Diabetisches Fußulkus: HBO-Indikation & Wagner-Stadien
Hintergrund
Diabetische Fußulzera (DFU) treten bei etwa 15 Prozent der Patienten mit Diabetes mellitus auf. Sie stellen die führende Ursache für nicht-traumatische Amputationen der unteren Extremitäten dar.
Die Entstehung wird durch periphere Neuropathie, periphere arterielle Verschlusskrankheit und Fußdeformitäten wie den Charcot-Fuß begünstigt. Ein Verlust der Schutzsensibilität führt oft dazu, dass kleine Verletzungen oder Druckstellen unbemerkt bleiben und sich zu Ulzera entwickeln.
Laut der StatPearls-Zusammenfassung weisen betroffene Patienten häufig eine unzureichende Blutzuckereinstellung auf. Eine chronische Hyperglykämie beeinträchtigt die Leukozytenfunktion und erhöht die Anfälligkeit für Infektionen mit grampositiven und gramnegativen Erregern.
Empfehlungen
Die StatPearls-Zusammenfassung formuliert folgende Kernaspekte zur Diagnostik und Therapie von diabetischen Fußulzera:
Klinische Evaluation und Diagnostik
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Die Leitlinie empfiehlt bei jeder Vorstellung eine Untersuchung beider Füße einschließlich der Interdigitalräume auf Risse oder Pilzinfektionen.
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Zur Überprüfung der Schutzsensibilität wird der Semmes-Weinstein-10-Gramm-Monofilament-Test empfohlen.
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Es wird geraten, die Fußpulse zu tasten und bei Patienten über 50 Jahren eine arterielle Ultraschalluntersuchung mit Knöchel-Arm-Index (ABI) durchzuführen.
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Laborchemisch wird die Bestimmung von Blutbild, Nierenwerten, Entzündungsparametern (BSG, CRP) sowie des HbA1c-Wertes empfohlen.
Wagner-Klassifikation
Zur Stadieneinteilung wird das Wagner-Grading-System herangezogen:
| Grad | Klinischer Befund |
|---|---|
| 0 | Keine offenen Läsionen, ggf. abgeheilte Läsionen |
| 1 | Oberflächliches Ulkus, keine Penetration in tiefere Schichten |
| 2 | Tieferes Ulkus, das Sehne, Knochen oder Gelenk erreicht |
| 3 | Beteiligung tieferer Gewebe mit Abszess, Osteomyelitis oder Tendinitis |
| 4 | Gangrän eines Teils des Fußes |
| 5 | Gangrän des gesamten Fußes (Amputation indiziert) |
Therapie und Wundmanagement
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Als Basistherapie wird eine konsequente Druckentlastung (Offloading) empfohlen, wobei der Vollkontaktgips als Goldstandard für plantare Fersenulzera gilt.
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Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer guten Blutzuckereinstellung mit einem Zielwert von konstant unter 150 mg/dL.
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Bei Verdacht auf Knochenbeteiligung wird eine Röntgenaufnahme, gefolgt von einem MRT oder einer 3-Phasen-Knochenszintigraphie, angeraten.
Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO)
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Eine HBO-Therapie wird für Patienten mit einem Ulkus ab Wagner-Grad 3 empfohlen, wenn nach 30 Tagen konventioneller Wundversorgung keine Besserung eintritt.
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Zudem wird die HBO-Therapie in der postoperativen Phase nach chirurgischem Debridement eines infizierten Fußes (ab Wagner-Grad 3) empfohlen, um das Amputationsrisiko zu senken.
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Von einer HBO-Therapie bei Ulzera des Wagner-Grads 2 oder niedriger wird explizit abgeraten.
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Die Behandlung erfolgt typischerweise mit 100 % Sauerstoff bei 2 bis 2,4 Atmosphären für 60 bis 90 Minuten täglich über 30 bis 60 Sitzungen.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fallstrick in der Praxis ist die rein visuelle Beurteilung von Infektionszeichen. Die Leitlinie warnt davor, dass immunsupprimierte Diabetes-Patienten selbst bei schweren Infektionen oft kein Fieber oder erhöhte Leukozytenzahlen entwickeln. Zudem wird betont, dass diabetische Fußulzera ohne adäquates mechanisches Offloading nicht abheilen können, unabhängig von der gewählten Lokaltherapie.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird die HBO-Therapie bei Ulzera ab Wagner-Grad 3 empfohlen, die nach 30 Tagen Standardtherapie nicht heilen. Ebenso wird sie postoperativ nach einem Debridement bei infizierten Füßen ab Wagner-Grad 3 angeraten.
Die Leitlinie beschreibt den Vollkontaktgips (Total Contact Cast) als Goldstandard zur Entlastung von Ulzera an der Ferse. Alternativ werden maßgefertigte Schuheinlagen oder spezielle Entlastungsschuhe (Neuropathic Walker Boots) genannt.
Es wird darauf hingewiesen, dass für eine erfolgreiche Abheilung von diabetischen Fußulzera eine strikte Blutzuckerkontrolle erforderlich ist. Der Blutzuckerspiegel sollte laut Leitlinie konstant bei 150 mg/dL oder darunter liegen.
Die Leitlinie empfiehlt die Durchführung des Semmes-Weinstein-10-Gramm-Monofilament-Tests. Dieser dient der Überprüfung auf einen Verlust der Schutzsensibilität im Rahmen einer diabetischen Neuropathie.
Bei Verdacht auf eine Knochenbeteiligung wird zunächst eine konventionelle Röntgenaufnahme empfohlen. Bei unklaren Befunden sollte gemäß Leitlinie ein MRT oder eine 3-Phasen-Knochenszintigraphie angeschlossen werden.
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Quelle: StatPearls: Hyperbaric Treatment of Diabetic Foot Ulcer (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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