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Kubitaltunnelsyndrom: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Kubitaltunnelsyndrom ist das zweithäufigste periphere Nervenkompressionssyndrom und äußert sich oft durch akute Hypästhesien der ulnaren Handkante.
  • Eine präoperative elektroneurographische Diagnostik (motorisch und sensibel) wird zur Bestätigung und Verlaufskontrolle dringend empfohlen (Grad A).
  • Bei leichten Symptomen (>2 Wochen) sollte eine nächtliche Schienung in 30-35° Flexion und 10-20° Pronation erfolgen (Grad B).
  • Bei progredienten Ausfällen oder Muskelatrophien besteht eine klare OP-Indikation (Grad A).
  • Die einfache offene in-situ-Dekompression ist die Methode der Wahl beim Ersteingriff und der primären Form (Grad B).
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Hintergrund

Das Kubitaltunnelsyndrom (KUTS), auch Ulnarisneuropathie am Ellenbogen oder Sulcus-ulnaris-Syndrom genannt, ist das zweithäufigste Kompressionssyndrom eines peripheren Nervs. Die linke Seite ist häufiger betroffen, in bis zu 38,8 % der Fälle tritt es beidseitig auf.

Man unterscheidet eine primäre (idiopathische) Form von einer sekundären (symptomatischen) Form, die beispielsweise durch Arthrose, posttraumatische Fehlstellungen (z.B. Cubitus valgus) oder Raumforderungen bedingt ist.

Symptome

Sensible Reizsymptome sind seltener als Ausfallsymptome. Typisch ist ein akuter Beginn (oft nach der Nachtruhe) mit Hypästhesie der ulnaren Handkante, des Kleinfingers und des halben Ringfingers. Im Verlauf kommt es zu motorischen Ausfällen:

  • Kraftlosigkeit und Ungeschicklichkeit der Hand
  • Positives Froment-Zeichen (kompensatorische Beugung des Daumenendglieds beim Halten eines Papiers)
  • Abspreizhaltung des Kleinfingers
  • Krallenstellung der Finger 4 und 5 (Spätstadium)
  • Muskelatrophien (Mm. interossei, Hypothenar)

Diagnostik

Die Diagnose wird primär klinisch gestellt, sollte aber vor einer Operation apparativ gesichert werden.

MethodeEmpfehlungBemerkung
Klinisch-neurologischBasisdiagnostikInspektion (Atrophien), Palpation (Luxation?), Motorik (Froment-Zeichen), Sensibilität
Elektroneurographie (ENG)Soll (Grad A)Motorische und sensible Neurographie mit Oberflächenelektroden präoperativ erforderlich
Elektromyographie (EMG)Kann (Grad 0)Bei nicht eindeutigen Befunden oder zum Ausschluss von Differenzialdiagnosen
Neurosonographie / MRTKann (Grad 0)Zum direkten Nachweis morphologischer Veränderungen oder Raumforderungen
RöntgenKann (Grad 0)Zum Nachweis knöcherner Veränderungen am Ellenbogengelenk

Konservative Therapie

Dauer der SymptomeMaßnahmeBemerkung
< 2 Wochen (Reizsymptome)VerlaufsbeobachtungKann (Grad 0). Vermeidung repetitiver Druck- und Zugeinwirkung.
> 2 Wochen (ohne Defizite)Konservative TherapieKann (Grad 0).
> 2 WochenSchienenruhigstellungSollte (Grad B). Nächtliche Schiene (30°-35° Flexion, 10°-20° Pronation) für ca. 6 Monate.

Hinweis: Von lokalen Kortikoidinjektionen am Kubitaltunnel wird abgeraten, da sie keinen Zusatznutzen zur Schienung bringen und das Risiko von Nervenverletzungen und Atrophien bergen.

Operative Therapie

Bei progredienten Beschwerden, sensomotorischen Ausfallserscheinungen und Muskelatrophien soll operativ vorgegangen werden (Grad A). Der Eingriff sollte in Blutsperre/-leere erfolgen (Grad B).

OperationsverfahrenIndikationEmpfehlung
In-situ-DekompressionErsteingriff, primäre Form, UlnarisluxationSollte (Grad B)
Endoskopische DekompressionAlternative zur offenen in-situ-DekompressionKann (Grad 0)
Palmarverlagerung (Transposition)Posttraumatische Deformierung, starke Narben, schmerzhafte LuxationKann (Grad 0)
Mediale EpikondylektomieAlternative bei speziellen DeformitätenKann (Grad 0)

Eine äußere Neurolyse sollte nur bei starken narbigen oder knöchernen Veränderungen erfolgen (Grad B). Eine interfaszikuläre Neurolyse sollte bis auf wenige Ausnahmefälle nicht erfolgen (Grad B).

Postoperative Behandlung und Komplikationen

Postoperativ sollte unabhängig von der Methode möglichst frühzeitig ein weitestgehender Bewegungsumfang des Ellenbogengelenks ohne Belastung angestrebt werden (Grad B).

Bei postoperativer Zunahme der Beschwerden und Verschlechterung des Befundes sollte eine bildgebende Untersuchung (Sonographie oder MRT) durchgeführt werden (Grad B). Revisionseingriffe sollten stets in offener Technik erfolgen (Grad B).

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf lokale Kortikoidinjektionen am Kubitaltunnel. Diese bringen keinen Zusatznutzen zur Schienung und bergen das Risiko von Nervenverletzungen. Achten Sie klinisch frühzeitig auf das Froment-Zeichen.

Häufig gestellte Fragen

Bei progredienten Beschwerden, sensomotorischen Ausfallserscheinungen und Muskelatrophien besteht eine klare OP-Indikation (Empfehlungsgrad A).
Die einfache offene in-situ-Dekompression des N. ulnaris ist die Methode der Wahl beim primären Kubitaltunnelsyndrom und sollte angewandt werden.
Nein, die Leitlinie rät von lokalen Kortikoidinjektionen ab, da sie keinen Zusatznutzen bieten und Komplikationen wie intraneurale Injektionen verursachen können.
Empfohlen wird eine nächtliche Schienung mit ca. 30°-35° Flexion im Ellenbogen und 10°-20° Pronation des Unterarms.

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