Durvalumab bei NSCLC: Indikation und Therapieerfolg
Hintergrund
Die IQWiG-Nutzenbewertung (A18-69) untersucht den Wirkstoff Durvalumab zur Behandlung des nicht kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC). Die Bewertung bezieht sich auf erwachsene Patientinnen und Patienten mit lokal fortgeschrittenem, inoperablem NSCLC.
Eine Voraussetzung für die Behandlung ist, dass die Tumoren Programmed Cell Death-Ligand 1 (PD-L1) in ≥ 1 % der Tumorzellen exprimieren. Zudem darf die Krankheit nach einer definitiven, platinbasierten Radiochemotherapie nicht fortgeschritten sein.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) Best Supportive Care (BSC) festgelegt. Die Datengrundlage der Bewertung bildet die multizentrische, doppelblinde und randomisierte Phase-III-Studie PACIFIC.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert folgende Kernaussagen zum Zusatznutzen:
Gesamtüberleben und Zusatznutzen
Laut Bewertung zeigt sich für den Endpunkt Gesamtüberleben ein statistisch signifikanter Effekt zum Vorteil von Durvalumab. In der Gesamtschau ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen von Durvalumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie BSC.
Morbidität und Lebensqualität
Für die Endpunkte der Symptomatik (wie Dyspnoe, Schmerz oder Husten) zeigt sich kein relevanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen. Ein Zusatznutzen ist für die Morbidität somit nicht belegt.
Auch für den allgemeinen Gesundheitszustand und die gesundheitsbezogene Lebensqualität ergibt sich kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen. Die Auswertungen zeigten hier keine statistisch signifikanten Unterschiede.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Die Bewertung identifiziert in mehreren Bereichen einen höheren Schaden unter der Therapie mit Durvalumab. Dies betrifft insbesondere:
-
Immunvermittelte schwere unerwünschte Ereignisse (UEs)
-
Herzerkrankungen
-
Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes
-
Therapieabbrüche aufgrund von unerwünschten Ereignissen (häufig wegen Pneumonitis)
Für den Endpunkt Schwindelgefühl zeigt sich eine Effektmodifikation durch das Geschlecht. Bei Männern ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen geringeren Schaden durch Durvalumab, während bei Frauen kein Unterschied feststellbar ist.
Dosierung
Die Dosierung in der zugrundeliegenden PACIFIC-Studie erfolgte nach folgendem Schema:
| Wirkstoff | Dosierung | Behandlungsdauer |
|---|---|---|
| Durvalumab | 10 mg/kg Körpergewicht i.v. alle 2 Wochen | Bis zu 12 Monate (maximal 26 Dosen) |
Die Behandlung wird vorzeitig abgebrochen bei bestätigter Krankheitsprogression, Start einer alternativen antineoplastischen Therapie oder inakzeptabler Toxizität.
Kontraindikationen
Laut Bericht bestehen folgende Gegenanzeigen und Warnhinweise:
-
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile ist eine Kontraindikation.
-
Es wird eine engmaschige Überwachung auf immunvermittelte Reaktionen empfohlen (z. B. Pneumonitis, Hepatitis, Kolitis, Nephritis, Dermatitis, Myokarditis).
-
Die Schilddrüsenfunktion, Leberwerte und Nierenfunktion sollten vor und während der Therapie regelmäßig kontrolliert werden.
-
Es wird auf das Risiko von Endokrinopathien (Nebenniereninsuffizienz, Typ-1-Diabetes mellitus, Hypophysitis) hingewiesen.
-
Die Anwendung von systemischen Kortikosteroiden (außer in physiologischer Dosis) oder Immunsuppressiva vor Beginn der Therapie wird nicht empfohlen, da die Wirksamkeit von Durvalumab beeinträchtigt werden kann.
💡Praxis-Tipp
Laut IQWiG-Bericht traten Therapieabbrüche im Durvalumab-Arm signifikant häufiger auf als unter Placebo, wobei eine Pneumonitis oder Strahlenpneumonitis die häufigste Ursache darstellte. Es wird daher eine besondere klinische und radiologische Wachsamkeit bezüglich pulmonaler Symptome empfohlen, um immunvermittelte Lungenentzündungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG ist Durvalumab für Erwachsene mit lokal fortgeschrittenem, inoperablem NSCLC indiziert, deren Tumoren PD-L1 in ≥ 1 % der Zellen exprimieren. Voraussetzung ist zudem, dass die Erkrankung nach einer platinbasierten Radiochemotherapie nicht fortgeschritten ist.
Die IQWiG-Bewertung sieht einen Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen im Vergleich zu Best Supportive Care (BSC). Dies basiert maßgeblich auf einem signifikanten Vorteil beim Gesamtüberleben der Patientinnen und Patienten.
Der Bericht zeigt einen höheren Schaden durch immunvermittelte unerwünschte Ereignisse, Herzerkrankungen sowie Hauterkrankungen. Zudem kam es unter Durvalumab häufiger zu Therapieabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen, insbesondere wegen Pneumonitis.
Die Behandlung erfolgt in der Regel für bis zu 12 Monate. Sie wird vorzeitig beendet, falls eine Krankheitsprogression oder inakzeptable Toxizitäten auftreten.
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Quelle: IQWiG A18-69: Durvalumab (nicht kleinzelliges Lungenkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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