Krim-Kongo-Fieber in Spanien: Falldaten (EID Journal)
📋Auf einen Blick
- •In Spanien wurden zwischen 2013 und 2021 insgesamt 10 Fälle von Krim-Kongo-Fieber (CCHF) diagnostiziert.
- •Die Übertragung erfolgte in 8 von 10 Fällen durch Zeckenstiche, vorwiegend im Frühling und Sommer.
- •Die Mortalitätsrate lag bei 30 %, wobei tödliche Verläufe mit hohen Bakir-Scores (>7) assoziiert waren.
- •Zwei Patienten entwickelten ein hämophagozytisches Syndrom mit Hämophagozytose im Knochenmark.
- •Es zirkulieren verschiedene Virus-Genotypen (III, IV, V) in derselben geografischen Region, wobei Genotyp III dominiert.
Hintergrund
Das Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber (CCHF) ist eine durch Zecken übertragene virale Infektionskrankheit. Der Erreger ist das CCHF-Virus (CCHFV) aus der Familie der Nairoviridae. Aufgrund der Ausbreitung des Hauptvektors, Zecken der Gattung Hyalomma, gilt CCHF als aufkommende Infektionskrankheit. In Spanien wurden die ersten menschlichen Fälle im Sommer 2013 identifiziert.
Epidemiologie in Spanien (2013–2021)
Eine retrospektive Analyse erfasste alle 10 diagnostizierten CCHF-Fälle in Spanien im Zeitraum von 2013 bis 2021.
| Parameter | Ausprägung in der Studienkohorte |
|---|---|
| Altersmedian | 56,5 Jahre (Spanne: 30–74) |
| Geschlecht | 7 Männer, 3 Frauen |
| Infektionsort | 6 Fälle in städtischen Gebieten, vorwiegend Zentral-/Westspanien |
| Saisonalität | 60 % im Sommer, 40 % im Frühling |
| Übertragung | 8 von 10 Patienten berichteten von einem Zeckenstich |
Klinische Präsentation
Die mittlere Zeit vom Zeckenstich bis zum Auftreten der Symptome betrug 5,1 Tage (Spanne 2–12 Tage). Die Patienten stellten sich durchschnittlich nach 5,2 Tagen mit Fieber und Exanthem in der Klinik vor.
Häufigste Symptome:
- Fieber (10/10 Patienten)
- Exanthem
- Myalgien (8/10 Patienten)
- Blutungen (7/10 Patienten)
- Gastrointestinale Beschwerden (Diarrhö bei 4, Übelkeit/Erbrechen bei 4 Patienten)
Diagnostik und Komplikationen
Auffällig war das Auftreten eines hämophagozytischen Syndroms bei zwei Patienten. Dieses seltene, schwere Syndrom ist unter anderem durch Hämophagozytose im Knochenmark und stark erhöhte Ferritinwerte gekennzeichnet. Insgesamt wiesen 7 Patienten erhöhte Serum-Ferritinwerte auf.
| Genotyp (CCHFV) | Vorkommen in der Kohorte | Bemerkung |
|---|---|---|
| Genotyp III (Africa 3) | 5 Fälle | Häufigster Genotyp in der Studie |
| Genotyp IV (Africa 4) | 1 Fall | Neue Linie |
| Genotyp V (Europe 1) | 2 Fälle | Zirkuliert im selben geografischen Gebiet wie Genotyp III |
| Unbekannt | 2 Fälle | Keine Sequenzierung durchgeführt |
Therapie und Prognose
Alle Patienten erhielten während des Krankenhausaufenthalts Doxycyclin, vermutlich aufgrund eines initialen Verdachts auf eine Rickettsiose. Drei Patienten wurden mit Ribavirin behandelt (alle überlebten, jedoch ist die Stichprobe für einen Wirksamkeitsnachweis zu klein).
Die Mortalitätsrate lag bei 30 % (3 von 10 Patienten verstarben). Zur prognostischen Einschätzung wurde der Bakir-Score herangezogen:
- Der durchschnittliche Score bei Aufnahme lag bei 5,0.
- Die drei verstorbenen Patienten wiesen die höchsten Bakir-Scores (>7) auf.
- Alle 7 Patienten mit niedrigeren Scores überlebten und erholten sich vollständig.
💡Praxis-Tipp
Denken Sie bei Patienten mit unklarem Fieber, Exanthem und Myalgien nach einem Zeckenstich (insbesondere nach Aufenthalten in Spanien) differenzialdiagnostisch an das Krim-Kongo-Fieber. Achten Sie auf stark erhöhte Ferritinwerte als möglichen Hinweis auf ein hämophagozytisches Syndrom.