Aminocapronsäure: Indikation, Dosierung & Monitoring
Hintergrund
Aminocapronsäure ist ein Antifibrinolytikum und Lysin-Analogon. Der Wirkstoff bindet kompetitiv an Plasminogen, verhindert dessen Umwandlung zu Plasmin und hemmt dadurch den Fibrinabbau.
Die StatPearls-Leitlinie beschreibt den Einsatz zur Behandlung akuter Blutungsstörungen, die durch eine erhöhte fibrinolytische Aktivität verursacht werden. Dies umfasst Komplikationen nach Herzoperationen, hämatologische Erkrankungen und Leberzirrhose.
Neben den zugelassenen Indikationen wird das Medikament auch im Off-Label-Use eingesetzt. Dazu gehören die Prophylaxe von Nachblutungen bei zahnärztlichen Eingriffen bei Hämophilie A, die Prävention von Reblutungen nach Subarachnoidalblutungen oder die Behandlung von Lungenblutungen.
Empfehlungen
Indikationen
Für den Einsatz bei akuten Hämorrhagien durch Hyperfibrinolyse bestehen verschiedene zugelassene Indikationen. Dazu zählen:
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Komplikationen nach herzchirurgischen Eingriffen
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Hämatologische Erkrankungen und Leberzirrhose
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Neoplastische Erkrankungen und kongenitale amegakaryozytäre Thrombozytopenie
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Lebensbedrohliche Blutungen bei vorzeitiger Plazentalösung (Abruptio placentae)
Applikation und Sicherheit
Eine intravenöse Gabe wird grundsätzlich in verdünnter Form empfohlen. Eine schnelle Infusion der unverdünnten Substanz kann zu Hypotonie, Bradykardie und Arrhythmien führen.
Bei Frühgeborenen wird vor intravenösen Formulierungen mit Benzylalkohol gewarnt. Diese können das lebensbedrohliche Gasping-Syndrom auslösen.
Nebenwirkungen und Muskeltoxizität
Bei einer Langzeitanwendung besteht das Risiko einer Skelettmuskelschwäche und Muskelnekrose. Es wird eine engmaschige Überwachung der Muskelenzyme, insbesondere der Kreatinkinase (CPK), empfohlen.
Bei einem Anstieg der CPK-Werte ist die Therapie umgehend abzusetzen.
Monitoring
Zur Überwachung der Therapie wird die Kontrolle von Serumkreatinin, Blut-Harnstoff-Stickstoff (BUN), CPK und Gerinnungstests empfohlen.
Als am häufigsten genutzte Methode zur Beurteilung der Fibrinolyse im perioperativen Setting wird die Thrombelastographie (TEG) genannt.
Dosierung
Standarddosierung für Erwachsene
| Applikationsweg | Initialdosis (1. Stunde) | Erhaltungsdosis | Maximale Tagesdosis |
|---|---|---|---|
| Oral | 5 g | 1 bis 1,25 g pro Stunde (bis zu 8 Stunden) | 30 g |
| Intravenös (IV) | 4 bis 5 g (verdünnt in 250 ml) | 1 g pro Stunde als Dauerinfusion (in 50 ml) | 30 g |
Spezifische Indikationen
| Indikation | Dosierung | Anmerkung |
|---|---|---|
| Von-Willebrand-Syndrom (Zahneingriffe) | 50 bis 100 mg/kg | In Kombination mit Faktor VIII |
Bei Niereninsuffizienz ist Vorsicht geboten, da die Clearance der Aminocapronsäure deutlich verlängert ist.
Kontraindikationen
Folgende Kontraindikationen und Warnhinweise sind zu beachten:
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Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC): Kontraindiziert, es sei denn, die Gabe erfolgt gleichzeitig mit Heparin.
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Aktive intravasale Gerinnung: Die Anwendung ist strikt kontraindiziert.
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Blutungen der oberen Harnwege: Kontraindiziert aufgrund der Gefahr einer intrarenalen Obstruktion durch Gerinnsel (Ausnahme: der potenzielle Nutzen übersteigt die Risiken deutlich).
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Medikamenteninteraktionen: Keine gleichzeitige Gabe mit Anti-Inhibitor-Koagulanzien-Komplexen oder Faktor-IX-Komplex-Konzentraten wegen eines erhöhten Thromboserisikos.
💡Praxis-Tipp
Bei einer Langzeittherapie mit Aminocapronsäure wird eine regelmäßige Kontrolle der Kreatinkinase (CPK) empfohlen, da ein Anstieg auf eine beginnende Myopathie oder Rhabdomyolyse hinweisen kann und ein sofortiges Absetzen erfordert.
Häufig gestellte Fragen
Die Initialdosis beträgt 4 bis 5 Gramm über eine Stunde, verdünnt in 250 ml Trägerlösung. Anschließend wird eine Erhaltungsdosis von 1 Gramm pro Stunde als Dauerinfusion verabreicht.
Eine schnelle, unverdünnte intravenöse Gabe kann zu schweren kardiovaskulären Nebenwirkungen führen. Dazu gehören Hypotonie, Bradykardie und Arrhythmien.
Der Einsatz bei Hämaturien der oberen Harnwege ist grundsätzlich kontraindiziert. Es besteht die Gefahr einer intrarenalen Obstruktion durch Gerinnselbildung in den Ureteren oder im Nierenbecken.
Es wird die regelmäßige Kontrolle von Serumkreatinin, Blut-Harnstoff-Stickstoff (BUN) und Gerinnungstests empfohlen. Bei längerer Anwendung ist zudem die Überwachung der Kreatinkinase (CPK) wichtig.
Bei einer DIC ist der Wirkstoff primär kontraindiziert. Eine Ausnahme besteht nur, wenn die Verabreichung gleichzeitig mit Heparin erfolgt.
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Quelle: StatPearls: Aminocaproic Acid (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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