Antibiotikaverbrauch: Surveillance und Stewardship
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie (2025) adressiert die systematische Erfassung und Nutzung nationaler Daten zum Antibiotikaverbrauch (AMU). Ziel ist es, die Patientenversorgung zu verbessern und antimikrobielle Resistenzen (AMR) einzudämmen.
Ein zentrales Element ist die AWaRe-Klassifikation der WHO, welche Antibiotika in die Gruppen Access, Watch und Reserve unterteilt. Es wird das globale Ziel verfolgt, dass mindestens 70 Prozent des nationalen Verbrauchs auf die Access-Gruppe entfallen.
Die Leitlinie richtet sich an Gesundheitsbehörden, Apotheker und klinisches Personal. Sie bietet methodische Ansätze, um Überwachungsdaten in politische Maßnahmen und Antimicrobial Stewardship (AMS) zu übersetzen.
Empfehlungen
Die WHO-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Überwachung des Antibiotikaverbrauchs:
Datenerhebung und Datenquellen
Es wird empfohlen, verfügbare Datenquellen entlang der gesamten Lieferkette systematisch zu kartieren. Zu den nutzbaren Quellen zählen laut Leitlinie:
-
Import- und Produktionsdaten (hohe Abdeckung, geringe Präzision)
-
Distributions- und Großhandelsdaten
-
Verschreibungs- und Abgabedaten (höchste Präzision, aufwendige Erfassung)
Datenqualität und Metriken
Die Leitlinie betont die Notwendigkeit, Daten auf Vollständigkeit, Repräsentativität und interne Konsistenz zu prüfen. Zur Standardisierung wird die Nutzung des ATC/DDD-Systems (Anatomical Therapeutic Chemical / Defined Daily Dose) empfohlen.
Folgende Metriken werden zur Analyse empfohlen:
| Metrik | Beschreibung | Anwendungsbereich |
|---|---|---|
| DID (DDD/1000 Einwohner/Tag) | Durchschnittliche Anzahl behandelter Personen pro 1000 Einwohner | Messung des Gesamtverbrauchs und Trendanalyse |
| AWaRe-Prozentsatz | Anteil der Access-, Watch- und Reserve-Antibiotika am Gesamtverbrauch | Überprüfung des 70-Prozent-Access-Ziels |
| DU75 / DU90 | Substanzen, die 75 % bzw. 90 % des Gesamtverbrauchs ausmachen | Identifikation der am häufigsten genutzten Antibiotika |
| mg/kg Biomasse | Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht | Sektorübergreifender Vergleich (One-Health-Ansatz) |
AWaRe-Klassifikation
Die Leitlinie rät zur detaillierten Auswertung des Verbrauchs anhand der AWaRe-Kategorien. Dies dient der Identifikation von Fehlgebrauch.
| Kategorie | Eigenschaften | Einsatzempfehlung |
|---|---|---|
| Access | Schmales Spektrum, geringes Resistenzpotenzial | Mittel der ersten Wahl bei häufigen Infektionen |
| Watch | Breiteres Spektrum, höheres Resistenzrisiko | Strenge Indikationsstellung, oft bei schwereren Infektionen |
| Reserve | Letzte Therapieoption | Nur bei multiresistenten Erregern |
| Not recommended | Fehlende Evidenz, hohes Risiko | Einsatz sollte vermieden werden |
Datennutzung und politische Steuerung
Es wird empfohlen, die gewonnenen Erkenntnisse zur Anpassung nationaler Arzneimittelrichtlinien und zur Optimierung von Beschaffungsprozessen zu nutzen. Zudem rät die Leitlinie zur Etablierung von Antimicrobial Stewardship-Programmen, um den identifizierten Fehlgebrauch gezielt zu adressieren.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist darauf hin, dass ein hoher Anteil parenteraler Antibiotika im ambulanten Bereich ein Indikator für potenziellen Fehlgebrauch ist. Es wird empfohlen, bei einem oralen Verbrauchsanteil von unter 90 Prozent gezielte Audits durchzuführen, da orale Formulierungen für die meisten ambulanten Infektionen die Therapie der Wahl darstellen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie definiert das Ziel, dass mindestens 70 Prozent des nationalen Antibiotikaverbrauchs aus der Access-Gruppe stammen sollten. Diese Substanzen haben ein geringeres Risiko für die Entwicklung von Resistenzen.
Es wird die Nutzung der Metrik DID (Defined Daily Dose pro 1000 Einwohner pro Tag) empfohlen. Dies ermöglicht den Vergleich von Verbrauchsdaten unabhängig von Packungsgrößen oder Dosierungsstärken.
Laut Leitlinie spiegeln Import- und Produktionsdaten nicht den tatsächlichen Verbrauch durch Patienten wider. Sie berücksichtigen keine Lagerbildung, Verfallsdaten oder den Re-Export von Medikamenten.
Die DU90-Metrik erfasst die Antibiotika, die zusammen 90 Prozent des gesamten Verbrauchs ausmachen. Die Leitlinie nutzt diesen Wert, um die Qualität der Verschreibungspraxis zu bewerten und häufig genutzte Substanzen zu identifizieren.
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Quelle: GLASS guide on use of national data on antimicrobial use (WHO, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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