NICE

Alkoholismus: Diagnostik und Therapie von Folgeschäden

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie CG100 behandelt die Diagnostik und das Management von körperlichen Komplikationen bei alkoholbezogenen Störungen. Sie richtet sich an die medizinische Versorgung von Erwachsenen und Jugendlichen ab 10 Jahren.

Ein abrupter Rückgang des Alkoholkonsums bei chronischem Abusus kann zu einem schweren Entzugssyndrom führen. Zudem verursacht ein anhaltend schädlicher Konsum langfristige Schäden an nahezu allen Organsystemen des Körpers.

Die Leitlinie fokussiert sich auf vier klinische Hauptbereiche. Diese umfassen den akuten Alkoholentzug, die Wernicke-Enzephalopathie, alkoholbedingte Lebererkrankungen sowie die akute und chronische Pankreatitis.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management von alkoholbezogenen Komplikationen:

Akuter Alkoholentzug

Eine stationäre Aufnahme zum medizinisch unterstützten Entzug wird für Personen mit hohem Risiko für Entzugskrampfanfälle oder ein Delirium tremens empfohlen. Auch bei Jugendlichen unter 16 Jahren sowie bei vulnerablen Personen sollte die Schwelle für eine Aufnahme niedrig angesetzt werden.

Für die medikamentöse Therapie empfiehlt die Leitlinie:

  • Benzodiazepine oder Carbamazepin als Erstlinientherapie

  • Clomethiazol als Alternative (nur im stationären Setting und unter Vorsicht)

  • Ein symptomgetriggertes Dosierungsschema bei 24-Stunden-Überwachung

Bei einem Delirium tremens wird orales Lorazepam als erste Wahl empfohlen. Bei Persistenz der Symptome oder Ablehnung oraler Medikation sollte parenterales Lorazepam oder Haloperidol angeboten werden.

Zur Behandlung von Entzugskrampfanfällen wird ein schnell wirksames Benzodiazepin wie Lorazepam empfohlen. Phenytoin soll laut Leitlinie nicht eingesetzt werden.

Wernicke-Enzephalopathie

Die Leitlinie empfiehlt die Gabe von Thiamin für Personen mit Verdacht auf oder hohem Risiko für eine Wernicke-Enzephalopathie. Die Dosierung sollte im oberen Bereich der Standardempfehlungen liegen.

Eine prophylaktische Gabe wird für mangelernährte Personen, bei dekompensierter Lebererkrankung oder während des akuten Entzugs empfohlen. Bei akutem Verdacht auf eine Wernicke-Enzephalopathie muss Thiamin parenteral für mindestens 5 Tage verabreicht werden.

Alkoholbedingte Lebererkrankungen

Bei auffälligen Leberwerten und anamnestischem Alkoholkonsum müssen alternative Ursachen ausgeschlossen werden. Zur Bestätigung der Diagnose kann eine Leberbiopsie erwogen werden.

Personen mit dekompensierter Lebererkrankung sollten für eine Lebertransplantation evaluiert werden, wenn die Dekompensation trotz optimaler Therapie und 3-monatiger Alkoholabstinenz fortbesteht.

Bei schwerer alkoholbedingter Hepatitis (Maddrey-Diskriminanzfunktion ≥ 32) wird eine Kortikosteroidtherapie empfohlen. Zuvor müssen jedoch aktive Infektionen, gastrointestinale Blutungen und Nierenfunktionseinschränkungen kontrolliert werden.

Alkoholbedingte Pankreatitis

Zur Diagnose einer chronischen Pankreatitis wird die Computertomografie als primäres bildgebendes Verfahren empfohlen.

Bei akuter Pankreatitis rät die Leitlinie ausdrücklich von einer prophylaktischen Antibiotikagabe ab. Zudem wird eine enterale Ernährung innerhalb von 72 Stunden empfohlen, sofern keine Kontraindikationen bestehen.

Pankreasenzympräparate sollen bei chronischer Pankreatitis nur bei Steatorrhö oder Mangelernährung angeboten werden. Sie werden nicht empfohlen, wenn Schmerz das einzige Symptom ist.

Dosierung

Die Leitlinie definiert Risikokategorien des Alkoholkonsums anhand der wöchentlichen Konsummenge:

RisikokategorieDefinitionMenge FrauenMenge Männer
Hazardous drinking (Riskant)Konsum, der das Risiko für Schäden erhöht15 - 34 Einheiten/Woche15 - 49 Einheiten/Woche
Harmful drinking (Schädlich)Konsum, der bereits physische/psychische Schäden verursacht≥ 35 Einheiten/Woche≥ 50 Einheiten/Woche

Kontraindikationen

Die Leitlinie benennt folgende spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • Phenytoin: Darf nicht zur Behandlung von Alkoholentzugskrampfanfällen eingesetzt werden.

  • Prophylaktische Antibiotika: Sollen bei akuter alkoholbedingter Pankreatitis nicht verabreicht werden.

  • Pankreasenzyme: Sollen bei chronischer Pankreatitis nicht verschrieben werden, wenn Schmerz das einzige Symptom ist.

  • Nahrungskarenz: Personen mit akuter Pankreatitis sollen nicht routinemäßig nüchtern gelassen werden ("nil-by-mouth"), es sei denn, es gibt einen klaren Grund wie unstillbares Erbrechen.

ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, Personen mit akuter Pankreatitis routinemäßig nüchtern zu lassen. Es wird stattdessen empfohlen, frühzeitig (innerhalb von 72 Stunden) mit einer enteralen Ernährung zu beginnen, um den Ernährungsbedarf zu decken und Komplikationen zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird orales Lorazepam als Erstlinientherapie bei einem Delirium tremens empfohlen. Bei anhaltenden Symptomen sollte auf parenterales Lorazepam oder Haloperidol ausgewichen werden.

Es wird empfohlen, Thiamin bei einem akuten Verdacht parenteral für mindestens 5 Tage zu verabreichen. Im Anschluss sollte eine orale Erhaltungstherapie erfolgen.

Die Leitlinie empfiehlt Kortikosteroide bei einer schweren alkoholbedingten Hepatitis mit einer Maddrey-Diskriminanzfunktion von 32 oder höher. Vor Therapiebeginn müssen jedoch Infektionen und Blutungen ausgeschlossen oder behandelt werden.

Nein, die Leitlinie rät explizit davon ab, prophylaktische Antimikrobiotika bei einer akuten alkoholbedingten Pankreatitis einzusetzen.

Die Leitlinie definiert schädlichen Konsum als eine Menge von 35 oder mehr Einheiten pro Woche bei Frauen. Bei Männern liegt die Grenze bei 50 oder mehr Einheiten pro Woche.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: CG100: Alcohol-use disorders: diagnosis and management of physical complications (NICE). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.