Bluttransfusion: Indikation, Schwellenwerte & Dosierung

Diese Leitlinie stammt aus 2015 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2015)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie (2015, aktualisiert 2025) behandelt die Indikationsstellung und das Management von Bluttransfusionen bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern über einem Jahr.

Bluttransfusionen sind häufige klinische Interventionen, bergen jedoch signifikante Risiken wie transfusionsassoziierte Kreislaufüberlastungen oder Fehltransfusionen. Die Leitlinie fokussiert sich auf den restriktiven und evidenzbasierten Einsatz von Blutprodukten, um unnötige Transfusionen zu vermeiden und die Patientensicherheit zu erhöhen.

Spezifische Patientengruppen wie Neugeborene, Säuglinge unter einem Jahr oder Schwangere sind von den Empfehlungen ausgenommen. Ebenso wird das Management von Massivblutungen in dieser Leitlinie nicht primär abgedeckt.

Empfehlungen

Alternativen zur Bluttransfusion bei Operationen

Laut Leitlinie wird der routinemäßige Einsatz von Erythropoetin zur Vermeidung von Transfusionen nicht empfohlen. Eine Ausnahme besteht, wenn Bluttransfusionen aus religiösen Gründen abgelehnt werden oder kein passendes Blut zur Verfügung steht.

Bei einer Eisenmangelanämie wird eine orale Eisensubstitution vor und nach der Operation empfohlen. Eine intravenöse Gabe sollte gemäß Leitlinie erwogen werden, wenn orales Eisen nicht vertragen wird, ein funktioneller Eisenmangel vorliegt oder die Zeit bis zur Operation zu kurz ist.

Es wird empfohlen, Erwachsenen bei Operationen mit einem erwarteten Blutverlust von über 500 ml Tranexamsäure anzubieten. Bei Kindern sollte dies ab einem erwarteten Blutverlust von über 10 % des Blutvolumens erwogen werden.

Eine intraoperative maschinelle Autotransfusion (Cell Salvage) wird laut Leitlinie nur in Kombination mit Tranexamsäure bei sehr hohem erwartetem Blutverlust empfohlen.

Erythrozytenkonzentrate (EK)

Die Leitlinie empfiehlt bei Patienten ohne Massivblutung, ohne akutes Koronarsyndrom und ohne chronische Anämie einen restriktiven Transfusions-Schwellenwert.

Bei Erwachsenen ohne aktive Blutung wird die Gabe von Einzel-Erythrozytenkonzentraten empfohlen. Nach jeder Einheit sollen der klinische Zustand und der Hämoglobinwert reevaluiert werden.

Thrombozytenkonzentrate (TK)

Die Indikation zur Thrombozytentransfusion richtet sich nach der klinischen Blutungssymptomatik und dem Thrombozytenwert. Bei klinisch relevanter Blutung wird eine Transfusion ab einem Wert von unter 30 x 10^9/l empfohlen.

Eine prophylaktische Gabe ohne Blutung wird bei Werten unter 10 x 10^9/l empfohlen. Vor invasiven Eingriffen sollte ein Wert von über 50 x 10^9/l angestrebt werden.

Gefrorenes Frischplasma (FFP) und Kryopräzipitat

Ein Einsatz von FFP wird bei klinisch relevanter Blutung (ohne Massivblutung) und pathologischen Gerinnungswerten (z. B. INR oder aPTT-Ratio > 1,5) empfohlen. Die Leitlinie rät davon ab, FFP zur reinen Korrektur von Gerinnungswerten ohne Blutung einzusetzen.

Kryopräzipitate sollten bei klinisch relevanter Blutung und einem Fibrinogenspiegel unter 1,5 g/l erwogen werden.

Prothrombinkomplex-Konzentrat (PPSB)

Zur Notfall-Antagonisierung von Warfarin wird die sofortige Gabe von PPSB empfohlen, wenn eine schwere Blutung oder ein Schädel-Hirn-Trauma mit Verdacht auf intrazerebrale Blutung vorliegt.

Patientensicherheit und Aufklärung

Es wird eine kontinuierliche Überwachung der Vitalparameter vor, während und nach der Transfusion empfohlen, um akute Reaktionen frühzeitig zu erkennen. Die Nutzung elektronischer Patientenidentifikationssysteme sollte zur Erhöhung der Sicherheit erwogen werden.

Die Leitlinie empfiehlt, Patienten mündlich und schriftlich über Gründe, Risiken und Alternativen der Transfusion aufzuklären. Es muss zwingend darauf hingewiesen werden, dass sie künftig nicht mehr blutspenden dürfen.

Dosierung

Die NICE-Leitlinie definiert spezifische Schwellenwerte, Zielwerte und Dosierungen für den Einsatz von Blutprodukten.

