Direkte Laryngoskopie: Indikation, Technik und Risiken
Hintergrund
Die direkte Laryngoskopie ermöglicht die Visualisierung des Kehlkopfes und erleichtert die endotracheale Intubation. Laut der StatPearls-Zusammenfassung kommt das Verfahren in der Notaufnahme, auf der Intensivstation und im perioperativen Bereich zum Einsatz.
Zu den wichtigsten anatomischen Orientierungspunkten zählen die Epiglottis und die Vallecula. Die korrekte Darstellung dieser Strukturen ist entscheidend, um den Atemweg bei Personen zu sichern, die dazu selbst nicht in der Lage sind oder eine Allgemeinanästhesie erhalten.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Vorbereitung und Durchführung:
Evaluation des Atemwegs
Vor dem Eingriff wird eine genaue Evaluation empfohlen. Folgende Faktoren weisen laut Leitlinie auf eine erschwerte Intubation hin:
-
Interinzisarabstand von weniger als 4 cm
-
Thyromentaler Abstand unter 6 cm
-
Sternomentaler Abstand unter 12 cm
-
Eingeschränkte Kopf- und Nackenüberstreckung (unter 30 Grad)
-
Mallampati-Klasse 3 oder 4
-
Halsumfang von mehr als 40 cm
Ausrüstung und Monitoring
Es wird empfohlen, vor Beginn der Laryngoskopie ein kontinuierliches Monitoring (EKG, Pulsoximetrie, Kapnografie) zu etablieren. Folgendes Equipment sollte stets griffbereit sein:
-
Laryngoskop-Griff und passende Spatel
-
Endotrachealtubus (ETT) mit Führungsstab sowie je ein Tubus eine Nummer größer und kleiner
-
Absaugvorrichtung und Beatmungsbeutel
-
Alternative Atemwegshilfen (z. B. Videolaryngoskop, Larynxmaske)
Durchführung und Spatel-Wahl
Für die optimale Einstellung wird die sogenannte Schnüffelposition empfohlen, sofern keine Halswirbelsäulenverletzung vorliegt. Die Wahl des Spatels bestimmt die genaue Platzierung im Rachenraum:
| Spatel-Typ | Form | Zielstruktur für die Platzierung |
|---|---|---|
| Macintosh | Gebogen | Vallecula |
| Miller | Gerade | Direkt über der Epiglottis |
Die Leitlinie beschreibt folgenden Ablauf für die Laryngoskopie:
-
Öffnen des Mundes mit der rechten Hand mittels Scherengriff-Technik
-
Einführen des Spatels über die rechte Mundseite und Verdrängen der Zunge nach links
-
Vorschieben des Spatels zur jeweiligen Zielstruktur
-
Anheben des Laryngoskops nach anterior zur Darstellung der Stimmbänder
Kontraindikationen
Die Leitlinie definiert mehrere absolute und relative Kontraindikationen für die direkte Laryngoskopie.
Absolute Kontraindikationen
-
Supraglottische und glottische Läsionen, die ein Vorschieben des Tubus verhindern (z. B. hochgradige Stenosen oder Tumore)
-
Stumpfes Trauma des Kehlkopfes mit Fraktur oder Ruptur
-
Penetrierendes Trauma der oberen Atemwege
-
Trismus Grad III (Interinzisarabstand unter 1 cm)
Relative Kontraindikationen
-
Schwere Ödeme und Schwellungen des Kehlkopfes (z. B. durch Infektionen, Verbrennungen oder Anaphylaxie)
-
Bekannter schwieriger Atemweg oder Verletzungen im Halsbereich
-
Vorliegen von durch die Luft übertragbaren Krankheiten (z. B. COVID-19, Tuberkulose)
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, bei Patienten mit Verdacht auf eine Halswirbelsäulenverletzung die klassische Schnüffelposition anzuwenden, da eine Manipulation von Kopf und Nacken zwingend vermieden werden muss. Zudem wird betont, dass bei Patienten mit schweren Atemwegsödemen eine direkte Laryngoskopie nur dann versucht werden sollte, wenn alle Vorbereitungen für einen sofortigen chirurgischen Atemweg getroffen wurden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird für die meisten endotrachealen Intubationen bei Erwachsenen in der Notfall- oder perioperativen Situation ein geblockter Tubus mit einem Innendurchmesser von 7,5 mm verwendet. Auf der Intensivstation werden oft größere Tuben bevorzugt, um bronchoskopische Absaugungen zu erleichtern.
Die häufigste berichtete Komplikation ist laut Leitlinie ein postoperativer Halsschmerz, der bei 14 bis 57 Prozent der intubierten Patienten auftritt. Dieser äußert sich durch Schmerzen, Heiserkeit oder Schluckbeschwerden und klingt meist innerhalb von 48 Stunden ab.
Zur Präoxygenierung bei Patienten mit schwierigem Atemweg oder hohem Risiko für eine schnelle Entsättigung wird die apneische Oxygenierung empfohlen. Dabei erfolgt eine passive Sauerstoffinsufflation über eine Nasenbrille mit einem Fluss von 15 Litern pro Minute.
Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz eines Videolaryngoskops insbesondere bei Patienten mit hochkontagiösen, luftübertragenen Erkrankungen wie COVID-19 oder Tuberkulose. Dadurch wird das Risiko einer Erregerübertragung auf das medizinische Personal durch Aerosolbildung minimiert.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: StatPearls: Direct Laryngoscopy (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen