Distributiver Schock: Diagnostik und Volumentherapie
Hintergrund
Der distributive Schock, auch als vasodilatatorischer Schock bekannt, ist durch eine unzureichende Gewebeperfusion gekennzeichnet. Ursächlich ist eine systemische Vasodilatation, die zu einer verminderten Durchblutung lebenswichtiger Organe wie Gehirn, Herz und Nieren führt.
Zusätzlich kommt es häufig zu einem Flüssigkeitsaustritt aus den Kapillaren in das umliegende Gewebe. Dies verkompliziert das klinische Bild und erfordert einen multimodalen Therapieansatz.
Die häufigsten Ursachen in der Notaufnahme sind Sepsis und Anaphylaxie. Weitere Auslöser umfassen den neurogenen Schock bei Traumata, Nebennierenrindeninsuffizienz, das Kapillarlecksyndrom sowie Intoxikationen durch Vasodilatatoren.
Empfehlungen
Die StatPearls-Zusammenfassung formuliert folgende Kernempfehlungen für das klinische Management:
Diagnostik
Primär wird die Sicherung von Atemwegen, Atmung und Kreislauf (ABC-Schema) sowie die Etablierung von intravenösen Zugängen und einem hämodynamischen Monitoring empfohlen. Zur Ursachenklärung sollte eine rasche klinische Untersuchung erfolgen, wobei warme Extremitäten in der Frühphase auf eine Vasodilatation hindeuten.
Folgende diagnostische Maßnahmen werden laut Quelle empfohlen:
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Durchführung eines EKG zum Ausschluss von Arrhythmien oder Ischämien
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Mobiles Röntgen-Thorax zur Identifikation von Pneumonien oder Lungenödemen
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Bedside-Sonografie (RUSH-Protokoll) zur Beurteilung der Herzfunktion und des Volumenstatus
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Laborchemische Bestimmung von Laktat, Blut- und Urinkulturen sowie Blutgasen
Therapie
Die initiale Therapie besteht aus einem Flüssigkeitsbolus von 250 bis 500 ml, von dem die meisten Betroffenen profitieren. Das primäre hämodynamische Ziel ist das Erreichen eines mittleren arteriellen Drucks (MAP) von über 65 mmHg.
Für spezifische Schockformen werden folgende Ansätze empfohlen:
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Beim septischen Schock: Aggressive Volumentherapie (30 ml/kg in den ersten 3 Stunden), frühzeitige Antibiotikagabe und Fokussanierung
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Beim anaphylaktischen Schock: Epinephrin als Mittel der Wahl, ergänzt durch Antihistaminika, Steroide und Bronchodilatatoren
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Bei therapierefraktärem Schock: Erwägung einer Nebennierenrindeninsuffizienz und entsprechende Steroidgabe
Monitoring
Zur Überwachung der Gewebeperfusion wird die klinische Untersuchung in Kombination mit laborchemischen Parametern empfohlen. Als Zielgrößen nennt die Quelle eine zentralvenöse Sauerstoffsättigung (ScvO2) von mindestens 70 % sowie die Normalisierung von Laktat und Basendefizit.
Dosierung
| Medikament | Dosierung | Indikation / Bemerkung |
|---|---|---|
| Norepinephrin | 2 - 20 mcg/min | Mittel der 1. Wahl bei septischem Schock |
| Vasopressin | 0,03 - 0,04 U/min | Mittel der 2. Wahl bei septischem Schock |
| Hydrocortison | 100 mg | Bei Verdacht auf Nebennierenrindeninsuffizienz |
| Epinephrin | Push-Dose (titriert) | Notfallgabe bei MAP < 50 mmHg oder Anaphylaxie |
| Phenylephrin | Push-Dose (titriert) | Notfallgabe bei kritischem Perfusionsdruck (MAP < 50 mmHg) |
Kontraindikationen
Die Quelle warnt davor, eine Intubation vor der hämodynamischen Optimierung durchzuführen. Eine unzureichende Vorbereitung kann in dieser kritischen Phase einen Herzstillstand provozieren.
💡Praxis-Tipp
Ein therapierefraktärer Schock, der weder auf adäquate Volumengabe noch auf Vasopressoren anspricht, ist ein starker Hinweis auf eine zugrundeliegende Nebennierenrindeninsuffizienz. In solchen Fällen wird die empirische Gabe von Hydrocortison empfohlen, um die Alpha-1-Rezeptorexpression an den Arteriolen wiederherzustellen.
Häufig gestellte Fragen
Laut StatPearls wird Norepinephrin als Vasopressor der ersten Wahl empfohlen. Es bietet eine Alpha-1- und Beta-1-Stimulation, die die periphere Vasokonstriktion erhöht, ohne das Herzzeitvolumen signifikant zu beeinträchtigen.
Die Quelle empfiehlt für die meisten Fälle einen initialen Flüssigkeitsbolus von 250 bis 500 ml. Beim septischen Schock wird spezifisch eine Volumengabe von 30 ml/kg innerhalb der ersten drei Stunden angeraten.
Es wird empfohlen, einen mittleren arteriellen Druck (MAP) von über 65 mmHg anzusteuern. Dieser Wert stellt den ungefähren kritischen Perfusionsdruck für Herz und Nieren dar.
Die Bedside-Sonografie mittels RUSH-Protokoll wird zur schnellen Beurteilung der globalen Herzfunktion und des Volumenstatus empfohlen. Zudem hilft sie bei der Identifikation von Komplikationen wie Perikardtamponade oder okkulten Blutungen.
Die Leitlinie warnt davor, Patienten ohne vorherige hämodynamische Optimierung zu intubieren. Eine unzureichende Vorbereitung kann in dieser kritischen Phase einen Herzstillstand provozieren.
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Quelle: StatPearls: Distributive Shock (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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