Dysmenorrhoe: Diagnostik, NSAR und Hormontherapie
Hintergrund
Dysmenorrhoe bezeichnet schmerzhafte Menstruationsblutungen, die typischerweise im Unterbauch auftreten und in die Oberschenkel oder den Rücken ausstrahlen können. Die StatPearls-Leitlinie unterscheidet zwischen der primären Dysmenorrhoe ohne zugrundeliegende Pathologie und der sekundären Form, die durch Erkrankungen wie Endometriose oder Adenomyose verursacht wird.
Als Hauptursache der primären Dysmenorrhoe wird eine Hypersekretion von Prostaglandinen aus dem Endometrium beschrieben. Diese führen zu verstärkten Uteruskontraktionen, Ischämie und konsekutiven Schmerzen.
Die Prävalenz ist hoch und betrifft einen Großteil der menstruierenden Personen, wobei bis zu 29 Prozent unter starken Schmerzen leiden. Dies führt laut Leitlinie häufig zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität und Fehlzeiten in Schule oder Beruf.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Evaluation und Behandlung:
Diagnostik
Bei einer typischen Anamnese einer primären Dysmenorrhoe bei nicht sexuell aktiven Jugendlichen ist laut Leitlinie keine routinemäßige Beckenuntersuchung erforderlich. Eine weiterführende Diagnostik wird empfohlen, wenn die Anamnese auf eine sekundäre Ursache hindeutet oder die medikamentöse Therapie versagt.
Für die Abklärung einer sekundären Dysmenorrhoe werden folgende Schritte empfohlen:
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Ultraschall als bevorzugtes initiales bildgebendes Verfahren zur Erkennung von Endometriose, Myomen oder Adenomyose
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Endozervikale oder vaginale Abstriche bei Verdacht auf sexuell übertragbare Infektionen (STI) oder Beckenentzündungen (PID)
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Magnetresonanztomographie (MRT) bei unklaren Ultraschallbefunden oder Verdacht auf tiefe Beckenendometriose
Nicht-medikamentöse Therapie
Als Basisintervention wird die lokale Wärmeanwendung am Unterbauch empfohlen. Diese Maßnahme wird als ebenso wirksam wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und wirksamer als Paracetamol beschrieben. Zudem wird regelmäßige körperliche Bewegung zur Schmerzreduktion angeraten.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Erstlinientherapie zielt auf die Hemmung der Prostaglandinsynthese oder die Unterdrückung der Ovulation ab:
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NSAR gelten als medikamentöse Therapie der ersten Wahl und sollten idealerweise 1 bis 2 Tage vor Einsetzen der Schmerzen nach einem festen Schema eingenommen werden.
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Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva (Pille, Pflaster, Ring) werden zur Schmerzreduktion empfohlen, wobei kontinuierliche Einnahmeschemata einen größeren Nutzen zeigen als zyklische.
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Gestagen-Monopräparate (z.B. Dienogest) werden besonders bei sekundärer Dysmenorrhoe infolge einer Endometriose empfohlen.
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Paracetamol stellt eine Alternative dar, wenn NSAR kontraindiziert sind.
Chirurgische Interventionen und Zweitlinientherapie
Wenn nach 3 bis 6 Monaten medikamentöser Therapie keine Besserung eintritt, wird eine diagnostische Laparoskopie empfohlen. Dies gilt insbesondere bei hohem Verdacht auf eine zugrundeliegende Pathologie.
Nervendurchtrennungsverfahren (wie die laparoskopische Uterusnervenablation) werden aufgrund signifikanter Nebenwirkungen ausdrücklich nicht empfohlen.
Dosierung
Die Leitlinie nennt spezifische Dosierungsschemata für die medikamentöse Therapie der Dysmenorrhoe. Es wird betont, dass eine Einnahme nach festem Zeitschema einer Bedarfsmedikation überlegen ist.
| Wirkstoff | Initiale Dosis | Erhaltungsdosis | Indikation / Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Ibuprofen | 800 mg | 800 mg alle 8 Stunden | Erstlinientherapie (NSAR) |
| Naproxen | 440–550 mg | 220–550 mg alle 12 Stunden | Erstlinientherapie (NSAR) |
| Mefenaminsäure | 500 mg | 250 mg alle 6 Stunden (max. 3 Tage) | Erstlinientherapie (NSAR) |
| Nifedipin | 20–40 mg | Keine Angabe | Zweitlinientherapie; hemmt Uteruskontraktionen |
Kontraindikationen
Die Leitlinie spricht sich explizit gegen den regelmäßigen Einsatz von Opioiden und Tramadol zur Behandlung der Dysmenorrhoe aus.
Zudem wird von der Verwendung des selektiven COX-2-Hemmers Celecoxib abgeraten. Als Grund werden die kardiovaskulären Nebenwirkungen sowie mögliche Verzögerungen der Ovulation genannt.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist, dass NSAR nach einem festen Zeitschema und idealerweise bereits 1 bis 2 Tage vor dem erwarteten Schmerzbeginn eingenommen werden sollten, anstatt nur bei Bedarf. Zudem wird die lokale Wärmeanwendung häufig unterschätzt, obwohl sie laut Evidenz eine vergleichbare Schmerzlinderung wie NSAR bietet und völlig nebenwirkungsfrei ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie gelten NSAR wie Ibuprofen oder Naproxen als Mittel der ersten Wahl. Paracetamol wird als Alternative beschrieben, falls NSAR kontraindiziert sind.
Ein Ultraschall wird empfohlen, wenn der Verdacht auf eine sekundäre Dysmenorrhoe besteht, beispielsweise bei untypischem Schmerzbeginn oder Begleitsymptomen. Auch bei Therapieversagen der initialen medikamentösen Behandlung ist eine Bildgebung indiziert.
Ja, die Leitlinie bestätigt, dass kombinierte hormonelle Kontrazeptiva die Schmerzen effektiv reduzieren. Ein kontinuierliches Einnahmeschema ohne Pillenpause wird dabei als besonders vorteilhaft beschrieben.
Bei einer sogenannten NSAR-resistenten Dysmenorrhoe wird eine Reevaluation nach 3 bis 6 Monaten empfohlen. In diesen Fällen sollte eine sekundäre Ursache wie Endometriose mittels Ultraschall oder Laparoskopie abgeklärt werden.
Die Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, Opioide oder Tramadol regelmäßig zur Behandlung der Dysmenorrhoe einzusetzen.
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Quelle: StatPearls: Dysmenorrhea (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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