StatPearls2026

Beckenfraktur: Klassifikation, Diagnostik und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: StatPearls (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Beckenfrakturen entstehen meist durch Hochgeschwindigkeitstraumata und gehen häufig mit schweren Begleitverletzungen einher. Die knöcherne Struktur des Beckens bildet zusammen mit dem Kreuzbein und einem komplexen Bandapparat einen hochstabilen Ring.

Verletzungen des hinteren Iliosakralkomplexes deuten auf eine sehr hohe Gewalteinwirkung hin. Da das Becken von einem dichten venösen Plexus umgeben ist, kommt es bei Ringfrakturen häufig zu massiven, lebensbedrohlichen Blutungen.

Eine besondere Gefahrenquelle stellt die Corona mortis dar, eine Anastomose zwischen der Arteria iliaca externa und der Arteria obturatoria. Eine Verletzung dieser Struktur kann zu massiven intrapelvinen Blutverlusten führen.

Empfehlungen

Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung von Beckenfrakturen:

Akutversorgung und Stabilisierung

Die initiale Beurteilung und Behandlung sollte strikt nach dem Advanced Trauma Life Support (ATLS)-Protokoll erfolgen. Bei kardiorespiratorischer Instabilität wird eine sofortige Reanimation empfohlen.

Zur Vermeidung weiterer Blutungen und zur Stabilisierung des Beckenrings wird die Anlage eines Beckengurts auf Höhe der Trochanteren empfohlen. Bei lateralen Kompressionsverletzungen mit Innenrotation sollte diese Maßnahme jedoch vermieden werden.

Für vertikale Scherfrakturen wird stattdessen eine skelettale Traktion als Stabilisierungsmethode empfohlen.

Diagnostik

Als bestes Screening-Verfahren bei hämodynamisch instabilen Personen wird eine anteroposteriore (AP) Beckenübersichtsaufnahme empfohlen. Für eine detaillierte Beurteilung der Anatomie und zum Nachweis von Blutungen ist eine Computertomografie (CT) von Abdomen und Becken indiziert.

Zusätzliche diagnostische Schritte umfassen laut Leitlinie:

  • FAST-Sonografie zur Identifikation intraperitonealer Blutungen

  • Retrograde Urethrographie bei Verdacht auf Harnröhrenabrisse (z. B. bei Blut am Meatus)

  • Zystografie bei Hämaturie mit intakter Harnröhre

  • Beckenangiografie bei persistierender Blutung trotz Volumengabe und Beckenstabilisierung

Klassifikation nach Young-Burgess

Die Leitlinie klassifiziert Beckenringverletzungen nach dem Unfallmechanismus. Dies bestimmt das weitere therapeutische Vorgehen:

KlassifikationVerletzungsmechanismusKlinische und radiologische Merkmale
APC Typ IAnteroposteriore KompressionIsolierte Ruptur der Symphysen-Bänder
APC Typ IIAnteroposteriore KompressionRuptur der Symphysen- und Beckenbodenbänder, Symphysenspalt > 2,5 cm
APC Typ IIIAnteroposteriore KompressionZusätzliche Ruptur des hinteren Iliosakralkomplexes, höchstes Blutungsrisiko
Laterale Kompression Typ ILaterale GewalteinwirkungRamusfrakturen mit ipsilateraler Os-sacrum-Fraktur
Laterale Kompression Typ IILaterale Gewalteinwirkung (weiter anterior)Ramusfrakturen mit ipsilateraler Os-ilium-Fraktur
Laterale Kompression Typ IIIExtreme laterale Gewalteinwirkung"Windswept pelvis", ipsilaterale LC-Verletzung mit kontralateraler Außenrotation
Vertikale ScherungAxiale Krafteinwirkung auf eine BeckenhälfteKraniale Verschiebung der Iliumschaufel, komplette Bandzerreißung

Operative und konservative Therapie

Das primäre Ziel ist eine frühe stabile Fixation, um den Transfusionsbedarf zu senken und das Überleben zu verbessern. Bei hämodynamisch instabilen Fällen kann ein Fixateur externe, gegebenenfalls in Kombination mit einer Notfall-Laparotomie, angelegt werden.

Konservative Ansätze mit belastungsabhängiger Mobilisation sind laut Leitlinie für APC-Typ-I- und laterale Kompressionsfrakturen vom Typ I geeignet.

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor der Anlage eines Beckengurts bei lateralen Kompressionsverletzungen mit einer Innenrotationskomponente.

Zudem wird darauf hingewiesen, dass exzessive Bewegungen des Beckens bei unfallchirurgischen Patienten strikt zu vermeiden sind, um lebensbedrohliche Blutungen nicht zu verstärken.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Bei der operativen Versorgung ist besonders auf die Corona mortis zu achten. Eine iatrogene oder traumatische Verletzung dieser Gefäßanastomose kann zu einem massiven, schwer kontrollierbaren intrapelvinen Blutverlust führen. Zudem wird bei persistierender Blutung trotz Beckengurt eine frühzeitige Angiografie zur Embolisation empfohlen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie verwendet primär die Young-Burgess-Klassifikation. Diese teilt die Verletzungen nach dem Unfallmechanismus in anteroposteriore Kompression (APC), laterale Kompression und vertikale Scherung ein.

Eine retrograde Urethrographie wird bei Verdacht auf einen Harnröhrenabriss empfohlen. Klinische Zeichen hierfür sind Blut am Meatus urethrae oder die Unmöglichkeit, einen Blasenkatheter zu legen.

Laut Leitlinie ist die skelettale Traktion die geeignete Methode zur Stabilisierung einer vertikalen Scherfraktur. Ein Beckengurt ist hier nicht das primäre Mittel der Wahl.

Zu den häufigen Langzeitkomplikationen zählen sexuelle Dysfunktionen bei beiden Geschlechtern, wie Dyspareunie oder erektile Dysfunktion. Auch chronische Schmerzen und neurologische Ausfälle im Bereich der L5- oder S1-Nervenwurzeln werden beschrieben.

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Quelle: StatPearls: Pelvic Fracture (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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