Candidiasis (Soor): Diagnostik und Therapieempfehlung
Hintergrund
Candidiasis umfasst ein Spektrum von Pilzinfektionen, die durch Hefen der Gattung Candida verursacht werden. Candida-Arten sind Teil des normalen Mikrobioms von Haut, Schleimhäuten und Gastrointestinaltrakt.
Eine Störung der mikrobiellen Balance oder eine Immunschwäche kann zu einer Überwucherung und Gewebeinvasion führen. Die Infektionen reichen von lokalen Schleimhauterkrankungen bis hin zu lebensbedrohlichen invasiven Verläufen.
Während Candida albicans weltweit der häufigste Erreger ist, nehmen Infektionen durch Non-albicans-Arten wie C. glabrata oder C. auris zu. Diese stellen aufgrund reduzierter Empfindlichkeit gegenüber gängigen Antimykotika eine wachsende klinische Herausforderung dar.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Behandlung der Candidiasis:
Diagnostik
Bei oberflächlichen Infektionen wie Mundsoor oder Balanitis wird laut Leitlinie eine klinische Verdachtsdiagnose durch ein Kaliumhydroxid (KOH)-Präparat oder eine Gram-Färbung gesichert. Mikroskopisch zeigen sich dabei sprossende Hefen mit oder ohne Hyphen.
Für die vulvovaginale Candidiasis wird eine pH-Wert-Bestimmung empfohlen. Ein normaler vaginaler pH-Wert (4 bis 4,5) hilft bei der Abgrenzung zu bakterieller Vaginose oder Trichomoniasis.
Bei Verdacht auf eine invasive Candidiasis gelten positive Blutkulturen oder Gewebebiopsien als beweisend. Da Blutkulturen oft verzögert wachsen, wird der ergänzende Einsatz von Non-Culture-Methoden wie dem Beta-D-Glucan-Assay (BDG), MALDI-TOF-MS oder molekularen Tests empfohlen.
Therapie lokaler Infektionen
Die Leitlinie empfiehlt für die Therapie lokaler Manifestationen ein stadiengerechtes Vorgehen:
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Mundsoor: Topische Antimykotika bei leichten Fällen; orales Fluconazol bei mittelschweren bis schweren Verläufen.
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Ösophageale Candidiasis: Systemische Therapie, bevorzugt mit oralem Fluconazol für 14 bis 21 Tage.
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Balanitis: Topische oder orale Antimykotika, wobei eine Einmaldosis Fluconazol einer siebentägigen topischen Clotrimazol-Therapie gleichwertig ist.
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Vulvovaginale Candidiasis: Topische oder orale Azole, bei rezidivierenden Verläufen wird eine langfristige Suppressionstherapie empfohlen.
Therapie der invasiven Candidiasis
Bei einer invasiven Candidiasis wird eine rasche empirische Therapie bei Hochrisikopatienten empfohlen.
Als Erstlinientherapie bei neutropenischen und nicht-neutropenischen Patienten mit Candidämie werden Echinocandine empfohlen. Liposomales Amphotericin B gilt als Alternative bei Unverträglichkeiten oder Resistenzen.
Ein Deeskalation auf Fluconazol kann erwogen werden, wenn der Erreger sensibel ist und die Blutkulturen negativ sind.
Zusätzlich wird bei allen Patienten mit Candidämie eine ophthalmologische Untersuchung zum Ausschluss einer Endophthalmitis empfohlen. Zentralvenöse Katheter sollten bei Verdacht als Infektionsquelle schnellstmöglich entfernt werden.
Dosierung
| Indikation | Empfohlene Therapie | Alternativen / Bemerkungen |
|---|---|---|
| Mundsoor (leicht) | Topisches Nystatin, Clotrimazol oder Miconazol | - |
| Mundsoor (mittelschwer/schwer) | Orales Fluconazol | Itraconazol, Posaconazol, Voriconazol bei Resistenz |
| Ösophageale Candidiasis | Orales Fluconazol (14-21 Tage) | Intravenöse Gabe bei fehlender oraler Toleranz |
| Balanitis | Einmaldosis orales Fluconazol | Topisches Clotrimazol (7 Tage) |
| Vulvovaginale Candidiasis | Topische Azole (3 Tage) oder orale Azole | Oteseconazol oder Ibrexafungerp bei Rezidiven |
| Invasive Candidiasis (Erwachsene) | Echinocandine | Liposomales Amphotericin B als Alternative |
| Invasive Candidiasis (Neugeborene) | Amphotericin B Desoxycholat | Fluconazol als Alternative ohne vorherige Azol-Prophylaxe |
Kontraindikationen
Orale Azol-Antimykotika sollten laut Leitlinie in der Schwangerschaft aufgrund von Bedenken hinsichtlich Teratogenität vermieden werden.
Auch das Medikament Ibrexafungerp ist für die Behandlung schwangerer Frauen nicht zugelassen.
In diesen Fällen gelten topische Azole als sichere Alternative.
💡Praxis-Tipp
Ein positiver Candida-Nachweis in der Blutkultur darf laut Leitlinie niemals als Kontamination interpretiert werden. Es wird betont, dass Blutkulturen bei disseminierter Candidiasis in 30 bis 50 Prozent der Fälle falsch-negativ sein können. Daher sollte bei Hochrisikopatienten mit unerklärlichem Fieber trotz Breitspektrum-Antibiotika frühzeitig eine empirische antimykotische Therapie erwogen werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist der vaginale pH-Wert bei einer Candida-Infektion typischerweise normal (4 bis 4,5). Dies hilft bei der Unterscheidung von einer bakteriellen Vaginose oder Trichomoniasis, bei denen der pH-Wert meist über 4,5 liegt.
Eine Prophylaxe wird für Neugeborene unter 1000 Gramm, Patienten mit anhaltender Neutropenie sowie kritisch kranke Intensivpatienten mit gastrointestinaler Perforation empfohlen. Hierbei kommt meist Fluconazol zum Einsatz.
Die Leitlinie empfiehlt bei allen Patienten mit einer Candidämie eine ophthalmologische Untersuchung. Damit soll eine chorioretinale Dissemination (Endophthalmitis) frühzeitig erkannt werden.
Bei Erwachsenen mit Candidämie werden Echinocandine als Erstlinientherapie empfohlen. Sobald eine Sensibilität nachgewiesen ist und die Blutkulturen negativ sind, kann auf Fluconazol deeskaliert werden.
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Quelle: StatPearls: Candidiasis (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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