Burning-Mouth-Syndrom (BMS): Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Das Burning Mouth Syndrom (BMS) ist eine idiopathische Erkrankung, die durch brennende Schmerzen in einer klinisch unauffälligen Mundschleimhaut gekennzeichnet ist. Die Beschwerden müssen für mindestens vier bis sechs Monate bestehen, um die Diagnose stellen zu können.
Die Erkrankung betrifft überwiegend Frauen, insbesondere in der peri- und postmenopausalen Phase. Bei Personen unter 30 Jahren tritt das Syndrom nur sehr selten auf.
Die genaue Pathophysiologie ist nicht vollständig geklärt, wird jedoch als multifaktoriell beschrieben. Es wird ein Zusammenhang mit neuropathischen Veränderungen, psychologischen Faktoren wie Angststörungen und Depressionen sowie hormonellen Schwankungen vermutet.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie des Burning Mouth Syndroms (BMS).
Diagnostik und Evaluation
BMS ist eine Ausschlussdiagnose. Die Leitlinie fordert zwingend das Fehlen von oralen Läsionen für die Diagnosestellung.
Es wird ein strukturiertes Vorgehen empfohlen, das folgende Schritte umfasst:
-
Erhebung der Anamnese und Quantifizierung der Schmerzen
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Untersuchung der Mundschleimhaut zum Ausschluss lokaler und systemischer Ursachen
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Erfassung des psychologischen Status
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Objektive Messung der Speichel- und Geschmacksfunktion
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Neurologische Untersuchung und Bildgebung
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Abstriche, Allergietests und Reflux-Diagnostik bei entsprechendem Verdacht
Eine Biopsie ist laut Leitlinie nicht indiziert, sofern die Zunge unauffällig erscheint.
Diagnostische Kriterien nach Scala
Die Diagnose stützt sich auf fünf klinische Hauptkriterien:
| Kriterium | Beschreibung |
|---|---|
| Schmerzcharakter | Täglicher, tiefer und bilateraler brennender Schmerz |
| Dauer | Mindestens 4 bis 6 Monate anhaltend |
| Verlauf | Konstante oder zunehmende Schwere im Tagesverlauf |
| Nahrungsaufnahme | Keine Verschlechterung, sondern Besserung beim Essen und Trinken |
| Schlaf | Keine Beeinträchtigung des Schlafes |
Klassifikation nach Lamey und Lewis
Das BMS wird anhand der Schmerzfluktuation in drei Typen unterteilt:
| Typ | Symptomatik | Mögliche Assoziation |
|---|---|---|
| Typ 1 | Morgens beschwerdefrei, Verschlechterung im Tagesverlauf | Ernährungsmängel, endokrine Störungen (z. B. Diabetes mellitus) |
| Typ 2 | Symptome durchgehend über den gesamten Tag | Chronische Angststörungen |
| Typ 3 | Intermittierende Symptome mit beschwerdefreien Phasen | Nahrungsmittelallergien |
Therapieansätze
Die Behandlung erfordert oft mehrere Modalitäten. Die Leitlinie weist darauf hin, dass eine vollständige Beschwerdefreiheit nicht immer erreichbar ist.
Neben der medikamentösen Therapie wird die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) zur Schmerzbewältigung empfohlen. Auch die Low-Level-Lasertherapie (LLLT) kann die Symptome lindern, wenngleich standardisierte Richtlinien hierfür noch fehlen.
Dosierung
Topische Medikamente
| Wirkstoff | Dosierung / Anwendung | Indikation / Anmerkung |
|---|---|---|
| Clonazepam (topisch) | 1 mg Tablette 3-mal täglich lutschen (für 2 Wochen) | Linderung der Brennschmerzen; Risiko der Abhängigkeit |
| Aloe Vera Gel (70 %) | 3-mal täglich in Kombination mit Zungenschutz | Kurzfristige Symptomlinderung |
Systemische Medikamente
| Wirkstoff | Dosierung / Anwendung | Indikation / Anmerkung |
|---|---|---|
| Clonazepam (systemisch) | 0,5 mg pro Tag | Kurzzeittherapie zur Schmerzlinderung |
| Capsaicin (systemisch) | 0,25 % Kapseln 3-mal täglich für 4 Wochen | Vorsicht wegen gastrointestinaler Nebenwirkungen |
| Trizyklische Antidepressiva | Initial 5-10 mg täglich, langsame Steigerung auf 50 mg | Schmerzmodulation; kann Xerostomie verstärken |
| Antipsychotika (z. B. Amisulprid) | 50 mg täglich für 24 Wochen | Kurzzeittherapie bei guter Compliance |
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt vor dem Einsatz von topischem Capsaicin bei empfindlichen Personen, da es initial zu einem verstärkten Brennen, Dyspepsie und toxischen Reaktionen kommen kann.
Systemisches Capsaicin sollte aufgrund möglicher gastrointestinaler Nebenwirkungen (Magenschmerzen) nur mit Vorsicht verschrieben werden.
Von der Verwendung topischer Anästhetika wie Lidocain wird abgeraten, da die Wirkdauer zu kurz ist, um einen therapeutischen Nutzen zu erzielen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass das Burning Mouth Syndrom eine reine Ausschlussdiagnose ist und bei sichtbaren oralen Läsionen nicht gestellt werden darf. Es wird ausdrücklich davon abgeraten, bei unauffälliger Zunge eine Biopsie durchzuführen. Zudem gilt topisches Lidocain aufgrund der nur sehr kurzzeitigen Wirkung als ineffektiv.
Häufig gestellte Fragen
Die Diagnose wird klinisch gestellt, nachdem andere Ursachen für Mundschmerzen ausgeschlossen wurden. Laut Leitlinie müssen die brennenden Schmerzen in einer unauffälligen Mundschleimhaut für mindestens vier bis sechs Monate bestehen.
Die Leitlinie nennt ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Blocker als mögliche Auslöser, da sie den Bradykinin-Spiegel erhöhen können. Auch antiretrovirale Medikamente, Levothyroxin und Topiramat werden mit den Symptomen in Verbindung gebracht.
Es wird empfohlen, auf eine Biopsie zu verzichten, wenn die Zunge und die Mundschleimhaut klinisch unauffällig erscheinen. Eine Biopsie ist laut Leitlinie nur bei sichtbaren Läsionen indiziert.
Die Leitlinie stuft topische Anästhetika wie Lidocain als ineffektiv ein. Der schmerzlindernde Effekt ist zu kurzfristig, um eine adäquate Besserung der chronischen Beschwerden zu erzielen.
Es besteht eine starke Assoziation mit chronischen Angststörungen, Depressionen und Stimmungsschwankungen. Daher wird die kognitive Verhaltenstherapie als wichtiger Baustein der multimodalen Behandlung empfohlen.
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Quelle: StatPearls: Burning Mouth Syndrome (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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