Arterielle Hypertonie: Diagnostik und Stufenschema
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie NG136 befasst sich mit der Identifizierung und Behandlung der primären arteriellen Hypertonie bei Erwachsenen ab 18 Jahren. Dies schließt auch Personen mit Typ-2-Diabetes ein.
Das primäre Ziel der Behandlung ist es, das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte und Schlaganfälle zu reduzieren.
Die Leitlinie bietet medizinischem Fachpersonal eine strukturierte Anleitung, um Bluthochdruck präzise zu diagnostizieren und effektiv zu therapieren.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den klinischen Alltag:
Blutdruckmessung
Bei Pulsunregelmäßigkeiten, beispielsweise durch Vorhofflimmern, wird eine manuelle Blutdruckmessung mittels Auskultation empfohlen. Automatisierte Geräte können in diesen Fällen ungenaue Werte liefern.
Bei Verdacht auf posturale Hypotonie sollte der Blutdruck im Liegen und nach einer Minute im Stehen gemessen werden. Fällt der systolische Wert um mindestens 20 mmHg oder der diastolische um mindestens 10 mmHg, wird eine Überprüfung der Medikation empfohlen.
Diagnostik
Bei der Erstbeurteilung wird die Messung an beiden Armen empfohlen. Bei einer Differenz von mehr als 15 mmHg sollte der Arm mit dem höheren Wert für zukünftige Messungen genutzt werden.
Liegt der Praxisblutdruck bei 140/90 mmHg oder höher, wird zur Bestätigung der Diagnose eine ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung (ABDM) empfohlen.
Falls eine ABDM nicht geeignet ist oder nicht toleriert wird, kann laut Leitlinie eine häusliche Blutdruckmessung (HBDM) über mindestens vier bis idealerweise sieben Tage erfolgen.
Lebensstilinterventionen
Es wird empfohlen, allen Personen mit Hypertonie Lebensstiländerungen anzubieten und diese regelmäßig zu besprechen.
Zu den empfohlenen Maßnahmen gehören:
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Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung
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Die Reduktion eines übermäßigen Alkoholkonsums
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Eine natriumarme Diät
Von der Einnahme von Calcium-, Magnesium- oder Kaliumpräparaten zur reinen Blutdrucksenkung wird abgeraten.
Medikamentöse Therapie
Eine medikamentöse Therapie wird für alle Erwachsenen mit persistierender Hypertonie Grad 2 (ab 160/100 mmHg) empfohlen.
Bei Hypertonie Grad 1 (140/90 bis 159/99 mmHg) wird eine Therapie empfohlen, wenn Endorganschäden, kardiovaskuläre Erkrankungen, Nierenerkrankungen, Diabetes oder ein 10-Jahres-Herz-Kreislauf-Risiko von mindestens 10 % vorliegen.
Für die medikamentöse Einstellung empfiehlt die Leitlinie folgendes Stufenschema:
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Stufe 1: ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) für Personen unter 55 Jahren oder mit Typ-2-Diabetes. Calciumkanalblocker (CCB) für Personen ab 55 Jahren oder Personen schwarzafrikanischer/afrokaribischer Herkunft.
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Stufe 2: Kombination aus ACE-Hemmer/ARB und CCB oder thiazidartigem Diuretikum.
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Stufe 3: Kombination aus ACE-Hemmer/ARB, CCB und thiazidartigem Diuretikum.
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Stufe 4 (resistente Hypertonie): Hinzunahme von niedrig dosiertem Spironolacton (bei Kalium ≤ 4,5 mmol/l) oder eines Alpha-/Betablockers (bei Kalium > 4,5 mmol/l).
Blutdruckziele
Die Leitlinie definiert spezifische Zielwerte für den Praxisblutdruck basierend auf Alter und Begleiterkrankungen:
| Patientengruppe | Begleiterkrankungen | Praxis-Blutdruckziel (mmHg) |
|---|---|---|
| Unter 80 Jahre | Hypertonie (mit/ohne Typ-2-Diabetes) | Unter 140/90 |
| Unter 80 Jahre | Nierenerkrankung oder Typ-1-Diabetes (ACR ≥ 70 mg/mmol) | Unter 130/80 |
| 80 Jahre und älter | Hypertonie (mit/ohne Typ-2-Diabetes) | Unter 150/90 |
| 80 Jahre und älter | Nierenerkrankung (ACR ≥ 70 mg/mmol) | Unter 130/80 |
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, einen ACE-Hemmer mit einem Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) zur Behandlung der Hypertonie zu kombinieren.
Zudem wird betont, dass ACE-Hemmer und ARB bei schwangeren oder stillenden Frauen sowie bei Frauen mit Kinderwunsch nicht angewendet werden sollten. Eine Ausnahme besteht nur, wenn dies zwingend erforderlich ist und die Risiken abgewogen wurden.
💡Praxis-Tipp
Bei Personen schwarzafrikanischer oder afrokaribischer Herkunft wird als Erstlinientherapie ein Calciumkanalblocker empfohlen. Sollte bei dieser Patientengruppe ein Eingriff in das Renin-Angiotensin-System nötig sein, wird laut Leitlinie ein Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) gegenüber einem ACE-Hemmer bevorzugt.
Häufig gestellte Fragen
Bei einem Praxisblutdruck von 140/90 mmHg oder höher wird zur Bestätigung eine ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung (ABDM) empfohlen. Alternativ kann eine häusliche Blutdruckmessung (HBDM) über mindestens vier Tage durchgeführt werden.
Die Leitlinie empfiehlt den Therapiestart bei Personen unter 80 Jahren, wenn zusätzlich Endorganschäden, kardiovaskuläre Erkrankungen, Nierenerkrankungen, Diabetes oder ein kardiovaskuläres 10-Jahres-Risiko von über 10 % vorliegen.
Für Personen unter 55 Jahren oder mit Typ-2-Diabetes wird ein ACE-Hemmer oder ARB empfohlen. Bei Personen ab 55 Jahren oder schwarzafrikanischer Herkunft wird ein Calciumkanalblocker bevorzugt.
Eine sofortige Überweisung wird empfohlen bei einem Blutdruck von 180/120 mmHg oder höher in Kombination mit Netzhautblutungen, Papillenödem oder lebensbedrohlichen Symptomen. Dazu zählen akute Verwirrtheit, Brustschmerzen oder Zeichen einer Herzinsuffizienz.
Es wird empfohlen, den Blutdruck zunächst im Liegen oder Sitzen und anschließend nach mindestens einer Minute im Stehen zu messen. Ein Abfall des systolischen Wertes um 20 mmHg oder mehr ist diagnostisch wegweisend.
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Quelle: Hypertension in adults: diagnosis and management (NICE, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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