Frühe ESA bei Frühgeborenen: Cochrane-Review
Hintergrund
Frühgeborene weisen häufig niedrige Plasmaspiegel an Erythropoetin (EPO) auf. Dies liefert die Rationale für den Einsatz von Erythropoese-stimulierenden Agenzien (ESA) wie EPO und Darbepoetin.
Der vorliegende Cochrane-Review untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit einer frühen ESA-Gabe. Als früh wird hierbei ein Beginn innerhalb der ersten acht Lebenstage bei Frühgeborenen oder Säuglingen mit niedrigem Geburtsgewicht definiert.
Primäre Ziele der analysierten Studien waren die Reduktion von Erythrozytentransfusionen, die Vermeidung neurologischer Beeinträchtigungen sowie der Schutz vor nekrotisierender Enterokolitis (NEC).
Empfehlungen
Die Ergebnisse des Cochrane-Reviews lassen sich in folgenden Kernpunkten zusammenfassen:
Klinische Endpunkte im Vergleich
Der Review vergleicht die frühe ESA-Gabe mit Placebo oder keiner Behandlung. Folgende Effekte wurden für die primären und sekundären Endpunkte ermittelt:
| Klinischer Endpunkt | Effekt unter früher ESA-Gabe | NNTB (Number Needed to Treat) |
|---|---|---|
| Erythrozytentransfusion (mindestens 1) | Signifikante Reduktion (RR 0,79) | 7 |
| Nekrotisierende Enterokolitis (NEC) | Signifikante Reduktion (RR 0,69) | 33 |
| Neurologische Beeinträchtigung (18-22 Monate) | Signifikante Reduktion (RR 0,62) | 13 |
| Retinopathia praematurorum (ROP ab Stadium 3) | Kein signifikanter Unterschied | - |
| Mortalität | Kein signifikanter Unterschied | - |
Transfusionsbedarf
Laut Review reduziert eine frühe ESA-Gabe das Risiko für Erythrozytentransfusionen und senkt das transfundierte Gesamtvolumen um durchschnittlich 7 ml/kg. Die Autoren stufen diese Reduktionen jedoch als klinisch wenig bedeutsam ein.
Die Anzahl der Spenderexpositionen wird nicht signifikant verringert. Dies liegt daran, dass die meisten Säuglinge bereits vor Studieneinschluss Transfusionen erhielten.
Komplikationen und Neuroprotektion
Neben der Reduktion der NEC-Inzidenz zeigt der Review auch signifikante Rückgänge bei intraventrikulären Hämorrhagien (IVH) und periventrikulärer Leukomalazie (PVL). Bedenken bezüglich eines erhöhten ROP-Risikos konnten nicht bestätigt werden.
Die Daten zur Neuroprotektion weisen zwar auf weniger Beeinträchtigungen hin, sind jedoch aufgrund hoher Heterogenität und widersprüchlicher Ergebnisse großer Studien mit Vorsicht zu interpretieren.
Gesamtempfehlung
Der Review empfiehlt die routinemäßige Gabe von EPO derzeit nicht, da der bisher nachgewiesene Gesamtnutzen begrenzt ist. Es wird geraten, die Ergebnisse zweier großer laufender Studien abzuwarten, bevor endgültige Schlüsse zur Neuroprotektion gezogen werden.
💡Praxis-Tipp
Obwohl die frühe Gabe von EPO die Raten an NEC, IVH und PVL in Studien senken konnte, wird ein routinemäßiger Einsatz in der Praxis derzeit nicht empfohlen. Der Review weist darauf hin, dass das primäre Ziel der Vermeidung von Spenderexpositionen bei Transfusionen meist nicht erreicht wird, da die Kinder oft schon vor Therapiebeginn transfundiert wurden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane-Review wird das Risiko für Erythrozytentransfusionen sowie das transfundierte Volumen zwar statistisch signifikant gesenkt. Die Autoren stufen diese Reduktion jedoch als klinisch wenig bedeutsam ein, da die Spenderexposition kaum verringert wird.
Der Review zeigt eine signifikante Reduktion der NEC-Inzidenz in der ESA-Gruppe im Vergleich zu Placebo. Die Number Needed to Treat (NNTB) wird hierbei mit 33 angegeben.
Frühere Bedenken bezüglich eines erhöhten ROP-Risikos konnten nicht bestätigt werden. Die Daten zeigen keinen signifikanten Unterschied für eine ROP ab Stadium 3 bei einem EPO-Beginn vor dem achten Lebenstag.
Derzeit wird die Administration von EPO nicht empfohlen, da der klinische Gesamtnutzen als zu gering eingeschätzt wird. Für eine abschließende Bewertung der neuroprotektiven Effekte müssen laut den Autoren weitere große Studien abgewartet werden.
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Quelle: Cochrane Review: Early erythropoiesis-stimulating agents in preterm or low birth weight infants (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.