Asymptomatische Bakteriurie (ASB): Screening & Therapie
Hintergrund
Die IDSA-Leitlinie (2019) behandelt das Management der asymptomatischen Bakteriurie (ASB) bei Erwachsenen und Kindern. ASB ist definiert als das Vorhandensein von Bakterien im Urin in einer Konzentration von mindestens 10^5 KBE/ml ohne begleitende Symptome eines Harnwegsinfekts.
In vielen Bevölkerungsgruppen ist die ASB ein häufiger und benigner Befund. Die Leitlinie betont, dass eine unnötige antibiotische Behandlung zur Entstehung von Resistenzen und unerwünschten Arzneimittelwirkungen wie Clostridioides-difficile-Infektionen beiträgt.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Unterscheidung zwischen ASB und symptomatischen Harnwegsinfektionen bei älteren Menschen. Unspezifische Symptome führen in dieser Gruppe häufig zu diagnostischer Unsicherheit und Übertherapie.
Klinischer Kontext
Die asymptomatische Bakteriurie (ASB) ist ein häufiger Befund, dessen Prävalenz stark von Alter, Geschlecht und Begleiterkrankungen abhängt. Während sie bei jungen, gesunden Frauen nur bei etwa ein bis fünf Prozent auftritt, steigt die Häufigkeit bei älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen auf bis zu fünfzig Prozent an.
Bei der ASB kommt es zu einer Kolonisation des Harntrakts mit Bakterien, ohne dass eine lokale oder systemische Entzündungsreaktion mit entsprechenden klinischen Symptomen ausgelöst wird. Häufig handelt es sich um kommensale oder wenig virulente Stämme von Escherichia coli, die sich an das Urothel anheften, aber keine Gewebeschädigung verursachen.
Die Unterscheidung zwischen einer harmlosen Kolonisation und einer behandlungsbedürftigen Harnwegsinfektion ist im klinischen Alltag essenziell, um unnötige Antibiotikatherapien zu vermeiden. Eine Übertherapie trägt maßgeblich zur Resistenzentwicklung bei und birgt das Risiko von unerwünschten Arzneimittelwirkungen sowie Veränderungen der Mikrobiom-Zusammensetzung.
Die Diagnose wird durch den quantitativen Nachweis von Bakterien in einer korrekt gewonnenen Urinprobe bei gleichzeitigem Fehlen typischer Harnwegssymptome wie Dysurie oder Pollakisurie gestellt. Bei Frauen sind in der Regel zwei aufeinanderfolgende positive Urinkulturen mit demselben Erreger erforderlich, während bei Männern oder bei Katheterurin ein einziger positiver Befund ausreicht.
Wissenswertes
Eine asymptomatische Bakteriurie liegt vor, wenn eine signifikante Bakterienmenge im Urin nachgewiesen wird, der Patient jedoch keine typischen Beschwerden einer Harnwegsinfektion aufweist. Der Grenzwert liegt klassischerweise bei mindestens 10^5 koloniebildenden Einheiten pro Milliliter Urin.
In der Schwangerschaft kann eine unbehandelte asymptomatische Bakteriurie zu einer akuten Pyelonephritis führen und das Risiko für Frühgeburten sowie ein niedriges Geburtsgewicht erhöhen. Daher wird in dieser speziellen Patientengruppe routinemäßig ein Screening und bei positivem Befund eine antibiotische Therapie empfohlen.
Patienten mit einem Dauerkatheter weisen fast immer eine bakterielle Besiedlung des Urins auf, die in der Regel nicht antibiotisch behandelt werden muss. Eine Therapie ist nur bei Auftreten von systemischen Infektionszeichen oder lokalen Symptomen indiziert, um Resistenzen zu vermeiden.
Der entscheidende Unterschied liegt in der klinischen Symptomatik. Während bei einem Harnwegsinfekt Beschwerden wie Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang oder Fieber auftreten, fehlen diese Symptome bei der asymptomatischen Bakteriurie vollständig.
Vor urologischen Eingriffen, bei denen die Schleimhaut verletzt werden könnte, besteht ein hohes Risiko für eine Bakteriämie oder Sepsis. Aus diesem Grund ist in solchen Fällen eine präoperative Diagnostik und gezielte Eradikation der Bakterien medizinischer Standard.
Eine asymptomatische Leukozyturie ist ein häufiger Begleitbefund der asymptomatischen Bakteriurie und stellt für sich genommen keine Indikation zur Antibiotikatherapie dar. Sie zeigt lediglich eine immunologische Reaktion an, beweist aber keine behandlungsbedürftige Infektion.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie betrifft ältere, kognitiv eingeschränkte Patienten mit unspezifischen Symptomen wie Stürzen oder einem Delir. Es wird davor gewarnt, diese Symptome bei Vorliegen einer Bakteriurie ohne Fieber oder lokale Beschwerden automatisch als behandlungsbedürftigen Harnwegsinfekt zu werten. Stattdessen wird empfohlen, primär nach anderen Ursachen für die Zustandsverschlechterung zu suchen, um eine unnötige Antibiotikagabe zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Ja, die Leitlinie empfiehlt bei schwangeren Frauen ein Screening und eine antibiotische Therapie der asymptomatischen Bakteriurie. Es wird eine Behandlungsdauer von 4 bis 7 Tagen vorgeschlagen, um Komplikationen wie einer Pyelonephritis vorzubeugen.
Nein, laut Leitlinie wird bei Patienten mit Diabetes mellitus weder ein Screening noch eine Behandlung der asymptomatischen Bakteriurie empfohlen.
Vor endoskopischen urologischen Eingriffen mit Schleimhauttrauma wird ein Screening und eine gezielte Therapie empfohlen. Die Leitlinie schlägt eine kurze Antibiotikagabe von 1 bis 2 Dosen vor, die 30 bis 60 Minuten vor dem Eingriff verabreicht werden sollte.
Die Leitlinie rät bei Patienten mit kurz- oder langfristig liegenden Dauerkathetern von einem Screening und einer Behandlung der asymptomatischen Bakteriurie ab.
Wenn keine lokalen urologischen Symptome oder systemischen Zeichen wie Fieber vorliegen, wird von einer Antibiotikatherapie abgeraten. Die Leitlinie empfiehlt stattdessen eine sorgfältige Beobachtung und die Abklärung anderer Ursachen für das Delir.
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Quelle: IDSA: Asymptomatic Bacteriuria (IDSA, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
AUA: Guidelines for Urinary Tract Infection (UTI)
StatPearls: Asymptomatic Bacteriuria
StatPearls: Complicated Urinary Tract Infections
StatPearls: Bacteriuria
SIGN 160: Management of suspected bacterial lower urinary tract infection in adult women
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