Hyperimmun-Immunglobulin bei COVID-19: Cochrane Review
Hintergrund
Hyperimmun-Immunglobulin (hIVIG) enthält polyklonale Antikörper, die aus dem Plasma von genesenen Personen oder durch Immunisierung von Tieren gewonnen werden. Es wird als potenzielle Therapieoption für COVID-19 untersucht, da die enthaltenen Antikörper das Virus inaktivieren sollen.
Der vorliegende Cochrane Review (2023) untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit von hIVIG bei Personen mit COVID-19. Die eingeschlossenen Studien umfassen ausschließlich hospitalisierte Personen mit mittelschwerer bis schwerer Erkrankung.
Die Datenlage basiert auf Studien, die vor der flächendeckenden Einführung von COVID-19-Impfstoffen und vor dem Auftreten der Omikron-Variante durchgeführt wurden. Für asymptomatische oder milde Verläufe liegen aktuell keine Daten vor.
Empfehlungen
Der Review fasst die Evidenz zu Hyperimmun-Immunglobulin (hIVIG) bei mittelschwerem bis schwerem COVID-19 zusammen. Da die Studien unterschiedliche Präparate und Dosierungen untersuchten, wurden die Daten nicht gepoolt.
Humane Hyperimmun-Immunglobuline
Laut den Autoren zeigt hIVIG aus menschlichem Plasma kaum klinische Vorteile, birgt aber Risiken:
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Es gibt wahrscheinlich keinen relevanten Einfluss auf die Mortalität nach 28 Tagen (niedrige Evidenzqualität).
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Eine klinische Verbesserung oder das Verhindern einer Verschlechterung wird kaum erreicht (moderate bis sehr niedrige Evidenzqualität).
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Das Risiko für unerwünschte Ereignisse der Grade 3 bis 4 ist unter hIVIG wahrscheinlich erhöht (moderate Evidenzqualität).
Tierische polyklonale Antikörper
Für tierische Präparate (RBD-spezifische polyklonale F(ab´)2-Fragmente von equinen Antikörpern) zeigen sich potenziell positive Effekte, die jedoch auf niedriger Evidenzqualität basieren:
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Die Mortalität nach 28 Tagen wird möglicherweise gesenkt.
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Eine klinische Verschlechterung kann potenziell reduziert werden.
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Es treten möglicherweise weniger schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auf.
Vergleich der klinischen Endpunkte
Die nachfolgende Tabelle fasst die relativen Effekte (Risk Ratio) der beiden Präparate-Gruppen im Vergleich zu Placebo zusammen:
| Endpunkt (bis Tag 28) | Humanes hIVIG (RR) | Equine Antikörper (RR) |
|---|---|---|
| Gesamtmortalität | 0,79 (kein signifikanter Effekt) | 0,60 (möglicher Rückgang) |
| Klinische Verbesserung | 1,02 (kein Effekt) | 1,06 (möglicher Effekt) |
| Schwere unerwünschte Ereignisse | 0,72 (kein signifikanter Effekt) | 0,67 (möglicher Rückgang) |
Wissenslücken und Einschränkungen
Es wird betont, dass die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die aktuelle klinische Situation eingeschränkt ist. Die Studienpopulation bestand größtenteils aus ungeimpften Personen, die mit frühen Virusvarianten infiziert waren. Zur Lebensqualität unter der Therapie liegen keine Daten vor.
💡Praxis-Tipp
Bei der Bewertung von Hyperimmun-Immunglobulinen zur Behandlung von COVID-19 wird darauf hingewiesen, dass humane Präparate keinen nachweisbaren Überlebensvorteil bieten. Stattdessen ist laut den Studiendaten mit einer Zunahme von schweren unerwünschten Ereignissen (Grad 3-4) zu rechnen. Die potenziell positiven Signale für tierische Antikörper basieren auf einer sehr geringen Evidenzlage und vorwiegend ungeimpften Populationen.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review stellt fest, dass es keine Studiendaten zu asymptomatischen oder milden COVID-19-Verläufen gibt. Die eingeschlossenen Studien untersuchten ausschließlich hospitalisierte Personen mit mittelschwerer bis schwerer Erkrankung.
Laut den ausgewerteten Daten hat aus menschlichem Plasma hergestelltes Hyperimmun-Immunglobulin wahrscheinlich keinen relevanten Einfluss auf die Gesamtmortalität nach 28 Tagen. Die Evidenzqualität für diesen Endpunkt wird als niedrig eingestuft.
Die Auswertung zeigt, dass humane Hyperimmun-Immunglobuline das Risiko für unerwünschte Ereignisse der Grade 3 bis 4 wahrscheinlich erhöhen. Bei tierischen Präparaten wurden hingegen potenziell weniger schwerwiegende unerwünschte Ereignisse im Vergleich zu Placebo beobachtet.
Die vorliegenden Daten deuten darauf hin, dass equine (tierische) Antikörper die Mortalität und klinische Verschlechterung möglicherweise reduzieren können, während humane Präparate keinen solchen Effekt zeigten. Da die Studien jedoch unterschiedliche Designs aufwiesen und die Evidenzqualität niedrig ist, lässt sich kein direkter, abschließender Vergleich ziehen.
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Quelle: Cochrane Review: Hyperimmune immunoglobulin for people with COVID-19 (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.