Still-Selbstwirksamkeit & Vulnerabilität (Rev Bras Enferm)
📋Auf einen Blick
- •Acht sozioökonomische Faktoren beeinflussen die Still-Selbstwirksamkeit vulnerabler Mütter maßgeblich.
- •Jüngeres Alter und Primiparität senken die Selbstwirksamkeit aufgrund fehlender praktischer Erfahrung.
- •Ein niedriges Einkommen und der Status als alleinerziehende Mutter belasten den emotionalen und physiologischen Zustand.
- •Außerhäusliche Erwerbstätigkeit und geringe Bildung erschweren den Zugang zu und das Verständnis von Stillinformationen.
- •Soziale Unterstützung fungiert als zentraler positiver Faktor zur Überwindung von Barrieren.
Hintergrund
Die Förderung des Stillens ist ein zentrales Anliegen der öffentlichen Gesundheit. Bei Müttern in sozioökonomischer Vulnerabilität wird der Stillerfolg jedoch durch spezifische Barrieren erschwert. Basierend auf der Selbstwirksamkeitstheorie von Bandura wurde eine situationsspezifische Theorie (SST) entwickelt, die erklärt, wie sozioökonomische Faktoren die Still-Selbstwirksamkeit (die Überzeugung einer Mutter, ihr Kind erfolgreich stillen zu können) beeinflussen.
Quellen der Selbstwirksamkeit nach Bandura
Die Theorie definiert vier Hauptquellen, aus denen Mütter ihre Überzeugung und Fähigkeit zum Stillen schöpfen:
| Quelle | Bedeutung für das Stillen |
|---|---|
| Aktive Beherrschung | Eigene frühere Stillerfahrungen (z.B. bei Mehrgebärenden) |
| Vikariierende Erfahrung | Beobachtung und Austausch mit anderen stillenden Müttern |
| Verbale Persuasion | Aufklärung, Zuspruch und Beratung durch Fachpersonal |
| Physiologischer/Emotionaler Zustand | Körperliche und psychische Verfassung der Mutter |
Klassifikation der sozioökonomischen Faktoren
Acht identifizierte Faktoren nehmen direkten Einfluss auf die Quellen der Selbstwirksamkeit. Sie werden in vier Kategorien unterteilt:
| Faktor | Klassifikation | Einfluss auf Still-Selbstwirksamkeit |
|---|---|---|
| Soziale Unterstützung | Precipitierend (auslösend) | Positiv (fördert vikariierende Erfahrungen) |
| Familienstand | Precipitierend (auslösend) | Verheiratet/Partnerschaft wirkt positiv |
| Parität | Precipitierend (auslösend) | Multiparität wirkt positiv durch Vorerfahrung |
| Einkommen | Deaktivierend (einschränkend) | Niedriges Einkommen wirkt negativ |
| Berufstätigkeit | Deaktivierend (einschränkend) | Außerhäusliche Arbeit wirkt negativ |
| Alter | Verstärkend | Höheres Alter wirkt positiv |
| Bildung | Verstärkend | Höhere Bildung wirkt positiv |
| Ethnie | Prädisponierend | Barrieren vorhanden, durch Support ausgleichbar |
Kernaussagen zu den Einflussfaktoren
- Alter und Parität: Jüngere Mütter und Erstgebärende (Primipara) weisen häufig eine geringere Still-Selbstwirksamkeit auf, da ihnen die Erfahrung der aktiven Beherrschung fehlt.
- Einkommen und Familienstand: Finanzielle Sorgen (niedriges Einkommen) und das Fehlen eines Partners (alleinerziehend) belasten den emotionalen und physiologischen Zustand der Mutter erheblich, was sich negativ auf die Laktation und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten auswirkt. Auch mangelnde sanitäre Grundversorgung verstärkt diesen negativen Effekt.
- Bildung und Berufstätigkeit: Eine geringe Schulbildung erschwert das Verständnis von Aufklärungsmaterialien (verbale Persuasion). Mütter, die außerhäuslich arbeiten, haben zudem oft weniger Zugang zu Informationen über ihre Rechte als stillende Arbeitnehmerinnen, was zu einem vorzeitigen Abstillen führen kann.
- Ethnie und soziale Unterstützung: Schwarze Mütter sind häufiger mit strukturellen Barrieren im Gesundheitssystem konfrontiert. Soziale Unterstützung durch Familie und Gemeinschaft ist hier ein entscheidender Vermittler, um durch vikariierende Erfahrungen (Lernen am Modell) die Selbstwirksamkeit zu stärken.
💡Praxis-Tipp
Identifizieren Sie primipare, alleinerziehende oder früh berufstätige Mütter bereits pränatal. Passen Sie Aufklärungsmaterialien an das Bildungsniveau an (z.B. durch Videos) und klären Sie berufstätige Mütter aktiv über ihre Rechte zur Milchabpumpung am Arbeitsplatz auf.