Delir (Delirium): Prävention, Diagnostik und Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2019 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2019)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Ein Delir ist ein häufiges klinisches Syndrom, das durch eine akute und fluktuierende Störung von Bewusstsein, Kognition oder Wahrnehmung gekennzeichnet ist. Es entwickelt sich meist innerhalb von ein bis zwei Tagen.

Die Erkrankung ist mit schwerwiegenden Folgen wie einer verlängerten Krankenhausverweildauer, einem erhöhten Demenzrisiko und einer höheren Mortalität assoziiert. Ein Delir kann hyperaktiv, hypoaktiv oder als Mischform auftreten.

Die NICE-Leitlinie CG103 fokussiert sich auf die Prävention, Erkennung und Behandlung des Delirs bei Erwachsenen. Sie gilt insbesondere für das Setting im Krankenhaus sowie in Langzeitpflegeeinrichtungen.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zum klinischen Management:

Risikobewertung und Prävention

Es wird empfohlen, bei Aufnahme ins Krankenhaus oder in eine Pflegeeinrichtung auf spezifische Risikofaktoren zu achten. Bei Vorliegen mindestens eines Faktors gilt die betroffene Person als gefährdet.

Die Leitlinie nennt folgende Hauptrisikofaktoren:

  • Alter von 65 Jahren oder älter

  • Kognitive Beeinträchtigung oder Demenz

  • Aktuelle Hüftfraktur

  • Schwere, potenziell lebensbedrohliche Erkrankung

Bei gefährdeten Personen wird ein maßgeschneidertes, multimodales Präventionspaket innerhalb von 24 Stunden empfohlen. Dieses sollte unter anderem Reorientierung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Infektionskontrolle, Frühmobilisation und Schmerztherapie umfassen.

Beobachtung und Diagnostik

Es wird empfohlen, gefährdete Personen mindestens täglich auf plötzliche Veränderungen der Kognition, Wahrnehmung, körperlichen Funktion oder des Sozialverhaltens zu beobachten.

Bei Hinweisen auf ein Delir empfiehlt die Leitlinie den Einsatz spezifischer Assessment-Instrumente je nach klinischem Setting:

Klinisches SettingEmpfohlenes Assessment-Instrument
Standard-Setting (Normalstation, Pflegeheim)4AT
Intensivstation oder AufwachraumCAM-ICU oder ICDSC

Die endgültige Diagnose sollte durch eine medizinische Fachkraft mit entsprechender Expertise gestellt werden. Bei Schwierigkeiten in der Unterscheidung zwischen Delir und Demenz wird empfohlen, zunächst das Delir zu behandeln.

Therapie

Die initiale Behandlung besteht laut Leitlinie in der Identifikation und Therapie der zugrunde liegenden Ursachen. Zudem wird eine effektive Kommunikation und Reorientierung empfohlen.

Bei unruhigen oder gefährdeten Personen wird primär der Einsatz verbaler und non-verbaler Deeskalationstechniken empfohlen.

Nur wenn diese Maßnahmen ineffektiv sind, kann eine kurzzeitige medikamentöse Therapie mit Haloperidol (maximal eine Woche) erwogen werden. Dabei sollte die niedrigste klinisch wirksame Dosis gewählt und vorsichtig titriert werden.

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt vor den Risiken einer akuten Haloperidol-Gabe bei älteren Menschen. Es wird insbesondere auf kardiale und neurologische Nebenwirkungen hingewiesen.

Bei Personen mit Parkinson-Krankheit oder Lewy-Körperchen-Demenz wird vor dem Einsatz von Haloperidol ausdrücklich gewarnt.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass ein hypoaktives Delir im klinischen Alltag häufig übersehen wird. Es wird empfohlen, besonders auf subtile Anzeichen wie sozialen Rückzug, verlangsamte Reaktionen, verminderte Mobilität und Appetitlosigkeit zu achten.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird für die meisten Settings der 4AT-Score empfohlen. Auf Intensivstationen oder im Aufwachraum sollten stattdessen die Instrumente CAM-ICU oder ICDSC verwendet werden.

Die Leitlinie empfiehlt primär die Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen sowie nicht-medikamentöse Deeskalation. Nur bei Versagen dieser Maßnahmen kann kurzzeitig Haloperidol in der niedrigsten wirksamen Dosis erwogen werden.

Wenn klinisch schwer zu unterscheiden ist, ob ein Delir, eine Demenz oder ein Delir bei bestehender Demenz vorliegt, empfiehlt die Leitlinie, zunächst das Delir zu behandeln.

Zu den Hauptrisikofaktoren zählen ein Alter ab 65 Jahren, bestehende kognitive Einschränkungen, eine aktuelle Hüftfraktur sowie schwere akute Erkrankungen. Die Leitlinie empfiehlt ein Screening auf diese Faktoren bei jeder Aufnahme.

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Quelle: NICE Guideline on Delirium (NICE, 2019). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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