Dekubitus: Risikobewertung, Prophylaxe und Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2014 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2014)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie CG179 befasst sich mit der Prävention und Behandlung von Dekubitalgeschwüren über alle Altersgruppen hinweg. Ein Dekubitus entsteht durch anhaltenden Druck auf Haut und darunterliegendes Gewebe, was zu einer verminderten Durchblutung führt.

Grundsätzlich besteht für jede aufgenommene Person ein potenzielles Risiko für die Entwicklung eines Dekubitus. Besonders gefährdet sind jedoch Menschen mit schweren Erkrankungen, neurologischen Einschränkungen, Immobilität oder Mangelernährung.

Die Leitlinie zielt darauf ab, durch evidenzbasierte Maßnahmen wie strukturierte Risikobewertungen und adäquate Druckentlastung die Inzidenz von Druckgeschwüren im klinischen und ambulanten Alltag zu senken.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Prävention und Behandlung:

Risikobewertung und Hautbeurteilung

Es wird eine dokumentierte Risikobewertung für alle Personen empfohlen, die in die stationäre Versorgung aufgenommen werden oder spezifische Risikofaktoren aufweisen. Zur Unterstützung der klinischen Einschätzung sollte eine validierte Skala (z. B. Braden-, Waterlow- oder Norton-Skala) herangezogen werden.

Bei Personen mit hohem Risiko wird eine regelmäßige Hautbeurteilung durch geschultes Personal empfohlen. Dabei ist auf Hautintegrität, Farbveränderungen (insbesondere nicht-wegdrückbare Erytheme) sowie Variationen in Temperatur, Festigkeit und Feuchtigkeit zu achten.

Altersdefinitionen gemäß Leitlinie

AltersgruppeDefinition
NeugeboreneUnter 4 Wochen
SäuglingeZwischen 4 Wochen und 1 Jahr
Kinder1 Jahr bis unter 13 Jahre
Jugendliche13 bis 17 Jahre
Erwachsene18 Jahre oder älter

Prophylaktische Maßnahmen

Die Leitlinie empfiehlt für gefährdete Erwachsene einen regelmäßigen Positionswechsel:

  • Mindestens alle 6 Stunden bei allgemeinem Risiko

  • Mindestens alle 4 Stunden bei hohem Risiko

  • Bei Neugeborenen, Säuglingen und Kindern wird generell ein Wechsel mindestens alle 4 Stunden empfohlen

Es wird der Einsatz von hochspezifizierten Schaumstoffmatratzen für alle Personen mit hohem Risiko oder bei stationärer Aufnahme empfohlen. Hautmassagen oder das Einreiben der Haut zur Dekubitusprophylaxe werden ausdrücklich nicht empfohlen.

Wundbeurteilung und Therapie

Bei bestehendem Dekubitus wird die Dokumentation der Oberfläche und eine Schätzung der Tiefe empfohlen, jedoch keine routinemäßige Volumenmessung. Die Kategorisierung sollte anhand eines validierten Systems (z. B. NPUAP-EPUAP) erfolgen.

Für die Wundreinigung und das Debridement gelten folgende Empfehlungen:

  • Bevorzugung eines autolytischen Debridements mit entsprechenden Wundauflagen

  • Erwägung eines scharfen Debridements, falls der autolytische Prozess zu lange dauert

  • Keine routinemäßige Anwendung von Madentherapie oder enzymatischem Debridement

Infektionsmanagement und Wundauflagen

Systemische Antibiotika werden laut Leitlinie nur bei klinischen Anzeichen einer systemischen Sepsis, sich ausbreitender Zellulitis oder zugrundeliegender Osteomyelitis empfohlen. Sie sollen nicht allein zur Wundheilung oder bei positiven Wundkulturen ohne klinische Infektionszeichen eingesetzt werden.

Es wird die Verwendung von Wundauflagen empfohlen, die ein warmes, feuchtes Wundheilungsmilieu fördern (für Kategorien 2, 3 und 4). Mullverbände (Gauze) werden zur Behandlung eines Dekubitus nicht empfohlen.

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät ausdrücklich von folgenden Maßnahmen zur Dekubitusprophylaxe oder -therapie ab:

  • Hautmassagen oder starkes Reiben der Haut zur Prävention

  • Routinemäßiger Einsatz von Unterdruck-Wundtherapie (NPWT), es sei denn, die Anzahl der Verbandswechsel muss bei stark exsudierenden Wunden reduziert werden

  • Elektrotherapie oder hyperbare Sauerstofftherapie zur Behandlung

  • Routinemäßiger Einsatz von topischen Antiseptika oder antimikrobiellen Mitteln

  • Verwendung von Jodverbänden bei Neugeborenen

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die Annahme, dass Hautmassagen die Durchblutung fördern und somit vor Dekubitus schützen. Die Leitlinie warnt jedoch explizit davor, gefährdete Hautareale zu massieren oder zu reiben, da dies zusätzliche Gewebeschäden verursachen kann. Zudem wird betont, dass nicht-wegdrückbare Erytheme bei dunkleren Hauttypen oft schwerer zu erkennen sind und sich eher als unspezifische Farbveränderungen präsentieren.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird bei Erwachsenen mit hohem Risiko ein Positionswechsel mindestens alle 4 Stunden empfohlen. Bei Neugeborenen und Säuglingen mit hohem Risiko sollte eine noch häufigere Umlagerung erwogen werden.

Es wird der Einsatz einer hochspezifizierten Schaumstoffmatratze für Personen empfohlen, die stationär aufgenommen werden oder ein hohes Risiko aufweisen. Von der Verwendung von Standard-Schaumstoffmatratzen bei bestehendem Dekubitus wird abgeraten.

Die Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, keine Mullverbände (Gauze) zur Behandlung eines Dekubitus einzusetzen. Stattdessen sollten Wundauflagen gewählt werden, die ein warmes und feuchtes Wundheilungsmilieu fördern.

Systemische Antibiotika werden nur bei klinischen Anzeichen einer Sepsis, einer sich ausbreitenden Zellulitis oder einer Osteomyelitis empfohlen. Ein Einsatz zur reinen Wundheilung oder bei positiven Abstrichen ohne klinische Infektionszeichen wird nicht empfohlen.

Es wird empfohlen, die Oberfläche des Dekubitus mit einer validierten Methode (z. B. Fotografie oder Transparenzfolie) zu dokumentieren und die Tiefe zu schätzen. Eine routinemäßige Messung des Wundvolumens wird hingegen nicht empfohlen.

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Quelle: NICE Guideline on Pressure Ulcers (NICE, 2014). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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