Stoßwellentherapie bei Rotatorenmanschetten-Syndrom: Cochrane
Hintergrund
Die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) wird seit den 1990er Jahren häufig zur Behandlung verschiedener muskuloskelettaler Erkrankungen eingesetzt. Dazu gehören auch Erkrankungen der Rotatorenmanschette.
Ein systematischer Cochrane Review (2020) untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit der Stoßwellentherapie bei Rotatorenmanschetten-Erkrankungen. Dabei wurden Patienten mit und ohne Kalkdepots (Tendinosis calcarea) eingeschlossen.
Die Evidenzlage zur Wirksamkeit der Therapie war in der Vergangenheit oft uneindeutig. Der Review analysierte 32 randomisierte und quasi-randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 2281 Teilnehmern, um den Nutzen im Vergleich zu anderen Behandlungsoptionen oder Placebo zu bewerten.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Datenlage folgende Kernaussagen zur Stoßwellentherapie im Vergleich zu Placebo:
Klinische Wirksamkeit
Laut der Analyse zeigt die Stoßwellentherapie nach drei Monaten kaum klinisch bedeutsame Vorteile. Zwar konnten statistische Verbesserungen gemessen werden, diese erreichten jedoch nicht die Schwelle der klinischen Relevanz.
Es wird hervorgehoben, dass sich die Ergebnisse bezüglich Schmerz und Funktion nicht zwischen Patienten mit und ohne Kalkdepots (Tendinosis calcarea) unterschieden.
Sicherheit und unerwünschte Ereignisse
Die Autoren weisen auf eine bestehende Unsicherheit bezüglich der Sicherheit der Therapie hin. In den untersuchten Studien traten unter der Stoßwellentherapie vermehrt unerwünschte Ereignisse auf.
Folgende Endpunkte wurden im Vergleich zu Placebo nach drei Monaten evaluiert:
| Endpunkt (nach 3 Monaten) | Stoßwellentherapie vs. Placebo | Klinische Relevanz | Evidenzqualität |
|---|---|---|---|
| Schmerzreduktion (Skala 0-10) | 0,78 Punkte besser | Nicht erreicht (Ziel: 1,5) | Moderat |
| Funktion (Skala 0-100) | 7,9 Punkte besser | Nicht erreicht (Ziel: 10) | Moderat |
| Subjektiver Behandlungserfolg | RR 1,59 (58/150 vs. 35/137) | Fraglich | Niedrig |
| Unerwünschte Ereignisse | RR 3,61 (41/156 vs. 10/139) | Erhöhtes Risiko | Niedrig |
Methodische Einschränkungen
Der Review identifizierte eine große klinische Heterogenität und unterschiedliche Behandlungsprotokolle in den Primärstudien. Dies führt zu folgenden Schlussfolgerungen:
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Es ist unklar, ob in einigen Studien subtherapeutische Dosen getestet wurden, was potenzielle Vorteile unterschätzen könnte.
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Alle eingeschlossenen Studien wiesen ein Risiko für Verzerrungen (Bias) auf.
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Für zukünftige Forschungen wird die Festlegung eines Standard-Dosis- und Behandlungsprotokolls gefordert.
💡Praxis-Tipp
Laut dem Cochrane Review bietet die Stoßwellentherapie bei Erkrankungen der Rotatorenmanschette im Durchschnitt keine klinisch relevanten Verbesserungen von Schmerz oder Funktion. Es wird zudem darauf hingewiesen, dass unter der Therapie vermehrt unerwünschte Ereignisse auftreten können. Bei der Indikationsstellung sollte diese moderate bis niedrige Evidenzlage berücksichtigt werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es bezüglich Schmerz und Funktion keine signifikanten Unterschiede im Therapieansprechen zwischen Patienten mit und ohne Kalkdepots in der Rotatorenmanschette.
Die Analyse zeigt nach drei Monaten eine durchschnittliche Schmerzreduktion von 0,78 Punkten auf einer 10-Punkte-Skala im Vergleich zu Placebo. Dieser Wert liegt unter der Schwelle für eine klinisch bedeutsame Veränderung, welche bei 1,5 Punkten angesetzt wurde.
Der Review stellt eine Unsicherheit bezüglich der Sicherheit fest. Es wurde eine erhöhte Rate an unerwünschten Ereignissen in der Verum-Gruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe beobachtet (RR 3,61), basierend auf Evidenz von niedriger Qualität.
Die Autoren des Reviews betonen, dass aufgrund der großen klinischen Heterogenität und unterschiedlicher Protokolle in den Studien derzeit kein Standard-Dosis- oder Behandlungsprotokoll festgelegt werden kann.
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Quelle: Cochrane Review: Shock wave therapy for rotator cuff disease with or without calcification (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.