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EEG bei komplexen Fieberkrämpfen: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Dieser Artikel basiert auf einem systematischen Cochrane Review (2020) zur Untersuchung des Nutzens eines Elektroenzephalogramms (EEG) bei Kindern unter fünf Jahren mit komplexen Fieberkrämpfen.

Fieberkrämpfe treten typischerweise im Alter zwischen einem Monat und fünf Jahren auf und stehen in Zusammenhang mit Fieber ohne intrakranielle Infektion. Sie werden klinisch in einfache und komplexe Fieberkrämpfe unterteilt.

In der klinischen Praxis wird häufig ein EEG empfohlen, um mögliche zugrunde liegende zerebrale Pathologien zu identifizieren und das Risiko künftiger Anfälle abzuschätzen. Die tatsächliche Aussagekraft und der optimale Zeitpunkt der Untersuchung werden jedoch kontrovers diskutiert.

Empfehlungen

Klassifikation von Fieberkrämpfen

Der Review unterscheidet anhand klinischer Kriterien zwischen einfachen und komplexen Fieberkrämpfen:

KlassifikationDauerHäufigkeitNeurologische Auffälligkeiten
Einfacher FieberkrampfUnter 15 MinutenEinmalig in 24 StundenKeine (generalisiert, neurologisch unauffällig)
Komplexer FieberkrampfÜber 15 MinutenMehrfach in 24 StundenVorhanden (z.B. fokale Zeichen, Vorerkrankungen)

Evidenzlage zum EEG-Einsatz

Laut dem Cochrane Review gibt es derzeit keine Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), die den routinemäßigen Einsatz eines EEGs bei komplexen Fieberkrämpfen unterstützt oder widerlegt.

  • Es konnten keine Studien identifiziert werden, die den Nutzen eines EEGs mit dem Verzicht auf ein EEG vergleichen.

  • Ebenso fehlt es an Evidenz zum optimalen Zeitpunkt der Untersuchung (frühes vs. spätes EEG).

  • Der Review betont die Notwendigkeit gut konzipierter, randomisierter Studien mit ausreichender Stichprobengröße.

Retrospektive Daten

Der Review weist darauf hin, dass bestehende retrospektive Studien widersprüchliche Ergebnisse liefern:

  • Einige Studien fanden keine EEG-Auffälligkeiten bei neurologisch unauffälligen Kindern nach einem komplexen Fieberkrampf.

  • Andere Untersuchungen zeigten bei einem signifikanten Anteil der Kinder Auffälligkeiten, die teilweise mit einer späteren Epilepsiediagnose korrelierten.

  • Ein frühes EEG (innerhalb von 7 Tagen) zeigt laut einigen retrospektiven Daten häufiger Auffälligkeiten als ein späteres EEG.

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💡Praxis-Tipp

Da laut Cochrane Review keine hochwertige Evidenz für oder gegen ein EEG nach einem komplexen Fieberkrampf vorliegt, basiert die Entscheidung in der Praxis weiterhin auf individueller klinischer Einschätzung und lokalen Standards. Es wird im Review explizit darauf hingewiesen, dass retrospektive Daten bezüglich des prädiktiven Wertes eines EEGs stark widersprüchlich sind.

Häufig gestellte Fragen

Ein komplexer Fieberkrampf liegt vor, wenn der Anfall länger als 15 Minuten dauert, fokale Zeichen aufweist oder mehrfach innerhalb von 24 Stunden auftritt. Auch das Vorliegen einer neurologischen Vorerkrankung spricht laut Review für einen komplexen Verlauf.

Laut dem Cochrane Review gibt es keine Evidenz aus randomisierten Studien, die ein EEG zwingend unterstützt oder widerlegt. Die Durchführung obliegt der klinischen Einschätzung, auch wenn sie in vielen Ländern gängige Praxis ist.

Der Review konnte keine Evidenz ermitteln, ob ein frühes EEG (innerhalb der ersten Woche) oder ein spätes EEG (nach einer Woche bis zu einem Monat) vorteilhafter ist. Retrospektive Daten deuten lediglich darauf hin, dass frühe EEGs häufiger Auffälligkeiten zeigen.

Die Datenlage hierzu ist laut Review widersprüchlich. Während einige retrospektive Studien keinen prädiktiven Wert fanden, zeigten andere Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen frühen EEG-Auffälligkeiten und einer späteren Epilepsiediagnose.

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Quelle: Cochrane Review: EEG for children with complex febrile seizures (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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