CochraneIa2020

Antihypertensiva absetzen im Alter: Mortalität und RR

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Bluthochdruck ist ein wesentlicher Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse wie Schlaganfälle oder Myokardinfarkte. Die medikamentöse Therapie senkt zwar die Morbidität und Mortalität, geht jedoch bei älteren Menschen häufig mit unerwünschten Wirkungen einher.

Insbesondere im Alter können Antihypertensiva zu Schwindel, Stürzen und einer erhöhten Medikamentenlast im Rahmen einer Polypharmazie führen. Daher wird in der klinischen Praxis zunehmend diskutiert, ob ein Absetzen dieser Medikamente bei bestimmten Personengruppen sinnvoll ist.

Der vorliegende Cochrane Review (2020) untersucht die Sicherheit und Machbarkeit des Absetzens von blutdrucksenkenden Medikamenten. Die eingeschlossenen Studien fokussieren sich auf Personen ab 50 Jahren, die Antihypertensiva zur Primärprävention oder zur Behandlung einer unkomplizierten Hypertonie einnehmen.

Empfehlungen

Der systematische Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse folgende zentrale Erkenntnisse zum Absetzen von Antihypertensiva:

Vergleich der klinischen Endpunkte

Der Review vergleicht das Absetzen der Medikation mit der Fortführung. Folgende durchschnittliche Effekte wurden beobachtet:

Klinischer EndpunktEffekt durch Absetzen (vs. Fortführung)Vertrauenswürdigkeit der Evidenz
GesamtmortalitätKein signifikanter UnterschiedNiedrig
MyokardinfarktKein signifikanter UnterschiedSehr niedrig
Systolischer BlutdruckAnstieg um durchschnittlich 9,75 mmHgNiedrig
Diastolischer BlutdruckAnstieg um durchschnittlich 3,5 mmHgNiedrig
KrankenhausaufenthalteKein signifikanter UnterschiedNiedrig

Es wird darauf hingewiesen, dass die eingeschlossenen Studien meist klein waren und eine kurze Follow-up-Zeit aufwiesen. Eindeutige Schlussfolgerungen zu harten Endpunkten wie Mortalität oder Schlaganfällen sind daher nur eingeschränkt möglich.

Auswirkungen auf den Blutdruck und Therapieabbruch

Das Absetzen der blutdrucksenkenden Medikamente führt laut Review zu einem moderaten Anstieg des Blutdrucks. Aufgrund dieses Anstiegs oder anderer klinischer Kriterien mussten zwischen 10,5 % und 33,3 % der Personen in der Absetzgruppe die Therapie im Studienverlauf wieder aufnehmen.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Der Review zeigt, dass das Absetzen das Risiko für unerwünschte Ereignisse nicht zu erhöhen scheint. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass sich bestehende Nebenwirkungen durch das Absetzen zurückbilden können.

Zu den Auswirkungen auf Stürze oder die Lebensqualität konnten aufgrund fehlender oder unzureichender Studiendaten keine verlässlichen Aussagen getroffen werden.

Klinische Umsetzung

Für die klinische Praxis betont der Review die Wichtigkeit einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung. Ein Absetzversuch kann insbesondere bei Personen mit hohem Schadensrisiko erwogen werden. Dazu zählen laut Text:

  • Personen mit Gebrechlichkeit (Frailty)

  • Personen mit rezidivierenden Stürzen

  • Personen mit Demenz oder ausgeprägter Polypharmazie

Es wird hervorgehoben, dass ein Absetzen stets im Rahmen einer gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared Decision-Making) und unter engmaschiger klinischer Überwachung erfolgen sollte.

Kontraindikationen

Der Review schloss explizit Studien aus, in denen Personen mit vorangegangenen kardiovaskulären Ereignissen (Sekundärprävention) untersucht wurden.

Die Erkenntnisse zur Sicherheit des Absetzens beziehen sich somit ausschließlich auf die unkomplizierte Hypertonie und die Primärprävention. Bei Personen mit stattgehabtem Myokardinfarkt oder Schlaganfall ist die Evidenzlage aus diesem Review nicht anwendbar.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut Review erfordert das Absetzen von Antihypertensiva im Alter ein strukturiertes Monitoring, da bis zu einem Drittel der Personen die Therapie aufgrund eines Blutdruckanstiegs oder anderer klinischer Kriterien wieder aufnehmen muss. Es wird betont, dass ein Absetzversuch besonders bei Vorliegen von Polypharmazie, Gebrechlichkeit oder Sturzneigung sinnvoll sein kann, jedoch stets eine engmaschige Verlaufskontrolle des Blutdrucks voraussetzt.

Häufig gestellte Fragen

Der Cochrane Review fand keine Evidenz für eine erhöhte Gesamtmortalität oder ein erhöhtes Risiko für Myokardinfarkte nach dem Absetzen. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird jedoch als niedrig bis sehr niedrig eingestuft.

Laut Meta-Analyse steigt der systolische Blutdruck im Durchschnitt um knapp 10 mmHg an. Der diastolische Wert erhöht sich im Mittel um etwa 3,5 mmHg.

Der Review zeigt, dass zwischen 10,5 % und 33,3 % der Personen in der Absetzgruppe die Therapie wieder aufnehmen mussten. Der häufigste Grund hierfür war ein erneuter, klinisch relevanter Blutdruckanstieg.

In den eingeschlossenen Studien des Reviews wurden keine Daten zu Stürzen oder dem Sturzrisiko erhoben. Daher kann zu diesem Endpunkt aktuell keine evidenzbasierte Aussage getroffen werden.

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Quelle: Cochrane Review: Withdrawal of antihypertensive drugs in older people (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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