Fibronektin-Test bei Frühgeburtsrisiko: Cochrane Review
Hintergrund
Fetales Fibronektin (FFN) ist ein extrazelluläres Matrix-Glykoprotein, das sich an der Grenze zwischen maternalem und fetalem Gewebe befindet. Unter normalen Bedingungen kommt es nur in sehr geringen Mengen im zervikovaginalen Sekret vor.
Ein FFN-Wert von 50 ng/ml oder mehr ab der 22. Schwangerschaftswoche wird mit einem erhöhten Risiko für eine spontane Frühgeburt assoziiert. Der Marker gilt als einer der besten Prädiktoren, um Schwangere mit einem signifikanten Frühgeburtsrisiko zu identifizieren.
Dieser Cochrane Review aus dem Jahr 2019 untersucht, ob ein klinisches Management, das auf der Kenntnis der FFN-Testergebnisse basiert, Frühgeburten effektiv verhindern kann. Die analysierten Studien umfassen ausschließlich Einlingsschwangerschaften mit drohender Frühgeburt zwischen der 23. und 34. Schwangerschaftswoche.
Empfehlungen
Der Cochrane Review fasst die Evidenz zum klinischen Management basierend auf FFN-Testergebnissen zusammen. Es wurden ausschließlich symptomatische Frauen mit Einlingsschwangerschaften untersucht.
Einfluss auf die Frühgeburtenrate
Laut Review kann die Kenntnis der FFN-Ergebnisse die Rate an Frühgeburten vor der 37. Schwangerschaftswoche möglicherweise senken (21,6 % vs. 29,2 %). Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass die Evidenz für die meisten Endpunkte von niedriger Qualität ist.
Die folgende Tabelle fasst die Effekte des FFN-basierten Managements im Vergleich zur Kontrollgruppe (ohne Kenntnis der Werte) zusammen:
| Klinischer Endpunkt | Effekt (Relatives Risiko) | Evidenzqualität |
|---|---|---|
| Frühgeburt < 37. SSW | Mögliche Reduktion (RR 0,72) | Niedrig |
| Frühgeburt < 34. SSW | Kein Unterschied (RR 1,09) | Niedrig |
| Frühgeburt < 32. SSW | Unsicher (RR 0,79) | Sehr niedrig |
| Mütterliche Krankenhauseinweisung | Kein Unterschied (RR 1,06) | Niedrig |
Weitere klinische Endpunkte
Der Review kommt zu dem Schluss, dass die Kenntnis des FFN-Status bei weiteren wichtigen Parametern keinen relevanten Unterschied macht. Dies betrifft unter anderem:
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Den Einsatz von Tokolyse oder Steroiden zur fetalen Lungenreife
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Das perinatale Überleben und das Geburtsgewicht (unter 2500 g)
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Die Aufnahmerate und Verweildauer auf der neonatalen Intensivstation (NICU)
Forschungslücken
Es wird betont, dass für asymptomatische Schwangere sowie für Mehrlingsschwangerschaften derzeit keine randomisierten kontrollierten Studien vorliegen. Zukünftige Studien sollten standardisierte Behandlungsprotokolle basierend auf den FFN-Ergebnissen anwenden und Kosten-Nutzen-Analysen einschließen.
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass die aktuelle Evidenzlage für einen positiven Effekt des fetalen Fibronektin-Tests auf das klinische Outcome insgesamt von niedriger Qualität ist. Zudem wird betont, dass keine Daten für den Einsatz bei asymptomatischen Frauen oder bei Mehrlingsschwangerschaften vorliegen, weshalb ein routinemäßiges Screening in diesen Gruppen durch die vorliegenden Daten nicht gestützt wird.
Häufig gestellte Fragen
Laut Review wird ein FFN-Wert von 50 ng/ml oder mehr im zervikovaginalen Sekret als positiv gewertet. Dieser Grenzwert ist ab der 22. Schwangerschaftswoche mit einem erhöhten Risiko für eine spontane Frühgeburt assoziiert.
Das klinische Management basierend auf den Testergebnissen kann die Rate an Frühgeburten vor der 37. Woche möglicherweise reduzieren. Für frühere Zeitpunkte (z. B. vor der 34. Woche) zeigt der Cochrane Review jedoch keinen signifikanten Unterschied.
Der aktuelle Review identifizierte keine randomisierten Studien zum FFN-Test bei Mehrlingsschwangerschaften. Die vorliegende Evidenz bezieht sich ausschließlich auf Einlingsschwangerschaften mit Symptomen einer drohenden Frühgeburt.
Die Kenntnis der FFN-Testergebnisse führt laut den analysierten Daten zu keinem wesentlichen Unterschied bei der Rate der mütterlichen Krankenhauseinweisungen. Die Evidenzqualität für diesen Endpunkt wird als niedrig eingestuft.
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Quelle: Cochrane Review: Fetal fibronectin testing for reducing the risk of preterm birth (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.