Kognitive Verhaltenstherapie bei Tinnitus: Cochrane Review
Hintergrund
Tinnitus betrifft bis zu 21 % der erwachsenen Bevölkerung, wobei schätzungsweise 1 bis 3 % unter schweren Einschränkungen leiden. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) wird häufig zur Behandlung von Tinnitus-Betroffenen eingesetzt, um die psychische Belastung zu lindern.
Ein aktueller Cochrane Review analysierte 28 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 2733 erwachsenen Teilnehmern. Die eingeschlossenen Personen litten seit mindestens drei Monaten an Tinnitus.
Die Dauer der untersuchten KVT-Interventionen reichte von 3 bis 22 Wochen. Die Therapien wurden überwiegend im Krankenhaus oder als Online-Formate durchgeführt.
Empfehlungen
Der Cochrane Review bewertet die Effekte der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) auf die tinnitusbezogene Lebensqualität und psychische Begleitsymptome.
Auswirkungen auf die Lebensqualität
Laut Review kann die KVT die negativen Auswirkungen des Tinnitus auf die Lebensqualität am Ende der Behandlung reduzieren. Für Langzeiteffekte nach 6 oder 12 Monaten fehlt es jedoch an ausreichender Evidenz.
Vergleich der Interventionen
Die Autoren vergleichen die KVT mit verschiedenen Kontrollgruppen hinsichtlich der Reduktion der Tinnitus-Belastung. Gemessen wurde dies primär über den Tinnitus Handicap Inventory (THI), bei dem eine Differenz von 7 Punkten als klinisch relevant gilt:
| Vergleichsgruppe | Effekt auf Tinnitus-Lebensqualität (THI) | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Keine Intervention / Warteliste | Reduktion um ca. 10,9 Punkte | Niedrig |
| Audiologische Betreuung | Reduktion um ca. 5,6 Punkte | Moderat |
| Tinnitus Retraining Therapy (TRT) | Reduktion um ca. 15,8 Punkte | Niedrig |
| Andere aktive Kontrollen (z.B. Entspannung) | Reduktion um ca. 5,8 Punkte | Niedrig |
Psychische Begleitsymptome und Sicherheit
Die Auswertung zeigt folgende Effekte auf Begleitsymptome und unerwünschte Ereignisse:
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Es zeigt sich ein möglicher kleiner Zusatznutzen der KVT bei der Reduktion von depressiven Symptomen.
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Für eine Verbesserung von Angstzuständen oder der allgemeinen gesundheitsbezogenen Lebensqualität liegt laut Review nur begrenzte Evidenz vor.
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Schwere unerwünschte Ereignisse treten unter KVT wahrscheinlich selten auf, wobei die Autoren weiteren Forschungsbedarf sehen.
💡Praxis-Tipp
Laut dem Cochrane Review sollte bei der Aufklärung über die kognitive Verhaltenstherapie bei Tinnitus kommuniziert werden, dass die Evidenz für eine langfristige Wirksamkeit nach 6 bis 12 Monaten derzeit noch fehlt. Zudem wird hervorgehoben, dass die Therapie primär die tinnitusbezogene Lebensqualität verbessert, während Effekte auf allgemeine Angstzustände weniger stark belegt sind.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review reduziert die KVT den Score im Tinnitus Handicap Inventory (THI) um durchschnittlich knapp 11 Punkte im Vergleich zu keiner Intervention. Dies überschreitet die minimal klinisch relevante Differenz von 7 Punkten.
Der Review zeigt, dass die KVT die Auswirkungen des Tinnitus auf die Lebensqualität im Vergleich zur audiologischen Betreuung wahrscheinlich stärker reduziert. Die Evidenz hierfür wird als moderat eingestuft.
Es gibt Hinweise auf einen kleinen Zusatznutzen der KVT bei der Reduktion depressiver Symptome. Für eine signifikante Besserung von Angstzuständen reicht die aktuelle Evidenz laut Review jedoch nicht aus.
In den analysierten Studien variierte die Dauer der kognitiven Verhaltenstherapie zwischen 3 und 22 Wochen. Die Behandlungen fanden meist im klinischen Setting oder online statt.
Die Auswertung der Studien legt nahe, dass unerwünschte Effekte oder Verschlechterungen der Symptomatik unter KVT selten sind. Die Autoren betonen jedoch, dass dies in zukünftigen Studien noch systematischer untersucht werden sollte.
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Quelle: Cochrane Review: Cognitive behavioural therapy for tinnitus (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.