergrund
Bupropion ist ein selektiver Noradrenalin- und Dopamin-Wiederaufnahme-Hemmer, der zur Behandlung von Depressionen und zur Nikotinentwöhnung eingesetzt wird. Der Wirkstoff wird extensiv hepatisch metabolisiert, wobei die aktiven Metaboliten teils deutlich höhere Plasmaspiegel erreichen als die Muttersubstanz.
Der Wirkstoff und seine Metaboliten sind plazentagängig und können sowohl vom Fetus als auch von der Plazenta metabolisiert werden. Zu den bekannten pharmakologischen Eigenschaften gehören eine mögliche Blutdrucksteigerung sowie ein dosisabhängiges Risiko für Krampfanfälle.
Empfehlungen
Laut Embryotox liegen sehr hohe Erfahrungswerte mit etwa 11.000 exponierten Schwangerschaften im ersten Trimenon vor.
Therapieplanung und Alternativen
Bei einer medikamentösen Neueinstellung in der Schwangerschaft werden primär besser untersuchte Alternativen empfohlen. Wenn diese nicht infrage kommen, ist eine Verordnung von Bupropion laut Quelle auch bei Kinderwunsch oder bestehender Schwangerschaft möglich.
Zur Raucherentwöhnung wird die Anwendung nach kritischer Indikationsstellung im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans als akzeptabel eingestuft.
| Indikation | Bevorzugte Alternativen |
|---|---|
| Depressive Erkrankungen | Citalopram, Sertralin |
Erstes Trimenon
Die Auswertung zahlreicher Studien und Register spricht gegen ein erhöhtes Gesamtfehlbildungsrisiko sowie gegen ein erhöhtes Risiko für kardiale Fehlbildungen. Anfängliche Verdachtsmomente bezüglich spezifischer Herzfehler konnten in großen Folgestudien nicht bestätigt werden.
Bei einer Exposition im ersten Trimenon kann eine weiterführende Ultraschalluntersuchung zur Bestätigung einer unauffälligen fetalen Entwicklung angeboten werden.
Perinatalperiode und Entbindung
Bei einer Therapie bis zur Geburt muss mit neonatalen Anpassungsstörungen gerechnet werden. Die Leitlinie empfiehlt daher:
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Eine Entbindung in einer Klinik mit angeschlossener Neonatologie
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Eine engmaschige psychiatrische und gynäkologische Überwachung der Schwangeren
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Eine eventuelle Dosisreduktion oder Pausierung ein bis zwei Wochen vor dem Entbindungstermin, sofern das mütterliche Rückfallrisiko dies zulässt
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Eine sofortige Wiederaufnahme der erforderlichen Dosis nach der Entbindung
Stillzeit
Das Stillen wird unter einer Bupropion-Monotherapie und bei guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt als akzeptabel eingestuft. Bei neu auftretenden, unklaren Symptomen beim Säugling wird eine pädiatrische Abklärung empfohlen.
Die Häufigkeit unerwünschter Wirkungen beim gestillten Kind unterscheidet sich laut Beobachtungsdaten je nach Therapieregime:
| Therapieregime der Mutter | Anteil der Kinder mit unerwünschten Wirkungen |
|---|---|
| Bupropion-Monotherapie | 17 % |
| Bupropion in Kombination mit SSRI | 30 % |
| SSRI-Monotherapie (Vergleichsgruppe) | 7 % |
Kontraindikationen
Die Quelle weist auf folgende substanzspezifische Risiken und Warnhinweise hin:
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Mögliche Erhöhung des Blutdrucks unter der Therapie
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Geringes, dosisabhängiges Risiko für Krampfanfälle
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Geringes Missbrauchspotenzial
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Risiko für neonatale Anpassungsstörungen bei Einnahme bis zur Geburt (neurologische, gastrointestinale und kardiorespiratorische Symptome)
💡Praxis-Tipp
Um dem Neugeborenen die postnatale Anpassung zu erleichtern, kann laut Embryotox erwogen werden, die Medikation ein bis zwei Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin zu reduzieren oder zu pausieren. Dies wird jedoch nur empfohlen, wenn das individuelle psychiatrische Rückfallrisiko der Mutter dies zulässt. Nach der Entbindung wird eine sofortige Wiederaufnahme der Therapie in der erforderlichen Dosis angeraten.
Häufig gestellte Fragen
Laut Embryotox sollten bei einer Neueinstellung primär gut untersuchte SSRI wie Sertralin oder Citalopram bevorzugt werden. Wenn diese nicht infrage kommen, ist eine Verordnung von Bupropion jedoch möglich.
Große Registerstudien sprechen gegen ein erhöhtes Risiko für kardiale Fehlbildungen. Anfängliche Verdachtsmomente aus kleineren Studien bezüglich Aortenisthmusstenosen oder Ventrikelseptumdefekten konnten in umfassenden Auswertungen nicht bestätigt werden.
Da beim Neugeborenen Anpassungsstörungen auftreten können, wird eine Entbindung in einer Klinik mit Neonatologie empfohlen. Die Symptome können neurologischer, gastrointestinaler oder kardiorespiratorischer Natur sein.
Das Stillen wird unter einer Monotherapie und bei sorgfältiger Beobachtung des Säuglings als akzeptabel eingestuft. Bei Kombinationstherapien mit SSRI wurden in Beobachtungsstudien häufiger unerwünschte Wirkungen beim Kind dokumentiert.
Es wird empfohlen, auf unklare Symptome wie Erbrechen, Durchfall, Übererregbarkeit, Sedierung oder krampfartige Erscheinungen zu achten. Bei deren Auftreten sollte umgehend eine pädiatrische Abklärung erfolgen.
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Quelle: Embryotox: Bupropion in der Schwangerschaft/Stillzeit (Embryotox, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt. Vor jeder Anwendung oder Verschreibung muss die aktuelle Fachinformation konsultiert werden.