Hämoglobin-Schwellenwerte und Zielwerte

PatientengruppeTransfusions-SchwellenwertHämoglobin-Zielwert nach Transfusion
Restriktive Strategie (Standard)70 g/l70–90 g/l
Akutes Koronarsyndrom80 g/l80–100 g/l
Chronische AnämieIndividuell festzulegenIndividuell festzulegen

Thrombozyten-Schwellenwerte

Klinische SituationThrombozyten-Schwellenwert
Keine Blutung, keine Eingriffe (Prophylaxe)< 10 x 10^9/l
Klinisch signifikante Blutung (WHO-Grad 2)< 30 x 10^9/l
Invasive Eingriffe oder Operationen< 50 x 10^9/l
Eingriffe mit hohem Blutungsrisiko50–75 x 10^9/l
Schwere Blutung (WHO-Grad 3–4) oder kritische Lokalisation (ZNS, Auge)Bis zu 100 x 10^9/l

Dosierungsschemata für Blutprodukte

BlutproduktEmpfohlene DosierungBemerkung
Erythrozytenkonzentrate1 Einzel-EinheitBei Erwachsenen ohne aktive Blutung. Nach jeder Einheit Reevaluation.
Thrombozytenkonzentrate1 Einzel-DosisMehr als eine Dosis nur bei schwerer Thrombozytopenie und Blutung an kritischer Lokalisation.
Kryopräzipitat (Erwachsene)2 PoolsReevaluation und erneute Fibrinogenmessung nach Gabe.
Kryopräzipitat (Kinder)5–10 ml/kgMaximal 2 Pools.

WHO-Blutungsgrade (Klassifikation)

GradSchweregradKlinische Beispiele
1MildPetechien, Epistaxis (< 30 Min. in 24h), positives Hämoccult
2Klinisch signifikantEpistaxis (> 30 Min. in 24h), Gelenkblutung, Hämatemesis, sichtbare Hämaturie
3SchwerBlutung erfordert Erythrozytentransfusion, moderate hämodynamische Instabilität
4LebensbedrohlichSchwere hämodynamische Instabilität, fatale Blutung, ZNS-Blutung

Kontraindikationen

Die Leitlinie formuliert folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • Erythropoetin: Sollte nicht routinemäßig zur Vermeidung von Transfusionen bei chirurgischen Patienten eingesetzt werden.

  • Thrombozytenkonzentrate: Eine prophylaktische Gabe wird bei chronischem Knochenmarkversagen, autoimmuner Thrombozytopenie, heparininduzierter Thrombozytopenie (HIT) und thrombotisch-thrombozytopenischer Purpura (TTP) nicht empfohlen. Ebenso wird von einer Prophylaxe bei Eingriffen mit geringem Blutungsrisiko (z. B. Anlage eines zentralen Venenkatheters, Knochenmarkpunktion) abgeraten.

  • Gefrorenes Frischplasma (FFP): Darf nicht zur Korrektur von Gerinnungswerten bei nicht-blutenden Patienten (ohne anstehenden Eingriff) oder zur Antagonisierung von Vitamin-K-Antagonisten verwendet werden.

  • Kryopräzipitat: Sollte nicht zur Korrektur des Fibrinogenspiegels bei Patienten ohne Blutung und ohne anstehende invasive Eingriffe eingesetzt werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die standardmäßige Anordnung von zwei Erythrozytenkonzentraten gleichzeitig. Die Leitlinie betont, dass bei hämodynamisch stabilen Erwachsenen ohne aktive Blutung stets nur eine einzelne Einheit transfundiert werden sollte. Danach wird eine erneute klinische Beurteilung sowie eine Kontrolle des Hämoglobinwertes empfohlen, bevor über eine weitere Gabe entschieden wird.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt bei den meisten Patienten einen restriktiven Schwellenwert von 70 g/l. Bei Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom wird ein höherer Schwellenwert von 80 g/l empfohlen.

Zur Notfall-Antagonisierung von Vitamin-K-Antagonisten wie Warfarin oder Phenprocoumon wird die sofortige Gabe von Prothrombinkomplex-Konzentrat (PPSB) empfohlen. Gefrorenes Frischplasma (FFP) sollte für diese Indikation laut Leitlinie nicht verwendet werden.

Es wird empfohlen, Erwachsenen vor Operationen Tranexamsäure anzubieten, wenn ein moderater Blutverlust von über 500 ml erwartet wird. Bei Kindern sollte die Gabe ab einem erwarteten Blutverlust von über 10 % des Blutvolumens erwogen werden.

Nein, Patienten sind nach dem Erhalt einer Bluttransfusion von der zukünftigen Blutspende ausgeschlossen. Die Leitlinie empfiehlt, die Patienten darüber sowohl mündlich als auch im Entlassungsbrief aufzuklären.

Die Leitlinie rät von einer prophylaktischen Thrombozytentransfusion bei Eingriffen mit geringem Blutungsrisiko ab. Dazu zählen explizit die Anlage eines zentralen Venenkatheters sowie Knochenmarkpunktionen.

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Quelle: NICE Guideline on Blood Transfusion (NICE, 2015). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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