Avatar-Therapie bei Schizophrenie: Cochrane Review
Hintergrund
Viele Menschen mit Schizophrenie erreichen durch eine rein medikamentöse Behandlung keine ausreichende Besserung ihrer Symptome. Dies betrifft insbesondere das Hören von Stimmen, auch bekannt als akustische Halluzinationen.
Ein systematischer Cochrane Review aus dem Jahr 2020 untersucht die Effekte der sogenannten Avatar-Therapie für Menschen mit Schizophrenie oder verwandten Störungen. Bei dieser Therapieform wird eine computergenerierte Repräsentation (Avatar) der halluzinierten Stimme erstellt, mit der die Betroffenen interagieren können.
Die analysierten Studien vergleichen die Avatar-Therapie als Zusatzbehandlung zur Standardversorgung mit der alleinigen Standardversorgung oder einer unterstützenden Beratung. Insgesamt wurden drei Studien mit 195 Teilnehmenden in die Auswertung einbezogen.
Empfehlungen
Der Review fasst die aktuelle Evidenz zur Avatar-Therapie zusammen. Die Autoren betonen, dass die Ergebnisse aufgrund eines hohen Verzerrungsrisikos (Risk of Bias) mit Vorsicht zu interpretieren sind.
Studienergebnisse im Vergleich
Die nachfolgende Tabelle stellt die Effekte der Avatar-Therapie im Vergleich zu den beiden Kontrollgruppen dar. Die Evidenzqualität wird durchgehend als niedrig bis sehr niedrig eingestuft.
| Endpunkt (Score) | Avatar-Therapie vs. Standardversorgung | Avatar-Therapie vs. Unterstützende Beratung |
|---|---|---|
| Positivsymptome / Psychischer Zustand | Kein Unterschied (PANSS-P) | Vorteil für Avatar-Therapie (PSYRATS) |
| Krankheitseinsicht | Vorteil für Avatar-Therapie (BAVQ-R) | Vorteil für Avatar-Therapie (BAVQ-R) |
| Lebensqualität | Vorteil für Avatar-Therapie (QLESQ-SF) | Kein Unterschied (MANSA) |
| Studienabbrüche | Kein klarer Unterschied | Kein Unterschied (~20 % in beiden Gruppen) |
Bewertung der Evidenz
Die Autoren des Reviews ziehen folgende Schlussfolgerungen aus der aktuellen Datenlage:
-
Es zeigen sich nur wenige konsistente Effekte der Avatar-Therapie bei Menschen mit Schizophrenie.
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Die klinische Relevanz der gemessenen Effekte bleibt aufgrund der niedrigen Evidenzqualität unklar.
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Zukünftige Studien sollten unabhängig von den Entwicklern der Avatar-Systeme durchgeführt werden, um Interessenkonflikte zu vermeiden.
💡Praxis-Tipp
Der Review weist darauf hin, dass bei der Interpretation bisheriger Studien zur Avatar-Therapie auf mögliche Interessenkonflikte geachtet werden sollte, da häufig die Entwickler der Systeme selbst involviert waren. Die aktuelle Evidenz reicht laut den Autoren noch nicht aus, um die Therapie als Standardverfahren bei akustischen Halluzinationen routinemäßig einzusetzen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es Hinweise auf eine Verbesserung der Krankheitseinsicht und des psychischen Zustands. Die Evidenz ist jedoch von sehr niedriger Qualität, sodass keine sicheren Aussagen zur klinischen Wirksamkeit getroffen werden können.
In der Auswertung zeigte sich ein leichter Vorteil der Avatar-Therapie beim allgemeinen psychischen Zustand und der Krankheitseinsicht im Vergleich zur unterstützenden Beratung. Bei der Lebensqualität und den Studienabbruchraten gab es hingegen keine klaren Unterschiede.
Der Review konnte keine ausreichenden Daten zu unerwünschten Ereignissen oder Nebenwirkungen aus den eingeschlossenen Studien extrahieren. Es zeigte sich jedoch kein klarer Unterschied bei den Ängstlichkeitswerten im Vergleich zur Standardversorgung.
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Quelle: Cochrane Review: Avatar Therapy for people with schizophrenia or related disorders (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.