Diroximelfumarat (RRMS): Indikation und Zusatznutzen
Hintergrund
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit der Nutzenbewertung des Wirkstoffs Diroximelfumarat beauftragt. Die Bewertung bezieht sich auf Erwachsene mit schubförmig-remittierender multipler Sklerose (RRMS).
Eingeschlossen sind Personen, die bislang noch keine krankheitsmodifizierende Therapie erhalten haben. Ebenso umfasst die Bewertung vorbehandelte Erwachsene, deren Erkrankung nicht hochaktiv ist.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie legte der G-BA verschiedene Optionen fest, darunter Interferon-beta-1a, Glatirameracetat oder Dimethylfumarat. Der pharmazeutische Unternehmer wählte für sein Dossier Interferon-beta-1a als Vergleichstherapie.
Empfehlungen
Die IQWiG-Dossierbewertung kommt zu folgenden zentralen Ergebnissen bezüglich des Zusatznutzens und der Anwendungssicherheit:
Bewertung des Zusatznutzens
Laut IQWiG ist ein Zusatznutzen von Diroximelfumarat gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Der Bericht begründet dies mit methodischen Mängeln in den vorgelegten Daten:
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Es liegen keine direkt vergleichenden randomisierten kontrollierten Studien (RCT) vor.
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Der vom Hersteller durchgeführte indirekte Vergleich (Propensity Score Matching) aus einarmigen Studien wird als nicht sachgerecht eingestuft.
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Der Studienpool für den Vergleich wird als potenziell unvollständig bewertet, da relevante Studien ausgeschlossen wurden.
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Die Definition des Endpunkts "Schübe" unterschied sich in den herangezogenen Studien maßgeblich.
Voruntersuchungen und Monitoring
Für eine qualitätsgesicherte Anwendung werden gemäß der im Bericht zitierten Fachinformation folgende Kontrollen empfohlen:
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Blutbild: Bestimmung eines aktuellen großen Blutbilds inklusive Lymphozyten vor Therapiebeginn sowie alle 3 Monate während der Behandlung.
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Nierenfunktion: Überprüfung vor Beginn, nach 3 und 6 Monaten, danach alle 6 bis 12 Monate.
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Leberfunktion: Kontrolle der Aminotransferasen und des Gesamtbilirubins vor Beginn und bei klinischer Indikation während der Therapie.
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MRT: Eine Ausgangs-MRT-Untersuchung (innerhalb von 3 Monaten vor Beginn) sollte als Referenz vorliegen.
Warnhinweise zur Sicherheit
Es wird eine erhöhte Wachsamkeit bezüglich einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) empfohlen. Bei anhaltender schwerer Lymphopenie über mehr als 6 Monate wird ein Absetzen der Behandlung angeraten. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Lebendimpfstoffe vermieden werden sollten.
Therapiekosten
Der Bericht listet die Jahrestherapiekosten für das bewertete Arzneimittel und die zweckmäßigen Vergleichstherapien auf:
| Therapie | Jahrestherapiekosten |
|---|---|
| Diroximelfumarat | 12.353,98 € |
| Ocrelizumab | 25.276,16 € |
| IFN-β 1a | 20.343,67 € |
| IFN-β 1b | 17.151,07 € |
| Glatirameracetat | 13.121,95 € |
Kontraindikationen
Gemäß den im Bericht zitierten Vorgaben zur qualitätsgesicherten Anwendung gelten folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
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Schwere Lymphopenie: Eine Anwendung bei Lymphozytenwerten < 0,5 × 10^9/l ist kontraindiziert.
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Kombinationstherapie: Eine gleichzeitige Anwendung mit Dimethylfumarat oder anderen Fumarsäureestern ist zu vermeiden.
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Schwangerschaft: Die Anwendung während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter ohne zuverlässige Verhütung wird nicht empfohlen.
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Infektionen: Bei schwerwiegenden Infektionen darf die Therapie erst nach vollständigem Abklingen begonnen werden.
💡Praxis-Tipp
Laut Bericht wird eine engmaschige Überwachung der Lymphozytenwerte empfohlen, da bei anhaltender Lymphopenie ein erhöhtes Risiko für eine progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) besteht. Es wird angeraten, die Therapie bei einer schweren Lymphopenie (< 0,5 × 10^9/l), die länger als 6 Monate andauert, konsequent abzusetzen.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Nutzenbewertung ist ein Zusatznutzen von Diroximelfumarat gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Die vom Hersteller vorgelegten Daten aus indirekten Vergleichen wurden als methodisch unzureichend eingestuft.
Es wird empfohlen, vor Therapiebeginn ein großes Blutbild (inklusive Lymphozyten), die Nieren- und Leberwerte sowie ein Ausgangs-MRT zu bestimmen.
Dem Bericht zufolge muss nach Beginn der Therapie alle 3 Monate ein großes Blutbild einschließlich der Lymphozyten bestimmt werden.
Es wird darauf hingewiesen, dass Lebendimpfstoffe ein erhöhtes Risiko für klinische Infektionen bergen. Diese sollten laut Bericht nur in Ausnahmefällen verabreicht werden, wenn das Risiko einer Nichtimpfung überwiegt.
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Quelle: IQWiG A21-172: Diroximelfumarat (schubförmig remittierende Multiple Sklerose) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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