Rekonvaleszentenplasma bei COVID-19: Cochrane Review
Hintergrund
Rekonvaleszentenplasma und hyperimmunologisches Immunglobulin werden als potenzielle Therapien zur Senkung der Mortalität bei viralen Atemwegserkrankungen untersucht. Auch bei der Behandlung von COVID-19 stehen diese Ansätze im wissenschaftlichen Fokus.
Der vorliegende Cochrane Review bewertet fortlaufend die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Blutprodukte bei an COVID-19 erkrankten Personen. Es handelt sich um ein "Living Systematic Review", das regelmäßig an die aktuelle Studienlage angepasst wird.
Die eingeschlossenen Daten umfassen sowohl randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) als auch nicht-randomisierte Beobachtungsstudien. Aufgrund methodischer Einschränkungen wird die Gesamtqualität der Evidenz jedoch als niedrig bis sehr niedrig eingestuft.
Empfehlungen
Der Cochrane Review fasst die aktuelle Evidenz zu Rekonvaleszentenplasma bei COVID-19 zusammen. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Unsicherheit bezüglich des klinischen Nutzens.
Wirksamkeit
Laut Review ist die klinische Wirksamkeit von Rekonvaleszentenplasma derzeit unklar. Die Auswertung der randomisierten Studien zeigt folgende Tendenzen:
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Es ist ungewiss, ob die Therapie die Gesamtmortalität bei Krankenhausentlassung senkt (niedrige Evidenzqualität).
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Eine Reduktion der Mortalität über die Zeit kann nicht sicher belegt werden (niedrige Evidenzqualität).
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Bei der klinischen Besserung nach sieben Tagen zeigt sich wahrscheinlich kaum ein Unterschied zur Standardtherapie.
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Nach 15 bis 30 Tagen könnte das Plasma möglicherweise zu einer klinischen Besserung beitragen (niedrige Evidenzqualität).
Sicherheit und Nebenwirkungen
Die Beurteilung der Sicherheit wird durch eine sehr heterogene Datenlage erschwert. Der Review kommt zu folgenden Erkenntnissen:
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Es ist sehr ungewiss, ob die Plasmatherapie das Risiko für moderate bis schwere unerwünschte Ereignisse beeinflusst (sehr niedrige Evidenzqualität).
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Ein klinisch relevanter Anstieg von schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SAEs) kann weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.
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Zu den dokumentierten schwerwiegenden Ereignissen zählen vor allem allergische, respiratorische, thrombotische und kardiale Komplikationen.
Methodische Herausforderungen
Die Autoren des Reviews betonen die Notwendigkeit gut konzipierter Studien. Der vorzeitige Abbruch von Studien und das Fehlen von Kontrollgruppen in vielen Beobachtungsstudien schränken die Aussagekraft der aktuellen Daten stark ein.
💡Praxis-Tipp
Der Cochrane Review verdeutlicht, dass der Einsatz von Rekonvaleszentenplasma bei COVID-19 derzeit nicht durch robuste Evidenz gestützt wird. Es wird darauf hingewiesen, dass dokumentierte schwerwiegende Ereignisse wie Thrombosen oder allergische Reaktionen bei der Nutzen-Risiko-Abwägung beachtet werden müssen. Ein routinemäßiger Einsatz außerhalb von klinischen Studien lässt sich aus der aktuellen Datenlage nicht sicher ableiten.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review ist es derzeit ungewiss, ob die Therapie die Gesamtmortalität von hospitalisierten Personen senkt. Die zugrundeliegende Evidenzqualität wird als niedrig eingestuft.
In den untersuchten Studien wurden vor allem allergische, respiratorische, thrombotische und kardiale Ereignisse dokumentiert. Der Review betont jedoch, dass das genaue Risiko für schwere Nebenwirkungen aufgrund fehlender Kontrollgruppen unklar bleibt.
Nach sieben Tagen zeigt sich laut Auswertung kaum ein Unterschied zur Standardtherapie. Nach 15 bis 30 Tagen könnte möglicherweise eine klinische Besserung eintreten, was jedoch nur durch Evidenz von niedriger Qualität gestützt wird.
Zum Zeitpunkt der Datenerhebung des Reviews lagen keine abgeschlossenen Studien zur Bewertung von hyperimmunologischem Immunglobulin vor. Es laufen jedoch zahlreiche weitere Untersuchungen zu diesem Thema.
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Quelle: Cochrane Review: Convalescent plasma or hyperimmune immunoglobulin for people with COVID-19: a living systematic review (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.