Ischämischer Schlaganfall: Cochrane Review zu Thrombektomie
Hintergrund
Der akute ischämische Schlaganfall ist weltweit eine der Hauptursachen für Tod und Behinderung. Die Standardtherapie umfasst in der Regel die intravenöse Thrombolyse (IVT), die endovaskuläre Thrombektomie oder eine Kombination aus beiden Verfahren.
Theoretisch bietet die zusätzliche Thrombolyse Vorteile wie eine verbesserte Reperfusion und die Auflösung kleinerer Thromben. Dem stehen jedoch mögliche Risiken wie eine Verzögerung der endovaskulären Intervention, allergische Reaktionen und ein erhöhtes Blutungsrisiko gegenüber.
Ein aktueller Cochrane Review (2025) analysierte sechs randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 2336 erwachsenen Personen. Ziel war es zu bewerten, ob die zusätzliche Gabe einer IVT innerhalb von 4,5 Stunden vor einer Thrombektomie die funktionelle Unabhängigkeit nach 90 Tagen verbessert.
Empfehlungen
Der Review kommt zu dem Schluss, dass die aktuelle Evidenz weder einen klaren Nutzen noch einen klaren Schaden für eine routinemäßige intravenöse Thrombolyse bei Personen mit endovaskulärer Thrombektomie belegt.
Funktionelle Ergebnisse und Mortalität
Laut der Meta-Analyse zeigt die zusätzliche Thrombolyse im Vergleich zur alleinigen Thrombektomie keine signifikanten Vorteile in Bezug auf das Überleben oder die Alltagsfähigkeit. Es wird berichtet:
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Kein Unterschied bei der funktionellen Unabhängigkeit (mRS < 3) nach 90 Tagen (moderate Evidenz)
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Kein Unterschied bei exzellenten funktionellen Ergebnissen (mRS < 2) (hohe Evidenz)
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Kein Unterschied bei der Mortalitätsrate (hohe Evidenz)
Blutungsrisiko
Hinsichtlich der Sicherheitsprofile ergaben die analysierten Studien keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Gruppen.
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Kein Unterschied bei asymptomatischen intrakraniellen Blutungen (hohe Evidenz)
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Wahrscheinlich wenig bis kein Unterschied bei symptomatischen intrakraniellen Blutungen (moderate Evidenz)
Revaskularisation
Trotz der fehlenden klinischen Überlegenheit auf funktioneller Ebene zeigt die zusätzliche Thrombolyse Vorteile auf technischer Ebene.
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Eine höhere Rate an erfolgreicher Revaskularisation (TICI 2b bis 3) (hohe Evidenz)
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Eine höhere Rate an kompletter Revaskularisation (TICI 3) (hohe Evidenz)
Dosierung
Die in den eingeschlossenen Studien des Reviews verwendeten Thrombolytika und deren Dosierungen umfassten folgende Schemata:
| Wirkstoff | Dosierung | Anmerkung |
|---|---|---|
| Alteplase | 0,9 mg/kg | Verwendet in vier Studien (sowie als Option in einer weiteren) |
| Alteplase | 0,6 mg/kg | Verwendet in einer Studie |
| Tenecteplase | 0,25 mg/kg | Verwendet als Option in einer Studie |
💡Praxis-Tipp
Obwohl die zusätzliche intravenöse Thrombolyse vor einer Thrombektomie zu signifikant besseren Revaskularisationsraten führt, übersetzt sich dieser technische Erfolg laut der Meta-Analyse nicht in eine messbare Verbesserung der funktionellen Unabhängigkeit oder Überlebensrate. Es wird daher in der Praxis darauf hingewiesen, dass eine routinemäßige Thrombolyse bei geplanter Thrombektomie kritisch abgewogen werden sollte, da ein klarer klinischer Zusatznutzen derzeit nicht belegt ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem aktuellen Cochrane Review gibt es keinen Nachweis für einen Unterschied in der Mortalität, wenn zusätzlich zur Thrombektomie eine intravenöse Thrombolyse durchgeführt wird. Beide Gruppen zeigten in den Studien vergleichbare Überlebensraten.
Die Meta-Analyse zeigt, dass es wahrscheinlich wenig bis gar keinen Unterschied bei symptomatischen oder asymptomatischen intrakraniellen Blutungen gibt. Das Blutungsrisiko wird durch die zusätzliche Gabe der Medikamente demnach nicht signifikant erhöht.
Der Review belegt, dass die zusätzliche Thrombolyse zu einer höheren Rate an erfolgreicher und kompletter Revaskularisation führt. Der Blutfluss in den betroffenen Gefäßen wird dadurch technisch besser wiederhergestellt, auch wenn dies nicht zwingend zu besseren klinischen Ergebnissen nach 90 Tagen führt.
In den analysierten Studien kamen hauptsächlich Alteplase in Dosierungen von 0,9 mg/kg oder 0,6 mg/kg zum Einsatz. Eine Studie untersuchte zudem die Gabe von Tenecteplase in einer Dosierung von 0,25 mg/kg.
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Quelle: Cochrane Review: Endovascular thrombectomy with versus without intravenous thrombolysis for acute ischaemic stroke (Cochrane, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.