StatPearls2026

Alkoholische Hepatitis: Diagnostik, MDF-Score, Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: StatPearls (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die alkoholische Hepatitis (AH) ist ein schweres Syndrom der alkoholischen Lebererkrankung. Sie ist durch einen raschen Beginn von Ikterus, Unwohlsein, schmerzhafter Hepatomegalie und systemischen Entzündungszeichen gekennzeichnet.

Die Erkrankung entsteht typischerweise nach chronischem, starkem Alkoholkonsum, wobei akutes Rauschtrinken (Binge Drinking) oft als Auslöser fungiert. Ohne Alkoholkarenz schreitet die alkoholische Hepatitis in der Regel zu einer irreversiblen Leberzirrhose fort.

Pathophysiologisch kommt es durch den Alkoholabbau zu einer veränderten Stoffwechsellage und einer Translokation von Endotoxinen aus dem Darm. Dies führt zu einer Freisetzung von reaktiven Sauerstoffspezies und Zytokinen, was die ausgeprägte Leberentzündung bedingt.

Empfehlungen

Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie der alkoholischen Hepatitis:

Diagnostik und Evaluation

Die Diagnose wird primär klinisch und laborchemisch gestellt. Laut Leitlinie umfasst die Falldefinition einen Ikterus innerhalb von 60 Tagen nach starkem Alkoholkonsum, ein Serumbilirubin über 3 mg/dl sowie eine AST-Erhöhung mit einem AST/ALT-Quotienten von über 1,5.

Als erste bildgebende Untersuchung wird ein Ultraschall empfohlen, um Gallensteine und andere biliäre Erkrankungen auszuschließen. Eine Leberbiopsie ist nicht zwingend erforderlich, kann aber bei unklarer Ätiologie hilfreich sein.

Zur Bestimmung des Schweregrades und der Therapieindikation wird die Berechnung spezifischer Scores empfohlen. Ein Maddrey-Diskriminanzfaktor (MDF) von über 32 kennzeichnet eine schwere alkoholische Hepatitis mit hoher Mortalität.

Allgemeine Therapiemaßnahmen

Die absolute Alkoholkarenz und eine adäquate Ernährungstherapie bilden den Grundpfeiler der Behandlung. Es wird eine tägliche Proteinzufuhr von 100 g empfohlen, sofern keine hepatische Enzephalopathie vorliegt.

Zudem sollte eine Supplementierung mit Multivitaminen, einschließlich Folsäure und Thiamin, erfolgen. Bei einer oralen Nahrungsaufnahme von weniger als 1200 kcal pro Tag wird eine enterale Ernährungssupplementierung angeraten.

Pharmakologische Therapie

Bei schwerer alkoholischer Hepatitis wird eine Therapie mit Glukokortikoiden empfohlen. Das Ansprechen auf die Therapie muss nach einer Woche zwingend mittels Lille-Score evaluiert werden.

Bei einem Lille-Score von über 0.45 liegt ein Therapieversagen vor und die Steroide sollten abgesetzt werden. Bei einem Score unter 0.45 wird die Fortführung der Therapie für weitere drei Wochen empfohlen.

Bei Kontraindikationen gegen Steroide kann alternativ Pentoxifyllin eingesetzt werden. Die Leitlinie weist jedoch darauf hin, dass die langfristigen Überlebensvorteile beider Medikamente fraglich sind.

Lebertransplantation

Für Personen, die nicht auf Steroide ansprechen und einen MELD-Score von über 26 aufweisen, kann eine Lebertransplantation erwogen werden. Die Leitlinie betont jedoch, dass hierbei ethische und soziale Barrieren sowie die Organverfügbarkeit limitierende Faktoren darstellen.

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende Dosierungsschemata für die pharmakologische Therapie:

MedikamentDosierungIndikationTherapiedauer
Prednisolon40 mg/Tag (oral)Schwere AH (MDF > 32)28 Tage (Abbruch bei Lille > 0.45 nach Tag 7)
Methylprednisolon32 mg/Tag (intravenös)Schwere AH bei fehlender oraler Aufnahmefähigkeit28 Tage
Pentoxifyllin400 mg (3-mal täglich, oral)Schwere AH bei Kontraindikationen gegen Steroide28 Tage

Zur Risikostratifizierung und Therapieentscheidung werden folgende Scores herangezogen:

Score-SystemParameterKlinische Bedeutung
Maddrey-Diskriminanzfaktor (MDF)Bilirubin, Prothrombinzeit> 32 indiziert schwere AH und Steroidtherapie
Lille-ScoreAlter, Bilirubin, Albumin, Kreatinin, Prothrombinzeit> 0.45 an Tag 7 zeigt Steroid-Therapieversagen an
MELD-ScoreBilirubin, INR, Kreatinin> 20 prädiziert höhere Mortalität; > 26 mögliches Transplantationskriterium

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen für den Einsatz von Steroiden bei alkoholischer Hepatitis:

  • Aktive gastrointestinale Blutungen

  • Schwere Pankreatitis

  • Unkontrollierter Diabetes mellitus

  • Aktive Infektionen (Therapie erst nach adäquater antibiotischer Kontrolle möglich)

  • Nierenversagen (akute Nierenschädigung oder hepatorenales Syndrom)

ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein kritischer Punkt in der Behandlung der schweren alkoholischen Hepatitis ist die Reevaluation der Steroidtherapie nach sieben Tagen. Die Leitlinie warnt davor, Steroide bei einem Lille-Score von über 0.45 fortzuführen, da dies ein Therapieversagen anzeigt. Eine Fortsetzung erhöht das Risiko für fatale Infektionen ohne zusätzlichen Überlebensvorteil.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie ist ein Serumbilirubin von über 3 mg/dl sowie eine AST-Erhöhung auf 50 bis 400 U/l typisch. Der AST/ALT-Quotient liegt dabei charakteristischerweise bei über 1,5.

Eine Therapie mit Prednisolon wird bei schweren Verläufen empfohlen. Dies ist laut Leitlinie bei einem Maddrey-Diskriminanzfaktor (MDF) von über 32 der Fall.

Bei Kontraindikationen gegen Glukokortikoide wird der Einsatz von Pentoxifyllin empfohlen. Die Dosierung beträgt dabei 400 mg dreimal täglich für 28 Tage.

Die Leitlinie empfiehlt eine tägliche Proteinzufuhr von 100 g. Eine Proteinrestriktion sollte nur bei Vorliegen einer hepatischen Enzephalopathie erfolgen.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: StatPearls: Alcoholic-Associated Hepatitis (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.