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Abnabelung bei Frühgeborenen: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2019 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2019)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Frühgeborene, die vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, haben im Vergleich zu Reifgeborenen ein erhöhtes Risiko für Komplikationen und Sterblichkeit. Besonders betroffen sind Kinder, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren werden.

Traditionell wurde eine frühe Abnabelung praktiziert, um das Neugeborene schnell medizinisch versorgen zu können. Ein verzögertes Abnabeln ermöglicht jedoch einen längeren Blutfluss zwischen Plazenta und Kind, was die Anpassung an die Atmung erleichtern soll.

Der vorliegende Cochrane Review (2019) untersucht die Auswirkungen des Abnabelungszeitpunkts sowie des Ausstreichens der Nabelschnur auf die Gesundheit von Mutter und Kind. Es wurden Daten von über 4.800 Säuglingen ausgewertet.

Empfehlungen

Der Review formuliert basierend auf der Evidenzlage zentrale Erkenntnisse für die klinische Praxis.

Verzögertes vs. frühes Abnabeln

Laut den Autoren bringt ein verzögertes Abnabeln (Delayed Cord Clamping, DCC) bei Frühgeborenen deutliche Vorteile. Ein frühes Abnabeln (Early Cord Clamping, ECC) unter 30 Sekunden wird mit potenziellen Schäden in Verbindung gebracht.

Die Datenlage zeigt folgende Effekte des verzögerten Abnabelns im Vergleich zur frühen Abnabelung:

  • Die Sterblichkeit vor der Entlassung wird signifikant reduziert (moderate Evidenz).

  • Die Rate an intraventrikulären Blutungen (IVH) jeglichen Grades sinkt leicht (hohe Evidenz).

  • Bei schweren Hirnblutungen (Grad 3 und 4) oder chronischen Lungenerkrankungen zeigt sich kein wesentlicher Unterschied.

Optimaler Zeitpunkt und Nabelschnur-Ausstreichen

Die aktuelle Evidenz unterstützt die Praxis, die Nabelschnur bei Frühgeborenen nicht vor Ablauf von 30 Sekunden zu durchtrennen. Der exakte optimale Zeitpunkt bleibt jedoch unklar.

Für alternative Methoden reicht die Datenlage laut Review derzeit nicht aus. Dies betrifft:

  • Die sofortige Versorgung des Neugeborenen bei noch intakter Nabelschnur.

  • Das Ausstreichen der Nabelschnur (Umbilical Cord Milking, UCM) im Vergleich zum frühen oder verzögerten Abnabeln.

Vergleich der Interventionen bei Frühgeborenen

Die nachfolgende Tabelle fasst die Auswirkungen der verschiedenen Strategien gemäß der Meta-Analyse zusammen:

InterventionVergleichSterblichkeit vor EntlassungIntraventrikuläre Blutung (alle Grade)Evidenzgrad
Verzögertes Abnabeln (>30s)Frühes Abnabeln (<30s)Reduziert (RR 0.73)Leicht reduziert (RR 0.83)Moderat bis Hoch
Verzögertes Abnabeln (intakte Nabelschnur)Frühes AbnabelnUnklar (unzureichende Daten)Unklar (unzureichende Daten)Niedrig
Ausstreichen der NabelschnurFrühes/Verzögertes AbnabelnUnklar (unzureichende Daten)Unklar (unzureichende Daten)Sehr niedrig bis Niedrig

Kontraindikationen

Der Review weist darauf hin, dass eine frühe Abnabelung (unter 30 Sekunden) bei Frühgeborenen tendenziell Schäden verursacht.

Es wird betont, dass die aktuelle Evidenzlage es nicht unterstützt, die Nabelschnur vor Ablauf von 30 Sekunden zu durchtrennen.

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💡Praxis-Tipp

Der Review betont, dass ein frühes Abnabeln unter 30 Sekunden bei Frühgeborenen vermieden werden sollte, da es mit einer höheren Sterblichkeit assoziiert ist. Es wird darauf hingewiesen, dass die Vorteile des verzögerten Abnabelns wahrscheinlich auf einer besseren hämodynamischen Stabilität beruhen.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Review sollte die Nabelschnur bei Frühgeborenen nicht vor Ablauf von 30 Sekunden durchtrennt werden. Der genaue optimale Zeitpunkt, ob eine oder mehrere Minuten, ist durch die aktuelle Studienlage noch nicht abschließend geklärt.

Die Autoren stellen fest, dass es derzeit unzureichende Daten gibt, um das Ausstreichen der Nabelschnur (Umbilical Cord Milking) verlässlich zu bewerten. Es kann momentan nicht abschließend beurteilt werden, ob diese Methode dem verzögerten Abnabeln überlegen oder unterlegen ist.

Die Meta-Analyse zeigt mit hoher Sicherheit, dass ein verzögertes Abnabeln die Gesamtrate an intraventrikulären Blutungen leicht reduziert. Bei schweren Hirnblutungen der Grade 3 und 4 konnte jedoch kein signifikanter Unterschied festgestellt werden.

Der Review fand keine ausreichenden Beweise dafür, dass ein verzögertes Abnabeln das Risiko für einen mütterlichen Blutverlust von über 500 ml signifikant erhöht. Die Evidenzqualität für diesen spezifischen Endpunkt wird jedoch als sehr niedrig eingestuft.

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Quelle: Cochrane Review: Effect of timing of umbilical cord clamping and other strategies to influence placental transfusion at preterm birth on maternal and infant outcomes (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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