Dekompressionskrankheit (Luftfahrt): Diagnostik & HBO
Hintergrund
Die Dekompressionskrankheit in der Luftfahrt (Aerospace Decompression Illness, ADI) entsteht durch die Exposition gegenüber niedrigem atmosphärischem Druck. Dabei perlt der im Körpergewebe gelöste Stickstoff aus und bildet Bläschen im Blutkreislauf.
Laut der StatPearls-Zusammenfassung tritt das Krankheitsbild typischerweise bei Flügen in Flugzeugen ohne Druckkabine, bei Druckabfall in der Kabine oder beim Fliegen kurz nach einem Tauchgang auf. Die meisten Fälle ereignen sich bei Expositionen über 25.000 Fuß.
Die Stickstoffbläschen verursachen Gewebeschäden durch Nervenkompression, Gefäßstenosen und distale Ischämien. Zudem aktivieren sie Entzündungskaskaden und fördern die Thrombozytenaggregation, was zu einer Vasokonstriktion führt.
Empfehlungen
Die StatPearls-Zusammenfassung gliedert die Erkrankung in verschiedene Schweregrade und betroffene Organsysteme.
Klassifikation der Dekompressionskrankheit
Die Leitlinie unterteilt die Symptomatik in folgende Hauptkategorien:
| Typ / System | Betroffene Organe | Klinische Bezeichnung | Schweregrad |
|---|---|---|---|
| Typ I | Haut, Gelenke, Lymphgefäße | - | Mild bis moderat |
| Typ II | Zentrales Nervensystem (ZNS) | - | Schwer |
| Haut (Cutaneous) | Haut | "The Creeps" | Variabel |
| Gelenke (Arthropathy) | Gelenke | "The Bends" | Variabel |
| Herz-Lunge (Cardiopulmonary) | Herz, Lunge | "The Chokes" | Schwer |
| Neurologisch (Neurology) | Gehirn, Rückenmark, Nerven | "The Staggers" | Schwer |
Diagnostik
Die Diagnose wird primär klinisch gestellt. Es wird betont, dass es aktuell keine spezifischen diagnostischen Tests gibt, um die Erkrankung zweifelsfrei zu beweisen.
Laut Leitlinie wird folgendes Vorgehen empfohlen:
-
Durchführung einer gründlichen körperlichen Untersuchung inklusive Vitalparametern und Sauerstoffsättigung.
-
Bei Bewusstseinsveränderungen: Ausschluss anderer Ursachen durch Bestimmung von Blutzucker, Blutbild, Elektrolyten, Toxikologie und Carboxyhämoglobin.
-
Eine Besserung der Symptome unter hyperbarer Sauerstofftherapie gilt als unterstützender diagnostischer Hinweis.
Bildgebende Verfahren (CT oder MRT) sollten nur erwogen werden, wenn sich der mentale Status unter Therapie nicht bessert. Die Bildgebung darf den Transfer zur Therapie nicht verzögern.
Akuttherapie während des Fluges
Tritt die Symptomatik während eines Fluges auf, formuliert der Text folgende Sofortmaßnahmen:
-
Sofortige Gabe von 100 % Sauerstoff über eine Gesichtsmaske.
-
Unverzügliche Einleitung des Sinkflugs mit der Absicht zu landen, auch wenn sich die Symptome beim Sinken bessern.
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Bewusstlose Personen sollen in eine horizontale Position gebracht werden.
-
Ruhigstellung betroffener Extremitäten bei Gelenkschmerzen.
-
Orale Rehydratation mit isotonischen, glukosefreien, kohlensäurefreien und alkoholfreien Flüssigkeiten (bei schweren Fällen intravenös).
Weiterführende Therapie und Prävention
Nach der Landung wird eine ärztliche Evaluation durch flug- oder tauchmedizinisch geschultes Personal empfohlen, selbst bei vollständiger Symptomfreiheit.
Die definitive Behandlung umfasst:
-
Bei Typ-I-Symptomatik: Gabe von 100 % Sauerstoff auf Meereshöhe für 2 Stunden.
-
Bei schweren Fällen oder Typ-II-Symptomatik: Behandlung in einer Druckkammer mit hyperbarem Sauerstoff (typischerweise 2,5 bis 3 Atmosphären für bis zu 300 Minuten).
-
Zur Prävention wird empfohlen, nach einem einzelnen Tauchgang mindestens 12 bis 24 Stunden und nach mehreren Tauchgängen bis zu 48 Stunden vor einem Flug zu warten.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, bewusstlose Personen in die Trendelenburg-Lagerung (Kopftieflage) zu bringen; diese wird nicht mehr empfohlen. Stattdessen wird eine flache, horizontale Positionierung angeraten. Zudem wird betont, dass diagnostische Bildgebungen wie CT oder MRT niemals den raschen Transfer in ein Zentrum mit Druckkammer verzögern dürfen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird empfohlen, nach einem einzelnen Tauchgang mindestens 12 bis 24 Stunden bis zum Flug zu warten. Bei mehreren Tauchgängen oder notwendigen Dekompressionsstopps sollte eine Wartezeit von bis zu 48 Stunden eingehalten werden.
Es wird die Gabe von isotonischen kristalloiden Lösungen empfohlen. Die Leitlinie weist darauf hin, dass die verwendeten Flüssigkeiten keine Glukose enthalten sollten.
Die wichtigste Sofortmaßnahme ist die Verabreichung von 100 % Sauerstoff über eine Maske und die sofortige Einleitung des Sinkflugs. Auch wenn die Symptome während des Sinkflugs verschwinden, wird eine schnellstmögliche Landung empfohlen.
Ein MRT wird laut StatPearls nur bei Patienten mit ZNS-Beteiligung empfohlen, die sich unter hyperbarer Sauerstofftherapie nicht bessern. Es dient dem Ausschluss anderer Ursachen, darf aber den Beginn der Sauerstofftherapie niemals verzögern.
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Quelle: StatPearls: Aerospace Decompression Illness (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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